Politik

Coronavirus auf Flugzeugträger US-Navy will Kapitän wieder einsetzen

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Geht es nach der Navy, soll Brett Crozier wieder das Kommando auf der "Theodore Roosevelt" übernehmen.

(Foto: via REUTERS)

Seine Amtsenthebung schlug hohe Wellen, nicht nur in den USA: Weil er vor einem Coronavirus-Ausbruch auf seinem Flugzeugträger gewarnt hatte, musste Kapitän Brett Crozier das Kommando abgeben. Nun empfiehlt die Marine seine Wiedereinsetzung. Doch Verteidigungsminister Esper zögert.

Die US-amerikanische Marine hat die Wiedereinsetzung eines abberufenen Kapitäns empfohlen, der sich kritisch zum Umgang mit einem Coronavirus-Ausbruch auf dem von ihm befehligten Flugzeugträger geäußert hatte. Wie die "New York Times" berichtete, empfahl die Navy-Führung, dass Kapitän Brett Crozier wieder das Kommando über den Flugzeugträger "Theodore Roosevelt" übernehmen solle.

Dem Bericht zufolge erbat sich Verteidigungsminister Mark Esper allerdings mehr Bedenkzeit zu der Personalie. Die Empfehlung stammte demnach vom Chef der Marineoperationen Michael Gilday und dem amtierenden Marineminister James McPherson.

Crozier war von seinem Kommandoposten enthoben worden, nachdem er in einem Brief Alarm wegen der Situation an Bord geschlagen hatte. Nach ersten Coronavirus-Infektionen auf dem Schiff forderte er von der Marineführung eine weitgehende Evakuierung des Flugzeugträgers, um eine Ausbreitung des Virus zu vermeiden. "Wir befinden uns nicht im Krieg. Keine Marineangehörigen müssen sterben", schrieb Crozier. Ohne Evakuierung müsse mit dem Tod von Soldaten gerechnet werden.

Der Brief gelangte Ende März an die Öffentlichkeit. Pentagonchef Esper verweigerte allerdings die Evakuierung. Niemand auf dem Flugzeugträger sei "ernsthaft krank", sagte er Anfang April. Auch US-Präsident Donald Trump kritisierte das Schreiben Croziers. Weil der Kapitän den Dienstweg nicht eingehalten hatte, wurde er von seinen Aufgaben entbunden. Bei seiner Verabschiedung von Bord wurde er von der Besatzung lautstark gefeiert.

Der Schritt der Marineführung löste scharfe Kritik aus und führte zum Rücktritt des damaligen Marineministers Thomas Moldly, der sich abfällig über Crozier geäußert hatte. Inzwischen wurden alle etwa 5000 Besatzungsmitglieder auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet - bei 840 fiel das Ergebnis positiv aus, darunter Crozier. Ein Besatzungsmitglied starb an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung.

Corona-Fälle auf weiterem Kriegsschiff

Seit Wochen liegt die nukleargetriebene und hochgerüstete "USS Theodore Roosevelt" vor der Pazifikinsel Guam vor Anker. Das Schiff wurde inzwischen weitgehend evakuiert. Aus Sicherheitsgründen können allerdings nicht alle Soldaten von Bord gehen. Der Grund für den Virus-Ausbruch ist noch unklar. Von einer Rückkehr zur Normalität kann noch immer keine Rede sein. Die laut US-Medien geplante Rückkehr auf das Schiff, von dem angenommen wird, dass es mittlerweile "coronafrei" ist, verzögert sich.

Derweil wurde bekannt, dass auch ein zweites Schiff der US-Marine mit einem Coronavirus-Ausbruch kämpft. Mindestens 18 Besatzungsmitglieder der "USS Kidd" wurden positiv auf das Virus getestet, wie die Marine mitteilte. Zuvor hatte ein Soldat Symptome gezeigt und war am Donnerstag zur Behandlung nach San Antonio im US-Bundesstaat Texas gebracht worden. Mittlerweile sei ein Ärzteteam an Bord des Schiffs, um Tests durchzuführen und zurückzuverfolgen, mit wem die infizierte Person Kontakt hatte, erklärte Pentagon-Sprecher Jonathan Hoffman. "Die Tests werden fortgesetzt und wir rechnen mit weiteren Fällen", erklärte die Marine.

Die Marine bereitet Hoffman zufolge die Rückkehr des Schiffes in einen Hafen vor. Ein Teil der Besatzung werde das Schiff dann verlassen. Der Sprecher machte keine Angaben zur Größe der Crew. Der Zerstörer "USS Kidd" ist nach Angaben des Südlichen Kommandos der Vereinigten Staaten (Southcom) in der Karibik und im Ostpazifik zur Bekämpfung des illegalen Drogenhandels im Einsatz.

Quelle: ntv.de, mli/dpa