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"Wir sind darauf vorbereitet" USA drohen mit weiteren Angriffen in Syrien

Nach dem Raketenangriff der USA auf eine syrische Luftwaffenbasis droht das Land mit weiteren Attacken. Man hoffe aber, das sei nicht nötig, sagt UN-Botschafterin Haley. Sie greift auch Russland an - das selbst scharfe Vorwürfe gegen Washington erhebt.

Nach ihrem Raketenangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt haben die USA mit weiteren Angriffen gegen die Streitkräfte des syrischen Machthabers Baschar al-Assad gedroht. "Wir sind darauf vorbereitet, noch mehr zu tun, hoffen aber, dass es nicht notwendig sein wird", sagte in New York die US-Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley, bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats.

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Die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley griff in der Sitzung Russland scharf an.

(Foto: AP)

Russland, das Assad militärisch in dem Konflikt massiv unterstützt und auf der von den USA attackierten Basis Al-Schairat Soldaten stationiert hat, verurteilte die US-Operation dagegen als "ungeheuerliche Verletzung" des Völkerrechts und einen "Akt der Aggression", der die diplomatischen Friedensbemühungen untergrabe.

US-Präsident Donald Trump hatte den Raketenangriff als Reaktion auf den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff in Nordsyrien bezeichnet, für den er Assad verantwortlich machte. Es war die erste US-Attacke gegen die Streitkräfte des syrischen Machthabers in dem seit sechs Jahren andauernden Bürgerkrieg.

Der Luftangriff sei ein "maßvoller Schritt" und "komplett gerechtfertigt" gewesen, sagte Haley. Syriens Präsident Baschar al-Assad dürfe nie wieder chemische Waffen einsetzen.

Auch Russland griff Haley scharf an. Die russische Regierung trage eine "erhebliche Verantwortung". "Die Welt wartet darauf, dass Russland in Syrien verantwortungsbewusst handelt." Als derzeitige Ratsvorsitzende entschied Haleys, das Treffen öffentlich abzuhalten. "Jedes Land, das sich entscheidet, die Gräueltaten des syrischen Regimes zu verteidigen, soll das vor der Öffentlichkeit machen, damit die Welt es hören kann", sagte sie.

Keine Abstimmungen über Resolutionen

Die Vereinigten Staaten hätten einen souveränen Staat attackiert, sagte dagegen der russische Vertreter bei den Vereinten Nationen, Wladimir Safronkow. "Die Konsequenzen für die Region und die Welt könnten ernst sein."

Die dritte Sondersitzung des Gremiums zum Syrien-Konflikt in Folge ging allerdings ohne Ergebnis zu Ende. Zu einer Abstimmung über einen von den USA, Frankreich und Großbritannien eingebrachten Resolutionsentwurf kam es erneut nicht. Auch zwei Gegenentwürfe von Russland einerseits und den zehn nichtständigen Ratsmitgliedern andererseits wurden nicht berücksichtigt. Zuvor waren bereits zwei Sitzungen des Gremiums am Mittwoch und Donnerstag zu dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien ohne Ergebnis zu Ende gegangen.

Derweil setzte Russland die Zusammenarbeit mit den USA zur Vermeidung von Zwischenfällen im syrischen Luftraum aus. Dem widersprachen allerdings die USA. Der Kommunikationskanal auf militärischer Arbeitsebene sei noch immer offen, hieß es aus dem Pentagon. Die US-Regierung will den Kommunikationskanal aufrechterhalten. Das Verteidigungsministerium teilte mit, es halte an dem "Wunsch nach Dialog über den Flugsicherheitskanal fest". Die Sicherheits-Hotline wurde von den USA auch genutzt, um Russland kurzfristig über den bevorstehenden Angriff auf den Stützpunkt Al-Schairat zu informieren.

Syrische Kampfjets steigen erneut auf

Das US-Verteidigungsministerium untersucht zudem, ob Russland an der Vorbereitung oder Durchführung des mutmaßlichen Giftgasangriffes am Dienstag beteiligt war. Das sagte ein hochrangiger Pentagon-Mitarbeiter in Washington. "Wir haben derzeit keine Kenntnisse über eine russische Beteiligung, aber wir untersuchen das", hieß es. Das Mindeste, was Moskau als Verbündeten Syriens vorzuwerfen sei, sei, dass es den Angriff nicht verhindert habe. Russland verfüge über Fachwissen im Umgang mit Chemiewaffen.

Syrien bestreitet den Einsatz von Giftgas. Erklärungen aus Damaskus zufolge wurde das Gas freigesetzt, als Giftgaslager der Rebellen getroffen wurden. Auch Russland erklärte, die syrischen Regierungstruppen verfügten seit 2014 nicht mehr über Giftgasvorräte.

Derweil starteten nach Angaben von Aktivisten erneut Kampfjets von dem von den USA angegriffenen Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat. Zwei Kampfflugzeuge hätten von dem Stützpunkt aus Angriffe auf Ziele nahe Palmyra geflogen, meldete die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, deren Angaben kaum zu überprüfen sind. Die Aktivisten konnten keine Angaben dazu machen, ob es sich um syrische oder russische Militärmaschinen handelte.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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