Politik

Bald neue Sanktionen der USA? Türkei lehnt Freilassung von Pastor erneut ab

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Andrew Brunsons Freilassung wird erneut abgelehnt.

(Foto: REUTERS)

Im Streit um den US-Geistlichen Andrew Brunson droht eine weitere Eskalation: Ein türkisches Gericht lehnt seine Freilassung erneut ab. Das könnte die Währungskrise in der Türkei weiter verschärfen - denn die USA haben für diesen Fall neue Strafmaßnahmen angekündigt.

In der Türkei hat ein Gericht erneut die Freilassung des US-Pastors Andrew Brunson abgelehnt. Wie sein Anwalt Cem Halavurt der Nachrichtenagentur AFP sagte, entschied das Gericht, dass Brunson in Hausarrest bleiben müsse. Um Brunson freizubekommen, hatten die USA Sanktionen und Strafzölle gegen die Türkei verhängt. Die türkische Landeswährung Lira war daraufhin vergangenen Freitag und Montag schwer eingebrochen.

Türkische Lira / Euro
Türkische Lira / Euro ,16

Die USA hatten in der Nacht weitere Sanktionen gegen die Türkei angekündigt, sollte Pastor Brunson nicht zügig freigelassen werden. Nach mehreren Tagen der Erholung verlor die Lira daraufhin am Freitag noch einmal stark an Wert. Zum Mittag gab die Währung im Verhältnis zum US-Dollar bis zu knapp acht Prozent nach. Auch zum Euro ging es ähnlich stark bergab.

Anwalt Halavurt kündigte an, in zwei Wochen erneut Beschwerde gegen den Hausarrest einzulegen. Brunson war im Oktober 2016 wegen Spionage- und Terrorvorwürfen in türkische Untersuchungshaft genommen worden. Ende Juli verlegte ein Gericht Brunson zwar aus gesundheitlichen Gründen in den Hausarrest, hielt das Verfahren gegen ihn aber aufrecht.

Zölle, Boykott und weitere Eskalation

Die türkische Regierung verweist in dem Fall immer wieder auf die Unabhängigkeit der Justiz, doch hatte Erdogan vergangenes Jahr selbst vorgeschlagen, Brunson gegen den im US-Exil lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen auszutauschen, den Ankara für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht.

US-Präsident Trump und sein Vize Mike Pence dringen seit Langem auf Brunsons Freilassung. Anfang August verhängte der US-Präsident deshalb Sanktionen gegen zwei türkische Minister. Außerdem verdoppelte Trump die Zölle auf türkische Stahl- und Aluminiumimporte - und beschleunigte damit die Talfahrt der Lira. Als Vergeltung für die US-Strafzölle hob Ankara die Einfuhrzölle auf mehrere US-Produkte deutlich an - darunter Autos, alkoholische Getränke und Tabak. Staatschef Recep Tayyip Erdogan kündigte zudem einen Boykott von US-Elektronikprodukten an.

Noch am Donnerstag hatte der türkische Finanzminister und Erdogan-Schwiegersohn Berat Albayrak ausländischen Investoren strenge Haushaltsdisziplin und Strukturreformen zugesichert. Einen Hilfsantrag beim Internationalen Währungsfonds (IWF) schloss er aus, Priorität hätten nun Direktinvestitionen.

Quelle: n-tv.de, sgu/AFP/dpa

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