Politik

Selenskyj warnt vor MobilmachungUS-Geheimdienste trauen Putin begrenzten Angriff auf Nato zu

08.08.2026, 22:18 Uhr
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Putin mit russischen Soldaten, die für ihren Einsatz in der Ukraine ausgezeichnet wurden. (Foto: picture alliance / SIPA)

US-Geheimdienste halten zeitnah einen begrenzten russischen Angriff auf ein Nato-Land für möglich. Laut Medienberichten könnte der Kreml damit die Reaktion des Bündnisses testen. Als mögliche Ziele gelten vor allem die baltischen Staaten und Polen.

Der russische Präsident Wladimir Putin könnte US-Medienberichten zufolge innerhalb der nächsten Jahre versuchen, die Entschlossenheit der Nato mit einem begrenzten Angriff auf ein Bündnisland zu testen. Das berichteten das "Wall Street Journal" und der Sender CNN übereinstimmend. Sie berufen sich dabei auf neue US-Geheimdienstberichte, deren Inhalte ihnen US-Beamte beziehungsweise mit den Berichten vertraute Quellen geschildert hätten. Mögliche Szenarien reichen demnach von einer Cyberattacke bis hin zu einem klein angelegten Eindringen in ein Nato-Land. 

Nach Informationen des "Wall Street Journal" waren die USA zuvor davon ausgegangen, dass Putin kein Nato-Land provozieren wolle, während er noch Krieg gegen die Ukraine führe. Diese Einschätzung habe sich jedoch dieses Jahr geändert, zitierte die Zeitung US-Beamte. Ziel eines möglichen Angriffs Putins auf ein Nato-Land während des andauernden Ukraine-Krieges wäre demnach eine Spaltung des Bündnisses. 

Die Zeitung nannte auch das Entsenden von Soldaten in nicht gekennzeichneten Uniformen zur Besetzung von Gebieten als ein mögliches Szenario. Die Wahrscheinlichkeit für das Extremszenario - ein Eindringen in ein Gebiet der Nato-Ostflanke - sei gering, steige aber mit fortschreitender Zeit, schrieb sie über die Befunde der Geheimdienstberichte. Der geschätzte Zeitrahmen für jegliche mögliche Angriffe reicht demnach von diesem Herbst bis 2029. 

Nach Informationen von CNN ist es am wahrscheinlichsten, dass ein wie auch immer gearteter Angriff baltische Staaten oder Polen ins Visier nehmen würde. Litauens Regierung hatte jüngst mitgeteilt, dass dem eigenen Militärgeheimdienst Informationen vorlägen, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten unter Einsatz ukrainischer Drohnen erwägen könnte.

Nach Ansicht Kiews ist Putin auch bereit zu einer weiteren Steigerung seines Angriffskrieges gegen die Ukraine. Mit einer möglichen neuen Massen-Mobilmachung sollte eventuell auch Europa unter Druck gesetzt werden, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Interview mit ukrainischen Sendern. Nach einer versteckten Einberufung von hunderttausenden Russen zum Militärdienst könnten diese Streitkräfte nicht nur für den Krieg in der Ukraine, sondern auch zur psychologischen Beeinflussung europäischer Länder vorgesehen sein.

"Wozu? Um zu zeigen, dass ich im Herbst eine halbe Million Menschen mobilisieren werde. Und diese halbe Million werde ich nicht unbedingt nur in der Ukraine einsetzen", erläuterte Selenskyj. Putin zeige weiterhin keine Bereitschaft, den Krieg zu gerechten Bedingungen zu beenden. "Stattdessen versucht er, zumindest symbolische Erfolge zu erzielen, mit denen er die enormen Verluste vor dem eigenen Volk rechtfertigen könnte", sagte Selenskyj. 

Quelle: ntv.de, jpe/dpa

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