Politik
Von den Türken, die vor Erdogan fliehen, könnten manche auch am Putschversuch vor einem Jahr beteiligt gewesen sein - das liegt nahe,  doch gibt es keine gesicherten Angaben.
Von den Türken, die vor Erdogan fliehen, könnten manche auch am Putschversuch vor einem Jahr beteiligt gewesen sein - das liegt nahe, doch gibt es keine gesicherten Angaben.(Foto: imago/Depo Photos)
Dienstag, 19. September 2017

Flucht nach Deutschland: Türkische Diplomaten bekommen Asyl

Deutschland nimmt zahlreiche türkische Diplomaten auf, die vor der Verfolgung durch Präsident Erdogan fliehen. Wie viele es sind, zeigen nun neue Zahlen der Bundesregierung.

Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vor mehr als einem Jahr haben fast 200 Personen mit türkischem Diplomatenpass in Deutschland Asyl erhalten. Von 249 Asyl-Antragstellern aus dieser Gruppe bekamen bis Mitte September bislang 196 einen positiven Bescheid - also ein Anteil von fast 80 Prozent. Dies geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor.

Die Zahl umfasst auch Familienangehörige - also Ehepartner und Kinder. Wie viele Militärs darunter sind, wird laut Innenressort nicht gesondert erfasst. Es habe aber auch unter Angehörigen der türkischen Streitkräfte einige positive Asyl-Bescheide gegeben. Ob es sich dabei um Personen handelt, die am gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 teilnahmen, ist unklar. Insgesamt nahm die Zahl der Asylsuchenden aus der Türkei zuletzt deutlich zu. Im August lag sie laut Innenressort bei 962. Im Juli waren es 620 gewesen, einen Monat zuvor noch 433. 

Hintergrund für Incirlik-Streit

Die Linke-Abgeordnete Sevim Dagdelen sprach von einer "explodierenden Zahl" und mahnte, angesichts dessen sei "eine radikale Wende in der Türkeipolitik der Bundesregierung überfällig". Mit Blick auf das Asyl für Diplomaten sagte sie: "Es kann nicht angehen, dass einerseits 196 türkische Diplomaten in Deutschland Asyl erhalten, aber andererseits bei der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit mit dem Nato-Land und EU-Beitrittskandidat Türkei weiter 'business as usual' gilt."

Nach dem Putschversuch in der Türkei 2016 war die Zahl der Asylsuchenden aus dem Land bereits merklich gestiegen. Das Thema Asyl sorgte für heftigen Ärger zwischen Deutschland und der Türkei. Ankara hatte die Asylgewährung für türkische Militärs in Deutschland zum Anlass genommen, deutschen Abgeordneten den Besuch bei Bundeswehrsoldaten im türkischen Incirlik zu verbieten. Inzwischen ist deren Abzug aus der Türkei im Gange. Die deutsch-türkischen Beziehungen sind insgesamt sehr angespannt.

Quelle: n-tv.de

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