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Putin fordert Untersuchung Türkei findet Hinweise auf Sarin in Syrien

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Eine in Chan Scheichun gefundene Granate - sie könnte Giftgas enthalten haben. Bisher ist der genaue Hergang jedoch unklar.

dpa

Bisher ist unklar, was am Dienstag in Chan Scheichun geschah. Nach Angaben der Türkei gibt es nach dem Chemiewaffeneinsatz Hinweise auf Sarin. Ankara vermutet Damaskus hinter dem Angriff. Auch Kanzlerin Merkel findet kritische Worte - gegen Russland.

Eine Untersuchung der Opfer des mutmaßlichen Chemiewaffen-Einsatzes in Nordsyrien hat laut türkischen Angaben Hinweise auf das Nervengas Sarin ergeben. Die ersten Analysen ließen darauf schließen, dass die Opfer des Luftangriffs in Chan Scheichun am Dienstag dem chemischen Kampfstoff Sarin ausgesetzt gewesen seien, erklärte das türkische Gesundheitsministerium. Bei dem Angriff hatte es laut Aktivisten mindestens 86 Tote gegeben. Nach neuesten Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef starben mindestens 27 Kinder.

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Mitglieder der sogenannten Weißhelme versorgen Opfer des Giftgaseinsatzes in Chan Scheichun.

(Foto: dpa)

Laut dem Ministerium wurden mehr als 30 Verletzte des Angriffs in der Türkei behandelt, drei von ihnen starben. Schon zuvor hatte der türkische Justizminister Bekir Bozdag von Hinweisen auf den Einsatz von Chemiewaffen bei dem Angriff gesprochen. Er machte - genau wie die syrische Opposition - die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad verantwortlich. Auch die USA und andere westliche Regierungen werfen der Regierung in Damaskus vor, dafür verantwortlich zu sein.

Damaskus wies dagegen jede Verantwortung zurück. Außenminister Walid al-Muallem schloss sich der Darstellung des syrischen Verbündeten Russland an, wonach der Kampfstoff bei einem Luftangriff auf ein Lager der Rebellen austrat, in dem sie Chemiewaffen für einen Einsatz im Irak lagerten. "Ich betone, dass wir diese Art von Waffen nicht eingesetzt haben und nicht einsetzen werden, weder gegen Zivilisten noch gegen Terroristen", sagte al-Muallim in Damaskus.

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin warnte vor vorschnellen Schuldzuweisungen an wessen Adresse auch immer. Das sei unannehmbar, sagte er in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Erst müsse es eine "sorgfältige und unvoreingenommene internationale Untersuchung" geben, teilte der Kreml zu dem Gespräch mit.

An welchem Kampfstoff die Opfer in Chan Scheichun starben, war bisher unklar. Die Türkei hatte zuvor von Chlorgas gesprochen. Sarin gehört anders als Chlorgas zu den chemischen Kampfstoffen, die unter eine Vereinbarung fallen, der Damaskus im September 2013 auf Druck der USA zugestimmt hatte. Demnach sollten sämtliche Chemiewaffen unter Aufsicht der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) außer Landes gebracht und dort zerstört werden. Die Operation wurde im Januar 2016 offiziell abgeschlossen.

Merkel kritisiert Moskau

Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte derweil Russland wegen der Blockade einer UN-Sicherheitsratsresolution zu dem Giftgas-Angriff. Ohne Moskau direkt zu nennen, sagte die Kanzlerin im sächsischen Bad Muskau: "Es ist eine Schande, dass keine UN-Sicherheitsratsresolution zustande kommt. Und hier müssen gerade diejenigen, die sich verweigern, überlegen welche Verantwortung sie damit auf sich nehmen."

Es spreche leider manches dafür, dass der Angriff von Assads Regime ausgegangen sei, "auch dann die anschließende Bombardierung des Krankenhauses, wo die Opfer versorgt wurden". Merkel betonte: "Es ist ein barbarischer Angriff, der unbedingt aufgeklärt werden muss. Chemiewaffeneinsätze sind Kriegsverbrechen."

Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats hatten am Mittwoch keine Einigung auf eine von den USA, Frankreich und Großbritannien eingebrachte Resolution erzielt, mit der der Angriff verurteilt und eine rasche Aufklärung gefordert werden sollte. Russlands UN-Vizebotschafter Wladimir Safronkow sagte: "Zu diesem Zeitpunkt sehen wir keinen besonderen Bedarf, eine Resolution anzunehmen."

US-Präsident Donald Trump hatte zu dem Giftgas-Angriff erklärt, für ihn seien "eine ganze Reihe von Linien überschritten worden". Zugleich drohte er an, dass dieser "Affront des Assad-Regimes gegen die Menschlichkeit nicht toleriert werden kann". Trump sagte nicht, wie eine Antwort der USA aussehen könnte. Er deutete militärische Schritte nur an.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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