Politik

100 Prozent auf allesTrump will Kanadas Annäherung an China mit Zolldrohung stoppen

24.01.2026, 16:14 Uhr
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Trump befürchtet, dass über Kanada chinesische Waren in die USA gelangen könnten. (Foto: REUTERS)

Ottawa und Peking unternehmen nach jahrelanger Eiszeit einen Versuch, ihre Beziehungen zu verbessern. Kanada sagt Handelserleichterungen zu und alarmiert damit die USA. Deren Präsident Trump wittert ein Einfallstor für chinesische Waren und greift zur Zollkeule.

US-Präsident Donald Trump droht Kanada für den Fall einer weitgehenden Verständigung mit China mit neuen Zöllen. Sollte das Nachbarland einen Deal mit Peking schließen, werde man umgehend Zölle in Höhe von 100 Prozent auf alle Waren und Güter bei der Einfuhr in die USA erheben, schrieb Trump bei Truth Social. Hintergrund ist die Absicht von Kanada und China, enger zusammenzurücken.

"Sollte Gouverneur Carney glauben, er könne Kanada zu einem Umschlagplatz für chinesische Waren auf dem Weg in die USA machen, irrt er sich gewaltig", schrieb der US-Präsident an den kanadischen Premier Mark Carney. "China wird Kanada verschlingen, es vollständig ausbeuten und dabei auch seine Wirtschaft, sein soziales Gefüge und seine Lebensweise zerstören."

Nach Jahren der Eiszeit suchen China und Kanada eine Neujustierung ihrer Beziehungen. Dazu war Carney unlängst nach Peking gereist und hatte sich dort mit Staatschef Xi Jinping getroffen. Beide Seiten vereinbarten konkrete Schritte im Handel. Einer Mitteilung der kanadischen Regierung zufolge wird Ottawa unter anderem die zuletzt auf 100 Prozent angehobenen Zölle auf chinesische Elektroautos deutlich senken und künftig für zunächst 49.000 Fahrzeuge wieder den regulären Zollsatz von 6,1 Prozent anwenden. Im Gegenzug habe China zugesagt, Handelshemmnisse für kanadische Agrarprodukte wie Raps abzubauen.

"In einer zunehmend gespaltenen und unsicheren Welt baut Kanada eine stärkere, unabhängigere und widerstandsfähigere Wirtschaft auf", hatte es anschließend in einer kanadischen Erklärung geheißen. Nach chinesischen Angaben hatte der Annäherungsprozess im Oktober am Rande des APEC-Gipfels im südkoreanischen Gyeongju begonnen. Seitdem hätten beide Seiten intensiv über die Wiederaufnahme und den Neustart der Zusammenarbeit beraten.

Carneys Besuch war der erste eines kanadischen Regierungschefs in China seit acht Jahren. Die Beziehungen waren zuvor von Spannungen geprägt. Eine tiefe Krise hatte 2018 die Festnahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou in Kanada auf Betreiben der USA ausgelöst. Peking reagierte damals mit der Inhaftierung zweier Kanadier.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa

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