Politik

Explosionen wie "Terroranschlag" Tschechiens Präsident wettert gegen Moskau

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Zeman kritisiert Moskat, warnt aber auch vor Hysterie.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eigentlich gilt er als Russland-freundlich. Doch nachdem der tschechische Geheimdienst zwei Explosionen russischen Agenten zugeschrieben hat, kritisiert Präsident Zeman Moskau. Den Vorfall von 2014 vergleicht er mit einem "Terroranschlag".

In ungewöhnlicher Schärfe hat Tschechiens Präsident Milos Zeman Russland kritisiert - und zwei Moskau zugeschriebene Explosionen in einem tschechischen Munitionslager mit Terroranschlägen verglichen. "Was haben die Russen, Pat und Mat, die auch im Verdacht stehen, (den Ex-Doppelagenten Sergej) Skripal vergiftet zu haben, auf unserem Territorium gemacht?", fragte Zeman im Fernsehen unter Verweis auf die beliebte tschechische Serie "Pat und Mat", deren Hauptfiguren immer wieder Unheil anrichten.

"Kein souveränes Land kann es zulassen, dass zwei Agenten eines ausländischen Staates einen Terroranschlag auf seinem Gebiet verüben", betonte Zeman. Gleichzeitig warnte Zeman jedoch vor "jeder Form von Hysterie". Zeman sprach von einem "Verdacht" und plädierte dafür, weitere Polizeiermittlungen abzuwarten. Zeman gilt als pro-russisch, zu den von der Regierung in Prag erhobenen Vorwürfen gegen Moskau äußerte er sich nun zum ersten Mal.

Der Präsident zählte zwei Ermittlungshypothesen auf: Entweder erhärte sich der Verdacht gegen Russland oder es stelle sich heraus, dass es sich um einen Unfall beim unsachgemäßen Umgang mit Munition gehandelt habe. "Ich hoffe, dass wir die Wahrheit erfahren werden", sagte der Präsident. Er schloss auch nicht aus, dass die Affäre in Wirklichkeit ein "Geheimdienstspiel mit ernsten Folgen für unser innenpolitisches Leben" gewesen sein könnte. Oppositionspolitiker kritisierten, dass Zeman in seiner Rede die Arbeit der Geheimdienste in Zweifel gezogen und Desinformation betrieben habe.

Zemans Aussagen belegten, "dass Prag keine wirklichen Grundlagen und Beweise hatte, um Anschuldigungen gegen Russland zu erheben", sagte der Chef des Auswärtigen Ausschusses der russischen Duma, Leonid Sluzki, der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Tschechien solle sich bei Russland entschuldigen.

Waffen sollten wohl an Ukraine gehen

Vor einer Woche hatte der tschechische Geheimdienst Russland vorgeworfen, hinter zwei Explosionen in einem Militärdepot im Osten Tschechiens zu stecken, bei denen im Jahr 2014 zwei Menschen getötet worden waren. Demnach sollen zwei russische Geheimdienst-Mitarbeiter die Detonationen ausgelöst haben. Es soll sich um dieselben Agenten handeln, denen auch die Vergiftung des ehemaligen Doppelagenten Skripal und seiner Tochter im britischen Salisbury im Jahr 2018 zur Last gelegt wird. Der Kreml bestreitet die Vorwürfe der Prager Regierung vehement.

Die Vorwürfe lösten eine diplomatische Krise zwischen Prag und Moskau aus. Tschechien verwies 18 russische Diplomaten des Landes, worauf Russland seinerseits mit der Ausweisung von 20 tschechischen Botschaftsmitarbeitern reagierte. Dass es sich bei den 18 ausgewiesenen russischen Diplomaten tatsächlich um Geheimdienstagenten handelte, zog Zeman allerdings in Zweifel. Er sehe keinen Grund, warum es "18 Spione" in der russischen Botschaft geben sollte, sagte er.

Berichten zufolge richteten sich die Explosionen im Jahr 2014 gegen Waffen im Besitz eines bulgarischen Waffenhändlers, die möglicherweise an die Ukraine verkauft werden sollten. 2014 hatte Russland die ukrainische Halbinsel Krim annektiert, während in der Ostukraine der nach wie vor andauernde Konflikt zwischen pro-russischen Separatisten und der ukrainischen Armee eskalierte.

Quelle: ntv.de, mli/AFP/dpa

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