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Russische Raketen in der Nato Türkei hält am S-400-Deal fest

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Größere Reichweite, stärkere Raketen: Trägerfahrzeuge des russischen Luftabwehrsystems S-400 bei einer Parade in Moskau.

(Foto: REUTERS)

Klare Ansage aus Ankara: Gegen den ausdrücklichen Willen Washingtons will das türkische Militär ab Sommer die erste Lieferung russischer Raketenabwehr vom Typ S-400 in Empfang nehmen. Das Hightech-System soll bereits ab Herbst bereit zum Einsatz sein.

Die Türkei will das russische Luftabwehrsystem S-400 noch in diesem Herbst in Betrieb nehmen. "Die Lieferung beginnt im Juli. Das System wird installiert und bis Oktober aktiviert", sagte der Präsident der türkischen Rüstungsindustrie, Ismail Demir, dem türkischen Privatsender NTV.

Damit würde sich die Türkei als erstes Nato-Mitglied überhaupt in seiner Luftabwehr auf eines der derzeit modernsten russischen Waffensysteme stützen. Eine S-400-Luftabwehreinheit besteht in der Regel aus einem mobilen Hochleistungsradar zur Luftraumüberwachung und mehreren dazugehörigen Trägerfahrzeugen, von denen aus im Fall eines Angriffs die Abwehrraketen starten sollen. Die russische Militärtechnik gilt nicht nur als inkompatibel mit Nato-Systemen, sondern wirft zudem auch ernste strategische Fragen innerhalb des Militärbündnisses auf.

Mit dem Ankauf russischer Raketentechnik stellt sich die Türkei zudem gegen den ausdrücklich erklärten Willen der US-Regierung. Die USA versuchen seit Jahren, Ankara das konkurrierende Flugabwehrraketensystem "Patriot" und vor allem auch den Hightech-Stealth-Kampfjet F-35 zu verkaufen. US-Präsident Donald Trump sprach sich mehrfach öffentlich gegen den S-400-Kauf durch die Türkei aus.

Zu befürchtet stehe, heißt es aus Fachkreisen, dass die Türkei durch den Einsatz der russischen Radartechnik nebenbei auch brisante Erkenntnisse über die elektronische Signatur modernster US-Tarnkappenjets sammeln könnte. Diese Daten könnten womöglich in falsche Hände geraten und die Fähigkeiten des Verteidigungsbündnisses schwächen.

Inakzeptables Angebot der USA

Die Türkei hält jedoch ungeachtet aller Einwände aus Washington an dem Ankauf russischer Rüstungstechnik fest. Es werde keine Abkehr vom S-400-Vertrag geben, hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan türkischen Medien zufolge erst am Wochenende wieder bekräftigt. Gleichsam sei die Türkei weiter offen für Patriot-Angebote, "solange sie den Interessen unseres Landes dienten".

Laut Erdogan soll es bei den Verhandlungen mit den USA Probleme bezüglich der Lieferung und der gemeinsamen Produktion geben. Das aktuelle Angebot der USA könne die Türkei so nicht akzeptieren, sagte Demir dazu. Die Gespräche mit Washington würden aber fortgesetzt. Früheren Angaben zufolge geht es bei den Verhandlungen um insgesamt bis zu 140 "Patriot"-Raketen samt Radartechnik, Steuerung und Startbatterien im Gesamtwert von 3,5 Milliarden Dollar.

Mit der "Patriot"-Technik ist Ankara bereits vertraut. Zu Beginn der Kampfhandlungen in Syrien entsandte die Nato zum Schutz der Türkei vor Luftangriffen unter anderem auch "Patriot"-Einheiten der Bundeswehr, die bis 2015 im Süden des Landes stationiert waren. Die Beziehungen zwischen den USA und dem kleineren Nato-Partner Türkei haben sich in den vergangenen Jahren massiv verschlechtert. Erst Mitte Januar drohte US-Präsident Trump Ankara im Zusammenhang mit dem türkischen Vorgehen im Syrien-Krieg an, die Türkei "wirtschaftlich zu vernichten", sollte das türkische Militär gegen die mit den USA verbündeten kurdischen Kräfte in Syrien vorgehen.

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Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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