Politik

Zusagen bis Monatsende USA: Taliban wollen Zivilisten zum Flughafen lassen

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Laut USA haben die Taliban zugesichert, auch Zivilisten zum Flugplatz vorzulassen.

(Foto: dpa)

Die USA haben sich mit den Taliban offenbar darauf verständigt, Zivilisten zum Flughafen in Kabul zu lassen. Zugleich verteidigt Washington einmal mehr den Truppenabzug. Der Präsident sei nicht länger bereit gewesen, eigene Soldaten der Gefahr auszusetzen.

Bei den Evakuierungsbemühungen in Afghanistan wollen die Taliban nach Angaben der US-Regierung Zivilisten unbehelligt zum Flughafen in Kabul lassen. Der Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, sagte im Weißen Haus, man gehe davon aus, dass die Zusage bis zum Monatsende gelte, spreche über den genauen Zeitplan und Ablauf aber mit den Taliban. "Ich will nicht öffentlich verhandeln. Ich arbeite daran, die beste Methode zu finden, um die meisten Menschen auf möglichst effiziente Weise herauszubekommen", sagte Sullivan.

Sullivan wollte sich nicht darauf festlegen, ob die US-Soldaten in Afghanistan bleiben würden, bis alle geplanten Evakuierungen abgeschlossen seien. Er sagte auf Nachfrage, nach US-Erkenntnissen gelinge es Menschen "im Großen und Ganzen", zum Flughafen zu gelangen. "Es gab Fälle, in denen uns berichtet wurde, dass Menschen abgewiesen oder zurückgedrängt oder sogar geschlagen wurden." Diese Fälle würden bei den Taliban angesprochen, um sie zu lösen.

Zugleich verteidigte Sullivan den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan vehement gegen Kritik. Die USA hätten 20 Jahre lang ihr Blut, ihren Schweiß, ihre Tränen für das Land gegeben und die Afghanen ausgebildet und ausgerüstet, damit sie in der Lage seien, für sich selbst zu kämpfen, sagte er. "Irgendwann war es an der Zeit für die Vereinigten Staaten zu sagen, dass das afghanische Volk selbst für sich einstehen muss." Die US-Regierung sei sich bewusst gewesen, dass der Abzug womöglich darin enden könnte, dass die Taliban wieder an die Macht kommen. Man habe aber das Tempo ihres Vormarsches nicht vorhergesehen.

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Sullivan argumentierte, es wäre eine signifikante Aufstockung der US-Truppen nötig gewesen, um den Vormarsch der Taliban zu stoppen. Weitere amerikanische Soldaten hätten ihr Leben geben müssen. Der US-Präsident sei dazu nicht bereit gewesen.

Auf die Frage, ob er den versöhnlichen Äußerungen der Taliban bei ihrer ersten Pressekonferenz nach der faktischen Machtübernahme traue, sagte Sullivan: "Hier geht es nicht um Vertrauen." Die Taliban müssten sich an ihren Worten messen lassen. Angesprochen auf mögliche Hebel der USA, um Druck auf die Islamisten zu machen, erwähnte Sullivan Sanktionen und Schritte, um sie international zu verurteilen und zu isolieren. Konkreter wurde er nicht.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa

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