Politik

Kauft sich Trump ein?USA könnten jedem Grönländer bis zu 100.000 Dollar zahlen

09.01.2026, 11:21 Uhr
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Begehrter Flecken: US-Präsident Trump will unbedingt Grönland erwerben. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Die überwiegende Mehrheit der Grönländer lehnt einen Anschluss an die USA ab. Doch Washington geht offenbar davon aus, dass die Einwohner käuflich sind. Wenn die Summe nur hoch genug ist.

US-Regierungsvertreter haben Insiderangaben zufolge die Möglichkeit von Einmalzahlungen an die Einwohner Grönlands erörtert. Damit solle die Bevölkerung des dänischen Überseegebiets von einer Abspaltung und einem möglichen Anschluss an die USA überzeugt werden, sagten vier mit der Angelegenheit vertraute Personen. Demnach wurden Summen zwischen 10.000 und 100.000 Dollar pro Person diskutiert. Das Weiße Haus bestätigte, dass Präsident Donald Trump und seine Sicherheitsberater prüften, "wie ein potenzieller Kauf aussehen würde". US-Außenminister Marco Rubio werde sich kommende Woche mit seinem dänischen Amtskollegen in Washington treffen, um über Grönland zu sprechen.

Eine der mit den Beratungen im Weißen Haus vertrauten Personen sagte, die internen Diskussionen über Einmalzahlungen seien in den vergangenen Tagen ernsthafter geworden. Die Berater zögen demnach höhere Summen in Betracht, wobei eine Zahlung von 100.000 Dollar pro Person eine reale Möglichkeit sei. Das entspräche einer Gesamtsumme von gerade mal knapp sechs Milliarden Dollar. Umfragen zufolge wünscht sich eine überwältigende Mehrheit der Grönländer die Unabhängigkeit. Sie sind demnach zwar offen für eine Trennung von Dänemark, einen Anschluss an die USA lehnen sie jedoch ab.

Die Regierungen in Kopenhagen und der grönländischen Hauptstadt Nuuk wiesen die Avancen der Amerikaner zurück. Die Insel mit ihren 57.000 Einwohnern stehe nicht zum Verkauf. "Genug ist genug. Schluss mit den Annexionsfantasien", schrieb der grönländische Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen bereits am Sonntag. Auch führende europäische Staaten wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien erklärten in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass Entscheidungen über die Beziehungen zwischen Grönland und Dänemark allein diesen beiden vorbehalten seien.

Trump-Berater trafen bereits Dänen und Grönländer

Einem Insider zufolge kamen bereits Berater von Präsident Donald Trump mit Gesandten aus Dänemark und Grönland zusammen. Das Treffen von Vertretern des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus mit dem dänischen Botschafter Jesper Moller Sorensen und Grönlands Chef-Repräsentanten in Washington, Jacob Isbosethsen, habe es am Donnerstag gegeben, sagte ein dänischer Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte. Es sei darum gegangen, mehr Klarheit über die Äußerungen der USA zu Grönland zu erhalten. Das Weiße Haus bestätigte das Treffen nicht.

Die US-Regierung hatte am Dienstag mitgeteilt, man prüfe eine Reihe von Optionen zur Übernahme Grönlands und der Einsatz von US-Militärgewalt sei eine dieser Optionen. Das Drängen der US-Regierung hat in den vergangenen Tagen an Intensität gewonnen. Als Grund nannten Insider den Schwung aus der spektakulären Festnahme des venezolanischen Staatschefs Nicolas Maduro.

Trump argumentiert seit Langem, die USA müssten Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit und wegen seiner Rohstoffvorkommen erwerben. "Es ist so strategisch", sagte er am Sonntag. Neben einem Kauf oder einer militärischen Intervention wird in Washington demnach auch ein Assoziierungsabkommen nach dem Vorbild kleiner Pazifikstaaten erwogen. Dies würde jedoch eine vorherige Unabhängigkeit Grönlands von Dänemark voraussetzen.

Eine militärische Übernahme Grönlands von dem langjährigen Verbündeten Dänemark durch die USA würde das Nato-Bündnis erschüttern und die Kluft zwischen Trump und den europäischen Staats- und Regierungschefs vertiefen. Die Insel ist ein autonomes Gebiet des Königreichs Dänemark, jedoch hat Kopenhagen die Hoheit über Grönlands Außen- und Verteidigungspolitik.

Quelle: ntv.de, ghö/rts

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