Politik

"Der Gerechtigkeit Genüge getan" USA töten Al-Kaida-Chef Al-Sawahiri mit Drohnenangriff

59128b7e0c3fc7ebde2468e31dac0863.jpg

Im Jahr 2006 strahlte der arabische Sender Al-Jazeera diese Aufnahmen von Al-Sawahiri aus.

(Foto: dpa)

Artikel anhören
Diese Audioversion wurde mit Sprachproben unserer Moderatoren künstlich generiert.
Wir freuen uns über Ihr Feedback zu diesem Angebot.

Nach dem Tod von Osama Bin Laden rückt Aiman al-Sawahiri an die Spitze von Al-Kaida. Jahrelang steht der Ägypter auf der Liste der meistgesuchten internationalen Terroristen der USA. Am Wochenende gelingt dem US-Militär der Zugriff: Al-Sawahiri stirbt bei einem Drohnenangriff in Kabul.

Der Anführer des Terrornetzwerks Al-Kaida, Aiman al-Sawahiri, ist bei einem Anti-Terror-Einsatz der USA in Afghanistan getötet worden. US-Präsident Joe Biden verkündete bei einer Fernsehansprache, Al-Sawahiri sei am Wochenende bei einem gezielten Angriff in der afghanischen Hauptstadt Kabul ums Leben gekommen. Nach Angaben der US-Regierung handelte es sich um eine Drohnen-Attacke, bei der nur der Al-Kaida-Chef starb. Zivile Opfer habe es nicht gegeben.

Der Ägypter Al-Sawahiri war Nachfolger von Osama bin Laden, der als Kopf der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA galt. Bin Laden war 2011 in Pakistan von einer US-Spezialeinheit getötet worden. Nun schalteten die Amerikaner auch dessen Nachfolger aus - in Afghanistan, ein Jahr nach dem chaotischen Truppenabzug aus dem Land. Biden äußerte sich bei einem kurzfristig anberaumten Auftritt im Weißen Haus selbst zu dem Schlag gegen die Terrorgruppe - bei einer Ansprache auf einem Balkon der Regierungszentrale. Der Präsident befindet sich derzeit wegen einer Coronavirus-Infektion in Isolation.

Zugriff monatelang vorbereitet

Al-Sawahiri sei in der Zeit der Anschläge vom 11. September 2001 Bin Ladens Stellvertreter gewesen und nach dessen Tod an die Spitze aufgerückt, sagte Biden. Jahrzehntelang sei Al-Sawahiri Drahtzieher von Anschlägen auf Amerikaner gewesen, habe eine Schlüsselrolle bei diversen Terroranschlägen gespielt. "Jetzt wurde der Gerechtigkeit Genüge getan. Und diesen Terroristenführer gibt es nicht mehr."

Eine ranghohe Vertreterin der US-Regierung erklärte, die Attacke auf Al-Sawahiri sei über Monate vorbereitet worden. Er sei schließlich getötet worden, als er auf den Balkon seines Unterschlupfes in Kabul getreten sei. Keiner von Al-Sawahiris Familienangehörigen, die sich mit ihm in dem Haus aufgehalten hätten, sei verletzt worden. Sie betonte, bei dem Einsatz seien keine US-Kräfte in Kabul gewesen. US-Erkenntnissen zufolge hätten Mitglieder der Taliban-Führung gewusst, dass sich der Al-Kaida-Chef in der afghanischen Hauptstadt aufhielt, sagte die Regierungsmitarbeiterin weiter. Sie hätten damit klar gegen Vereinbarungen mit den USA verstoßen.

Letzte Videobotschaft vor knapp einem Jahr

Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Al-Sawahiri im vergangenen September - genau 20 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. In einer Videobotschaft rief er seine Anhänger damals auf, die Staaten im Westen und ihre Verbündeten im Nahen Osten zu bekämpfen. In den Jahren davor hatte es unbestätigte Gerüchte über seinen Tod gegeben. Sein genauer Aufenthaltsort war unbekannt. Auch über seinen Gesundheitszustand wurde gerätselt. Medien berichteten 2019 unter Berufung auf Geheimdienstinformationen, Al-Sawahiri leide unter Herzproblemen.

Seine Tötung kam nun überraschend. Die USA hatten ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt. Experten hatten zuletzt vermutet, dass sich Al-Sawahiri im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan versteckt. Die USA hatten vor knapp einem Jahr, Ende August 2021, alle Truppen aus Afghanistan abgezogen und damit den internationalen Militäreinsatz in dem Land nach fast 20 Jahren beendet. Die Taliban hatten kurz zuvor die Macht in Kabul übernommen. Der internationale Abzug wurde durch ihren rasanten Eroberungsfeldzug erschwert und gestaltete sich chaotisch.

Insgesamt stieß der Afghanistan-Abzug der Amerikaner international auf viel Kritik und Unverständnis. Biden, der wegen des Debakels unter Druck geriet, hatte damals versprochen, den Kampf gegen den Terrorismus in der Region nicht aufzugeben. Der US-Präsident wertete Al-Sawahiris Tod nun als Beleg dafür, dass es auch ohne Tausende Soldaten auf afghanischem Boden möglich sei, Amerika vor Terroristen zu schützen. Der Schlag gegen Al-Sawahiri sei außerdem eine Botschaft an andere: "Egal, wie lange es dauert, egal, wo ihr euch versteckt: Wenn ihr eine Bedrohung für unser Volk seid, werden die Vereinigten Staaten euch finden und euch ausschalten."

Quelle: ntv.de, ino/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen