Politik

Radiowellen gegen Diplomaten?US-Regierung testet Gerät mit Verbindung zum Havanna-Syndrom

13.01.2026, 21:24 Uhr
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Die ersten bekannten Fälle des Havanna-Syndroms traten 2016 bei US-Diplomaten in der kubanischen Hauptstadt auf. (Foto: REUTERS)

Seit Jahren rätseln US-Behörden über mysteriöse Krankheitsfälle bei Diplomaten und Geheimdienstmitarbeitern. Nun testet das Pentagon offenbar ein Gerät, das neue Erkenntnisse zum sogenannten Havanna-Syndrom bringen könnte - doch Zweifel bleiben.

Das US-Verteidigungsministerium testet einem Medienbericht zufolge seit mehr als einem Jahr ein Gerät, das mit den rätselhaften Krankheitsfällen von US-Geheimdienstmitarbeitern, Diplomaten und Soldaten in Verbindung stehen könnte. Eine Abteilung des Heimatschutzministeriums habe das Gerät in den letzten Tagen der Biden-Regierung für einen zweistelligen Millionenbetrag gekauft, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf beteiligte Quellen.

Demnach erzeugt das erworbene Gerät gepulste Radiowellen. Seit Jahren vermuteten einige Beamte und Wissenschaftler, dass solche Strahlung mit dem sogenannten Havanna-Syndrom in Verbindung stehen könnte, hieß es weiter. Das Gerät sei zwar nicht vollständig russischer Herkunft, enthalte aber russische Komponenten. CNN konnte nicht in Erfahrung bringen, wo oder von wem das Heimatschutzministerium die Maschine kaufte.

Die ersten Fälle des Havanna-Syndroms traten 2016 bei US-Diplomaten in der kubanischen Hauptstadt auf, daher der Name. Betroffene berichteten unter anderem über Benommenheit, Kopfschmerzen sowie Hör- und Sehprobleme. Die Symptome hätten eingesetzt, nachdem sie etwa ein seltsames Geräusch hörten oder starken Druck in ihrem Kopf spürten. Später wurden ähnliche Fälle weltweit gemeldet - unter anderem bei US-Personal in China, Russland, Europa und in den USA selbst.

Feindlicher Angriff unwahrscheinlich?

Jahrelang gab es Spekulationen über den Auslöser der Symptome. Medienberichte legten nahe, dass russische Geheimdienste mit sogenannten Energiewaffen dahinterstecken könnten. US-Geheimdienstbehörden erklärten jedoch wiederholt, sie könnten keinen der Fälle einem "feindlichen" Staat zuordnen. Es sei vielmehr unwahrscheinlich, dass ein ausländischer Akteur verantwortlich sei. Sieben US-Geheimdienste hatten weit mehr als tausend Fälle in knapp hundert Ländern überprüft.

CNN zufolge hat diese Einschätzung die Betroffenen - von denen manche nach den mutmaßlichen Angriffen sogar in den Ruhestand gingen - seit Langem erzürnt. Viele von ihnen seien überzeugt, dass Geheimdienstinformationen existierten, die eindeutige Beweise für russische Störaktionen liefern. Der Bericht zeigt nun, dass die US-Regierung die Klärung der Vorfälle weiterhin verfolgt und dafür auch erhebliche finanzielle Mittel einsetzt.

Forschende stellten bei Untersuchungen von US-Diplomaten mit dem Havanna-Syndrom praktisch keine längerfristigen körperlichen Veränderungen fest. Die Wissenschaftler hatten Dutzende Betroffene intensiv durchgecheckt und auch auf Hirnschäden untersucht.

Zweifel bleiben

Die Anschaffung und Untersuchung des Geräts hat die Debatte innerhalb der US-Regierung über das Havanna-Syndrom zwar neu entfacht - ob tatsächlich ein Zusammenhang mit den Krankheitsfällen besteht, ist dem Bericht zufolge intern aber umstritten. In einigen Regierungskreisen gebe es weiterhin Skepsis.

Unklar ist nach wie vor, wie ein Gerät, das stark genug wäre, die von den Betroffenen geschilderten Schäden zu verursachen, zugleich tragbar sein könnte. Dies bleibe eine zentrale Frage, zitierte CNN eine der beteiligten Quellen. Das getestete Gerät sei demnach klein genug, um in einen Rucksack zu passen.

Quelle: ntv.de, dsc

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