Andere PrioritätenUS-Verteidigungsminister bleibt wohl Nato-Treffen fern

Als wäre das Verhältnis zwischen Europa und den USA nicht schon belastet genug, plant US-Verteidigungsminister Hegseth keine Reise zur Zusammenkunft der Nato in Brüssel. Er schickt einen Vertreter ins Hauptquartier des Bündnisses.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth wird einem wichtigen Treffen der Nato-Verteidigungsminister im kommenden Monat offenbar fernbleiben. Hegseth werde an dem Treffen am 12. Februar im Nato-Hauptquartier in Brüssel nicht teilnehmen, sagten ein US-Regierungsvertreter und ein Nato-Diplomat.
Es wäre das zweite Mal in Folge, dass ein hochrangiges Mitglied der Regierung von Präsident Donald Trump einem Treffen des transatlantischen Militärbündnisses fernbleibt. Bereits im Dezember hatte Außenminister Marco Rubio nicht an einem Nato-Treffen teilgenommen. Das Pentagon und die Nato lehnten eine Stellungnahme ab.
"Sollte sich dies bestätigen, wäre das ein schlechtes Signal in einer sehr angespannten Zeit der transatlantischen Beziehungen", sagte Oana Lungescu, eine ehemalige Nato-Sprecherin. Es werde die Sorgen der anderen Bündnispartner über das Engagement der USA in der Nato nur noch vertiefen. Lungescu ist heute als Expertin für die Denkfabrik RUSI tätig.
Bis zur zweiten Amtszeit von Trump galt es als höchst ungewöhnlich, dass ein US-Minister einem Nato-Treffen fernblieb. Spannungen innerhalb des Bündnisses gibt es unter anderem wegen Trumps offenem Ohr für russische Forderungen im Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Hegseth schickt Untergebenen
Das Fernbleiben Hegseths steht im Einklang mit der neuen US-Militärdoktrin. In der vergangene Woche veröffentlichten Nationalen Verteidigungsstrategie heißt es, die Verbündeten in Europa und anderswo sollten die Führung gegen Bedrohungen übernehmen, die für sie gravierender seien als für die USA. Washington werde dabei entscheidende, aber begrenztere Unterstützung leisten. Anstelle von Hegseth werde der für die neue Strategie verantwortliche Pentagon-Politikchef Elbridge Colby zu dem Treffen in Brüssel erwartet, hieß es weiter.
Das Verhältnis zwischen US-Präsident Trump und der Nato ist brüchig. Für deutliche Verstimmungen sorgte zuletzt sein Wunsch, Grönland zu erwerben, das zu Dänemark gehört. Jamie Shea, ein ehemaliger hochrangiger Nato-Vertreter, nannte Hegseths wahrscheinliches Fehlen bedauerlich. Dies gelte insbesondere, da Trump und Nato-Generalsekretär Mark Rutte vereinbart hätten, dass das Bündnis eine größere Rolle bei der Sicherheit in der Arktis spielen solle, um die Spannungen wegen Grönland abzubauen.
Auch hatte Trump vergangene Woche die Bedeutung der Truppen aus Nato-Partnerstaaten für den Afghanistan-Einsatz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 geschmälert. "Sie werden sagen, dass sie einige Truppen nach Afghanistan geschickt haben", sagte er im Sender Fox News über andere Nato-Mitglieder. "Und das haben sie auch, aber sie blieben etwas zurück, etwas abseits der Front." Zugleich wiederholte der US-Präsident seine Behauptung, dass die Nato den USA nicht zu Hilfe kommen würde, falls sie darum gebeten würde. Dies stieß auf heftige Kritik in Deutschland und anderen Nato-Staaten.