Trump beklagt Afghanistan-EinsatzFrederiksen nennt Trumps Äußerungen inakzeptabel, Pistorius erinnert "an hohen Preis"

Es war der erste Nato-Bündnisfall. Nach den Anschlägen in den USA greift das Militärbündnis an der Seite der USA in Afghanistan ein. Gut 25 Jahre später wirft US-Präsident Trump den Verbündeten vor, eher abseits der Frontlinien agiert zu haben. Die Empörung wächst.
Nach abfälligen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump über den aus seiner Sicht teils mangelhaften Einsatz von Truppen anderer Nato-Truppen in Afghanistan wächst die Kritik. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen bezeichnete die Ausführungen als "nicht hinnehmbar". Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius stellte sich in der "Bild"-Zeitung ausdrücklich vor die Truppe. Polens Ministerpräsident Donald Tusk erinnerte an die Äußerung eines US-Militärs bei einer Trauerfeier für gefallene polnische Soldaten.
Dänemarks Regierungschefin Frederiksen sagte der Nachrichtenagentur Ritzau, dass ihr Land gemessen an der Bevölkerungszahl die größten Verluste erlitten habe. Bei Facebook erklärte sie: "Es ist inakzeptabel, dass der US-Präsident das Engagement der verbündeten Soldaten in Afghanistan in Frage stellt."
Der Agentur Ritzau zufolge kamen 44 dänische Soldaten während des Einsatzes nach dem 11. September 2001 ums Leben, 37 davon infolge direkter Kampfeinsätze. Der dänische Veteranenverband erklärte, ihm fehlten die Worte. "Dänemark hat den Vereinigten Staaten immer beigestanden und immer, wenn die Vereinigten Staaten uns darum gebeten haben, waren wir in Krisengebieten auf der ganzen Welt im Einsatz", erklärte der Verband weiter. Dänemark hatte sich im Laufe der Jahre mit 12.000 Soldaten und Zivilisten am Einsatz beteiligt.
Bundesverteidigungsminister Pistorius erinnerte, dass Deutschland bei dem fast zwei Jahrzehnte dauernden Einsatz "einen hohen Preis bezahlt" habe. "59 Soldaten und drei Polizisten sind in Gefechten, durch Anschläge oder Unfälle ums Leben gekommen. Zahlreiche Verwundete leiden bis heute unter den Verletzungen aus dieser Zeit. Seelisch wie körperlich. Genauso wie ihre Angehörigen, die den Schmerz ein Leben lang in sich tragen werden." Für die Bundeswehr war es der bislang größte Auslandseinsatz. Zeitweise waren mehr als 5000 Soldaten in dem Land stationiert.
Polens Premier Tusk schrieb bei X von einer Trauerzeremonie für fünf gefallene polnische Soldaten im afghanischen Ghazni im Dezember 2011. Dabei hätten US-amerikanische Offiziere versichert, dass Amerika die polnischen Helden niemals vergessen werde. Vielleicht werden sie Präsident Trump daran erinnern".
In London hatte der britische Premierminister Keir Starmer die Behauptungen als "beleidigend und wirklich erschreckend" sowie verletzend für alle bezeichnet, deren Angehörige in Afghanistan getötet oder verletzt worden seien. Er legte dem US-Präsidenten nahe, sich bei den Betroffenen zu entschuldigen. "Zunächst möchte ich den 457 Angehörigen unserer Streitkräfte, die in Afghanistan ihr Leben verloren haben, meine Ehrerbietung erweisen", sagte Starmer. Zahlreiche weitere Soldaten seien während des Einsatzes in Afghanistan verletzt worden. Von September 2001 bis August 2021 waren nach Angaben aus dem britischen Verteidigungsministerium über 150.000 britische Soldaten in Afghanistan stationiert.
Der britische Rockstar Rod Stewart zeigte sich tief betroffen, dass der "Kriegsdienstverweigerer" Trump die britischen Truppen kritisiere. Er fordert Premier Starmer und den Reform-UK Chef und Trump-Buddy Nidgel Farage auf, von Trump eine Entschuldigung zu fordern.
Trump hatte in einem Interview mit dem Sender Fox News erneut behauptet, dass die USA die Nato nie gebraucht hätten. Mehrere andere Nato-Staaten hätten zwar Truppen nach Afghanistan geschickt, diese seien jedoch "ein wenig" zurück geblieben, "etwas abseits der Frontlinien". Kritik an den Aussagen war zuvor unter anderem aus Großbritannien und Polen gekommen.
Nach den islamistischen Terroranschlägen am 11. September 2001 hatten die USA Artikel Fünf des Natovertrags aktiviert, um Beistand ihrer Verbündeten zu bekommen. Dies führte dazu, dass Deutschland und andere Nato-Staaten wie Großbritannien sich am Krieg gegen die Taliban und die Terrororganisation Al-Kaida beteiligten. Es war das erste und einzige Mal in der Nato-Geschichte, dass ein solcher Bündnisfall ausgerufen wurde.