Politik

Einsatz gegen Nordkorea möglich US-Generalstabschef widerspricht Bannon

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US-Generalstabschef Joe Dunford - hier bei einer Militärübung in China - hält eine militärische Lösung weiterhin für möglich.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Der Chefstratege des US-Präsidenten hält Nordkorea für einen "Nebenschauplatz", einen Militäreinsatz für ausgeschlossen. Der US-Generalstabschef sieht das anders: Eine militärische Option liege weiter auf dem Tisch - auch wenn eine friedliche Lösung möglich sei.

Im Konflikt mit Nordkorea muss ein Militäreinsatz nach Ansicht von US-Generalstabschef Joe Dunford als eine Option auf dem Tisch bleiben. Dunford widersprach damit bei einem Besuch in Peking dem Chefstrategen im Weißen Haus, Steve Bannon. Der hatte eine "militärische Lösung" des Konflikts mit Pjöngjang explizit ausgeschlossen.

US-Präsident Donald Trump "hat uns beauftragt, zuverlässige und realisierbare Militäroptionen zu entwickeln und genau das tun wir", sagte der ranghöchste US-General am Rande eines Besuchs bei Chinas Präsidenten Xi Jinping. "Wenn der US-Präsident mit der Entscheidung zu uns kommt, einen Militäreinsatz zu nutzen, werden wir ihm die Optionen präsentieren."

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Dunford traf sich in Peking mit Präsident Xi Jinping.

(Foto: AP)

Generalstabschef Dunford hält eine friedliche Beilegung des Konflikts dennoch für möglich. "Ich glaube, dass dafür ein langer Weg zu gehen ist, aber wir sind auf einem Pfad, wo eine friedliche Beilegung des Konflikts möglich scheint", sagte er.

Steve Bannon hatte zuvor gesagt, die Konfrontation mit Nordkorea sei nur ein "Nebenschauplatz". Der ultrarechte Chefstratege des US-Präsidenten sagte dem Online-Medium "American Prospect", eigentlich gehe es um einen "Wirtschaftskrieg" mit China. Mit Blick auf einen Militäreinsatz gegen Nordkorea hob er hervor: "Bis mir jemand nachweist, dass bei einem Angriff mit konventionellen Waffen innerhalb einer halben Stunde nicht zehn Millionen Menschen in Seoul (Südkorea) sterben, weiß ich nicht wovon die Rede ist."

Großmanöver findet statt

Derweil halten die USA und Südkorea weiter an ihrem geplanten Großmanöver fest. Die Militärübung stehe derzeit nicht zur Disposition, sagte Dunford. Sie sei sehr wichtig zum Erhalt der Verteidigungsfähigkeit der Allianz. "Solange die Bedrohung in Nordkorea existiert, müssen wir ein hohes Bereitschaftsniveau aufrechterhalten, um auf diese Bedrohung zu reagieren."

Das jährliche gemeinsame Manöver Zehntausender amerikanischer und südkoreanischer Soldaten soll am Montag beginnen. Die Führung in Pjöngjang stuft solche Übungen als Vorbereitungen für eine Invasion in Nordkorea ein. Das russische Außenministerium rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Es müsse vermieden werden, dass man an einen Punkt gelange, von dem man nicht zurückkönne.

Der Vizevorsitzende der mächtigen Zentralen Militärkommission Chinas, Fan Changlong, sagte nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Peking bei einem Treffen mit Dunford, eine Lösung des Konflikts auf der koreanischen Halbinsel lasse sich nur durch Dialog und Beratungen erzielen. "Militärische Mittel dürfen keine Option werden."

"Krieg um jeden Preis verhindern"

Der südkoreanische Präsident Moon Jae In mahnte zu einer friedlichen Lösung des Konflikts. "Ich werde einen Krieg um jeden Preis verhindern", sagte er in Seoul. Gleichzeitig warnte er das abgeschottete Nachbarland vor weiteren Provokationen. Falls Nordkorea die Entwicklung seiner Interkontinentalraketen abschließe und diese mit Atomsprengköpfen bestücke, wäre aus seiner Sicht eine "rote Linie" überschritten.

Im Konflikt um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm hatte sich der Ton zwischen Washington und Pjöngjang zuletzt deutlich verschärft. US-Präsident Donald Trump drohte Nordkorea mit einem Militäreinsatz. Daraufhin erklärte Pjöngjang, einen Raketenangriff auf Ziele vor der Pazifikinsel Guam vorzubereiten. Am Dienstag versicherte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un dann, er sehe zunächst davon ab, Raketen in Richtung des US-Außengebiets abzuschießen. Dort sind derzeit etwa 6000 US-Soldaten auf wichtigen Militärstützpunkten stationiert.

Quelle: ntv.de, mli/AFP/rts