Neben dem DrogenhandelUSA führen "geklautes Öl" als Grund für Intervention an

Mit der Intervention in Venezuela verfolgen die USA gleich mehrere Ziele: den mutmaßlich von Maduro angeführten Drogenexport zu unterbinden und wieder Zugriff auf die dortige Ölindustrie zu erhalten. US-Firmen sollen dafür viel Geld in die Hand nehmen, so Trump.
Es fing im September mit Angriffen auf mutmaßliche Drogenschmuggelboote an, dann blockierten die USA Tanker mit Öl aus Venezuela, jetzt haben sie bei einem Angriff den langjährigen Machthaber Nicolás Maduro gefangengenommen und außer Landes gebracht. Die Regierung in Caracas sieht darin nichts anderes als den Versuch, "sich Venezuelas strategischer Ressourcen zu bemächtigen, insbesondere seines Erdöls und seiner Mineralien".
Und auch Trump machte wenig, um einen entsprechenden Eindruck in der Pressekonferenz in Mar-a-Lago zu vermeiden. Immer wieder kam er auf seine heimischen Ölfirmen zu sprechen, die Milliarden an Dollar in Venezuela investieren werden. Man wolle die Ölfelder sichern, so der US-Präsident.
Venezuela verfügt über die größten bekannten Erdöl-Vorkommen der Welt. Der Rohstoff ist in den Beziehungen der beiden Staaten schon seit langem Anlass für Konflikte.
Venezuela lange Lieferant für USA
Seit der Entdeckung der ersten Ölfelder in den 1920er Jahren fördern US-Unternehmen Erdöl in Venezuela. Viele Raffinerien in den USA wurden speziell für die Verarbeitung des schweren venezolanischen Rohöls konzipiert und sind auch heute noch darauf ausgerichtet.
Bis 2005 war Venezuela einer der wichtigsten Öllieferanten der Vereinigten Staaten, mit monatlichen Importen von bis zu 60 Millionen Barrel. Die Lage änderte sich dramatisch, nachdem der damalige sozialistische Staatschef Hugo Chávez 2007 die Industrie weiter verstaatlichte und den Besitz von US-Firmen beschlagnahmte.
Trump und seine Minister bezeichneten die Beschlagnahmungen wiederholt als Diebstahl. Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach von "Öl, das uns geklaut wurde." Auch der US-Vizepräsident argumentierte in diese Richtung. Präsident Trump habe dem südamerikanischen Land mehrfach Auswege aus dem Konflikt angeboten. Bedingung sei jedoch gewesen: "Der Drogenhandel muss aufhören, und das gestohlene Öl muss den Vereinigten Staaten zurückgegeben werden", betonte JD Vance.
Trump formuliert die "Donroe-Doktrin"
Nach einem Höchststand von mehr als drei Millionen Barrel pro Tag Anfang der 2000er Jahre produzierte Venezuela zuletzt etwa eine Million Barrel pro Tag - rund zwei Prozent der weltweiten Gesamtmenge. 2019 verbot Trump die Einfuhr venezolanischen Öls im Rahmen von Sanktionen gegen Maduro. Für den US-Konzern Chevron gilt jedoch eine Ausnahme: Mit einer Sonderlizenz fördert er etwa zehn Prozent der venezolanischen Gesamtmenge und darf als einziges Unternehmen Öl in die Vereinigten Staaten liefern.
Korruption, mangelnde Investitionen und die US-Sanktionen haben der Industrie des südamerikanischen Landes schwer zugesetzt. Der Aufwand, die maroden Ölplattformen in Venezuela wieder in Stand zu setzen, wäre sehr hoch. Für US-Firmen würden sich diese großen Investitionen angesichts der stabilen weltweiten Versorgung und der niedrigen Preise nicht lohnen, sagen Analysten.
Vermutlich gehe es Washington jedoch nicht nur um Öl, sondern vielmehr darum, "den ganzen Kontinent für sich zu beanspruchen", sagte Carlos Mendoza Potella, venezolanischer Professor für Erdölökonomie, vor dem US-Angriff. Es gehe "um die Aufteilung der Welt" zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Rivalen Russland und China. Entsprechend verwies Trump auch auf die neue US-Sicherheitsdoktrin und den damit einhergehenden Anspruch, die eigene Hemisphäre und damit Lateinamerika zu kontrollieren. unter Bezugnahme auf die Monroe-Doktrin von 1823, welche als Stoppschild gegen europäische Interventionen auf dem Kontinent eingesetzt wurde, sprach er von der "Donroe-Doktrin." Die US-Dominanz werde damit "niemals mehr in Frage gestellt werden", so der Präsident.
"Ich weiß nicht, ob das Interesse nur dem venezolanischen Öl gilt", sagte Mitte Dezember auch der linke brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der angeboten hatte, in dem eskalierenden Streit zu vermitteln.
Venezuela exportiert auf den Schwarzmarkt
Nach Angaben des ehemaligen Vizepräsidenten der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA, Juan Szabo, exportiert Venezuela täglich etwa 500.000 Barrel auf dem Schwarzmarkt, hauptsächlich nach China und in andere asiatische Länder.
Am 16. Dezember verkündete Trump eine Blockade von sanktionierten Öltankern, die Venezuela ansteuern oder verlassen. Tage zuvor hatten US-Streitkräfte bereits den Tanker "Skipper" beschlagnahmt, einen sogenannten "Geistertanker". Er transportierte nach US-Angaben über eine Million Barrel venezolanisches Öl, die Berichten zufolge für Kuba bestimmt waren.
Vor gut zwei Wochen setzte die US-Küstenwache den Tanker "Centuries" fest, den die Website Tankertrackers.com als Schiff in chinesischem Besitz unter panamaischer Flagge identifizierte. Kurz darauf teilten US-Regierungsvertreter mit, dass die Küstenwache einen dritten Tanker verfolge.
PDVSA beteuerte, dass ihre Exporte von der Blockade unberührt blieben. Könnte der Staatskonzern sein Öl nicht mehr ausführen, wäre das ein großes Problem, sagte Szabo, da die Lagerkapazitäten nur für einige Tage reichten.
Die Blockade setzt die ohnehin schon stark angeschlagene venezolanische Wirtschaft noch mehr unter Druck. Szabo schätzte, dass die Exporte in den nächsten vier Monaten um 45 Prozent zurückgehen würden und damit auch die wichtigen Deviseneinnahmen aus den Schwarzmarktverkäufen. Mit gravierenden Folgen für die Bevölkerung, wie der venezolanische Öl-Experte warnte: "Der Bolivar wird noch schneller abgewertet werden und das Leben wird sich enorm verteuern." Angesichts des US-Angriffs dürften dies allerdings nicht die einzigen Herausforderungen sein, die die Venezolaner beschäftigen.