Politik

Nach Test mit russischen Raketen USA drohen Nato-Mitglied Türkei

122273474.jpg

Teile des Raketenabwehrsystems S-400 aus Russland werden im Juli 2019 auf dem Luftwaffenstützpunkt Mürted aus einer russischen Antonow entladen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Konfrontation mit der EU im Gasstreit, Eskalation innerhalb der Nato wegen Tests mit einem russischen Raketensystem: Die Türkei verhärtet zur Zeit an vielen Stellen die Fronten. Die USA drohen den Verbündeten in Ankara nun mit ersten Folgen, falls die Waffen aus Moskau tatsächlich in Betrieb genommen werden.

Die Türkei hat laut Medienberichten erstmals das von Russland gekaufte S400-Raketenabwehrsystem getestet. Die türkische Armee habe einen Testabschuss in der nördlichen Provinz Sinop am Schwarzen Meer vorgenommen, berichtete der regierungsnahe türkische Fernsehsender A Haber. Der Kauf des Raketensystems im vergangenen Jahr hat zu einem heftigen Streit zwischen den Nato-Partnern Türkei und USA geführt.

Neben A Haber berichteten auch andere türkische Medien über den Raketentest. Sie veröffentlichten ein Amateurvideo, auf dem ein weißer Streifen am Himmel zu sehen ist. Das türkische Verteidigungsministerium kommentierte die Medienberichte nicht.

Die USA reagierten erbost. Sollten sich die Berichte bestätigen, würde der Test auf das Schärfste "verurteilt", erklärte eine Sprecherin des US-Außenministeriums. Die USA hätten bereits vor den möglicherweise schwerwiegenden Folgen gewarnt, sollte die Türkei das System installieren. "Die Vereinigten Staaten haben sich klar zu unserer Erwartung geäußert, dass das S-400-System nicht in Betrieb genommen werden sollte", sagte Außenamts Sprecherin Morgan Ortagus wörtlich. "Sollte sich das bestätigen, würden wir den Start der S-400-Testrakete auf das Schärfste als unvereinbar mit der Verantwortung der Türkei als Nato-Verbündetem und strategischem Partner der Vereinigten Staaten verurteilen", teilte Ortagus mit. Sie drohte Ankara mit "potenziell ernsten Folgen".

Washington hat Ankara schon mehrfach mit Sanktionen gedroht, sollte der Nato-Partner das S400-System aktivieren. Als Reaktion auf die Lieferung der ersten Batterie mit russischen Raketen warfen die USA Ankara bereits aus dem Produktionsprogramm für die neueste Generation amerikanischer F35-Kampfflugzeuge.

Gasstreit: EU berät im Dezember über Sanktionen

Auch im Gasstreit mit der EU drohen der Türkei Sanktionen, allerdings wird sich das erst im Dezember entscheiden. Die EU-Staats- und Regierungschefs riefen Ankara auf, im östlichen Mittelmeer eine Deeskalation anzustreben. Kanzlerin Angela Merkel und EU-Ratspräsident Charles Michel erklärten nach Abschluss des EU-Gipfels aber, dass es bei dem Zeitplan bleibe, nach dem die EU erst im Dezember über ihre Türkei-Politik und mögliche Sanktionen entscheiden will.

Griechenland und Zypern hatten eine Debatte auf dem EU-Gipfel verlangt, weil die Türkei erneut ein Gas-Explorationsschiff in umstrittene Seegebiete geschickt hatte. Merkel warf der Türkei vor, die Spannungen unnötigerweise wieder zu schüren. "Ich finde das sehr bedauerlich", sagte sie nach den Beratungen auf dem EU-Gipfel. Die EU und die Türkei sollten vielmehr an einer positiven gemeinsamen Agenda arbeiten.

Quelle: ntv.de, mau/AFP