Politik

"Mexiko wird die Mauer bezahlen" Trump zu Besuch beim bösen Nachbarn

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Könnten Enrique Peña Nieto und Donald Trump als Präsidenten zusammenarbeiten?

(Foto: REUTERS)

Donald Trump verunglimpft mexikanische Einwanderer im Wahlkampf als Verbrecher und will zum Schutz vor ihnen eine Mauer bauen. Beim Treffen mit Präsident Peña Nieto zollt er ihnen jetzt Respekt. Später nimmt er alles wieder zurück.

Zu Gast bei Feinden: Donald Trump, Polit-Rebell Kämpfer gegen politische Korrektheit, gibt sich staatsmännisch und besucht in Mexiko den Lieblingsfeind. "Ich habe großen Respekt vor den Mexikanern in den Vereinigten Staaten, vor ihrem Glauben, ihren Familienwerten und ihrer Gemeinschaft", näselt er ins Mikrofon in Mexiko-Stadt, neben ihm am Podium Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto.

Wenige Stunden später in Arizona dann wieder der alte Trump, demagogisch, populistisch, wie man ihn seit Monaten kennt. "Wir werden eine großartige Mauer entlang der Südgrenze bauen", sagte er unter tosenden Jubel-Sprechchören seiner Anhänger in Phoenix. "Und Mexiko wird die Mauer bezahlen. Hundert Prozent. Sie wissen es noch nicht, aber sie werden die Mauer bezahlen." Trump war in seinem Element, als er ein Zehn-Punkte-Programm zur Migrationspoltitik vorstellte. Für in den USA befindliche kriminelle Ausländer kündigte er eine "Null-Toleranz-Politik" an. "Eine Migrationsreform sollte bedeuten, das Leben der Amerikaner zu verbessern", sagte der Republikaner.

Er begann vergleichsweise sachlich, ansatzweise sogar fundiert. Er lieferte Zahlen und versuchte sich an Fakten. Doch je länger der mehr als einstündige Husarenritt in Sachen Ausländerpolitik dauerte, desto mehr redete sich der Republikaner in Rage, desto emotionaler wurde er.

Mehr als Mauerbau hat Trump nicht drauf

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Viele Mexikaner waren wenig begeistert von Trumps Besuch.

(Foto: REUTERS)

Neutrale Analysten waren sich einig: Alles in allem hat er seinen Anhängern nach dem Mund geredet, seine vorhandete Basis gestärkt. Doch neue Wähler? So nicht. Trump hat erneut gezeigt: Seine Ausländerpolitik besteht aus der fixen Idee des Mauerbaus. Wesentlich mehr hat er inhaltlich nicht drauf. Trump hat bei der Ankündigung seiner Kandidatur Mexikaner als Drogenhändler und Vergewaltiger verunglimpft. Das schränkte er auch in Arizona kaum ein. Er sprach von Drogenkartellen und Menschenhändlern, die bekämpft werden müssten. In Mexiko selbst gab er sich versöhnlicher.

Als er den mexikanischen Präsidenten trifft, reden die beiden Männer in der Residenz des Staatschefs eingerahmt von Flaggen vor dem mächtigen Staatswappen von "offenen und konstruktiven" Gesprächen. Doch die Einschätzung der Beziehung könnte unterschiedlicher nicht sein.

Peña Nieto betont die großen Chancen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, spricht von einer Million Menschen, die täglich legal die verkehrsreichste Grenze der Welt überschreiten, beschwört die Dynamik des gemeinsamen nordamerikanischen Marktes. Für Trump bedeutet Mexiko vor allem eine Gefahr. Menschenhandel, Drogenschmuggel, das Freihandelsabkommen Nafta führe dazu, dass Industriearbeitsplätze von den Vereinigten Staaten nach Mexiko abwanderten, sagt der milliardenschwere Unternehmer. Peña Nieto schaut etwas gequält in die Ferne. 

"Er droht uns mit Krieg"

"Gleich zu Beginn des Gesprächs habe ich Donald Trump klar gemacht, dass Mexiko nicht für die Mauer zahlen wird", schreibt er später bei Twitter. "Danach hat sich die Unterhaltung auf andere Themen zubewegt und sehr respektvoll entwickelt."

Auf beiden Seiten des Rio Grande spekulierten die Analysten, was sich Trump und Peña Nieto von der ungewöhnlichen Stippvisite versprechen. Die Zustimmungswerte des mexikanischen Präsidenten sind im Keller und für den Besuch des latino-feindlichen Populisten hat in Mexiko kaum jemand Verständnis. "Er droht uns mit Krieg und Mauern, aber wir öffnen ihm den Nationalpalast", sagte Senatspräsident Roberto Gil. Ende der vergangenen Woche hatte die mexikanische Regierung beide US-Präsidentschaftskandidaten eingeladen, Clinton lehnte angeblich ab. Dem Vernehmen nach hatte Peña Nieto schlicht nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet Trump zusagt. "Ich weiß nicht, wie Sie darauf gekommen sind, dass es eine gute Idee sein könnte, Donald Trump einzuladen", sagt der mexikanische Politik-Analyst Alejandro Hope.

Peña Nietos Einladung an Donald Trump birgt nach Einschätzung von Mexikos Ex-Präsidenten Vicente Fox ein großes politisches Risiko. Sollte sein Umgang mit dem ungeliebten Gast als zu freundschaftlich empfunden worden sein, werde ihm das schaden, sagt er im US-Fernsehsender CNN. "Er wird als Verräter gesehen, weil wir es nicht hinnehmen, beleidigt zu werden."

In Mexiko stieß der Besuch von Trump weitgehend auf Unverständnis. Politiker aller politischer Lager verurteilten das Treffen von Peña Nieto mit dem New Yorker Millionär. Demonstranten hielten Plakate hoch, auf denen auch eine Form von Ausländerpolitik geschrieben stand: "Trump, Go Home".

Quelle: n-tv.de, Denis Düttmann und Michael Donhauser, dpa

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