Politik

Iran droht mit "schwerer Rache" USA töten Chef der Al-Kuds-Brigaden

Bei einem US-Raketenangriff stirbt einer der ranghöchsten iranischen Generäle, der Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden. Das US-Verteidigungsministerium spricht von einem "Akt der Verteidigung", Teheran von einer "dummen Eskalation". Ajatollah Chamenei droht mit "schwerer Rache".

Bei einem US-Raketenangriff in der Nähe des Flughafens von Bagdad ist einer der höchsten iranischen Generäle getötet worden. Dabei handele es sich um Ghassem Soleimani, den Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Brigaden, bestätigten die iranischen Revolutionsgarden. Ums Leben kam demnach auch deren stellvertretender Leiter Abu Mahdi al-Muhandis. Das US-Verteidigungsministerium teilte mit, der Angriff sei auf Anweisung von Präsident Donald Trump erfolgt, um weitere Attacken auf US-amerikanische Kräfte in der Region zu verhindern - als "Akt der Verteidigung". Trump selbst postete auf Twitter nur eine US-Flagge.

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Ghassem Soleimani

(Foto: dpa)

Irans oberster Führer drohte den USA nach der Tötung Soleimanis "schwere Rache" an. "Soleimanis Weg wird auch ohne ihn weitergeführt, aber die Kriminellen erwartet eine schwere Rache", schrieb Ajatollah Ali Chamenei in einem Beileidsschreiben, das im iranischen Staatsfernsehen zitiert wurde. In einer im Fernsehen übertragenen Ansprache sagte er, der Widerstand gegen die USA und Israel werde nun mit doppeltem Ansporn weitergehen. Zugleich rief er eine dreitägige Staatstrauer aus. Auch Irans Präsident Hassan Ruhani verurteilte die USA und kündigte Vergeltung an. "Zweifellos werden der Iran und andere unabhängige Staaten dieses schreckliche Verbrechen der USA rächen", schrieb er in einem Beileidsschreiben auf seiner Webseite. "Diese Tat ist ein weiterer dunkler Fleck für die USA." Die Revolutionsgarden erklärten, der Nationale Sicherheitsrat werde in einem Krisentreffen die nächsten Schritte des Irans gegen die USA besprechen.

Der iranische Verteidigungsminister Amir Hatami sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge, sein Land werde vernichtende Rache für die Tötung Soleimanis üben. Außenminister Mohammad Dschawad Sarif nannte den tödlichen Raketenangriff eine "extrem gefährliche" und "dumme Eskalation". Via Twitter verurteilte Sarif die Tötung des Generals auch als "Akt des internationalen Terrorismus". Das iranische Außenministerium berief einen Gesandten der Schweiz ein, der die Interessen der USA in Teheran vertritt. Ihm wurde eine Protestbotschaft übergeben, wie das staatliche Fernsehen berichtete.

Das Pentagon erklärte dagegen, Soleimani habe aktiv an Plänen gearbeitet, um US-amerikanische Diplomaten und Einsatzkräfte im Irak und der Region zu attackieren, hieß es zur Begründung des Angriffs. Ebenfalls getötet wurde der stellvertretende Leiter der irakischen Volksmobilisierungskräfte, Abu Mahdi al-Muhandis, wie die Medienstelle der vom Iran unterstützten Milizen erklärte.

"Ein Feind der Vereinigten Staaten"

Soleimani war der prominenteste Vertreter und das bekannteste Gesicht des iranischen Militärs im Ausland. Die Al-Kuds-Brigaden gehören zu den Revolutionsgarden (IRGC), einer Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte. Die Brigaden unterstützen mit dem Iran verbündete Staaten oder Gruppen militärisch. Soleimani tauchte sowohl im Irak als auch im benachbarten Bürgerkriegsland Syrien immer wieder an der Seite von schiitischen Milizen auf, die vom Iran unterstützt werden. Er war maßgeblich an der Ausbreitung des iranischen Einflusses im Nahen Osten beteiligt, den die Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien und Israel nur schwer in Schach halten konnten. Er überlebte in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrere Attentate westlicher, israelischer und arabischer Organisationen. Sein Tod bedeutet einen neuen Höhepunkt im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. An den Börsen legten die Ölpreise nach der Tötung des iranischen Generals deutlich zu.

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Der General und die Al-Kuds-Brigaden seien verantwortlich für den Tod von Hunderten Amerikanern und Verbündeten, erklärte das Pentagon. Soleimani habe in den vergangenen Monaten Angriffe auf Stützpunkte von US-Verbündeten gesteuert und auch die gewaltsamen Proteste an der US-Botschaft in Bagdad gebilligt. Ziel des Angriffs auf ihn sei es, den Iran von künftigen Angriffen abzuschrecken. "Die Vereinigten Staaten werden weiterhin alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um unser Volk und unsere Interessen überall auf der Welt zu schützen."

Nahe dem Bagdader Flughafen waren drei Raketen eingeschlagen, wie irakische Sicherheitskräfte erklärten. Dabei seien fünf Menschen getötet und neun verletzt worden sowie zwei Fahrzeuge in Brand geraten. Die irakische Miliz sprach hingegen von sieben Toten. Die Raketen gingen demnach nahe der Halle für Luftfracht herunter und trafen einen Fahrzeugkonvoi der pro-iranischen Hasched-al-Schaabi-Milizen.

Nach Meinung des früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden stehen die USA nun möglicherweise "am Rande eines größeren Konflikts im Nahen Osten". US-Präsident Donald Trump habe soeben "eine Stange Dynamit in ein Pulverfass geworfen", schrieb der Präsidentschaftskandidat der Demokraten in einer Stellungnahme. Zwischen Demokraten und Republikanern im US-Kongress entbrannte eine Debatte darüber, ob US-Präsident Donald Trump für den Angriff die Zustimmung des Parlaments benötigt hätte. Der einflussreiche republikanische Senator Lindsey Graham, ein Parteifreund Trumps", erklärte hingegen bei Twitter, der Präsident habe "kühn" gehandelt. Auch der republikanische US-Senator Marco Rubio rechtfertigte die Tötung des iranischen Militärs als Selbstverteidigung.

Grüne Zone von Bagdad gestürmt

Bereits am vergangenen Wochenende hatten die USA schiitische Milizen im Irak bombardiert, 25 Menschen kamen dabei ums Leben. Washington beschuldigte die Milizen, mehrfach amerikanische Soldaten und US-Bürger im Irak angegriffen zu haben. Als Reaktion darauf drangen am Dienstag Hunderte Demonstranten in Bagdads besonders gesicherte Grüne Zone ein, um die US-Botschaft zu stürmen. Mehrere Wachhäuschen wurden in Brand gesetzt, Mauern beschmiert und Brandsätze geworfen. Sicherheitskräfte drängten die Demonstranten jedoch zurück, bevor sie auf das Botschaftsgelände gelangen konnten. Zur Abschreckung setzte das US-Militär auch Kampfhubschrauber ein, verlegte rund 100 Marineinfanteristen aus dem benachbarten Kuwait in den Irak und entsandte für den Fall einer weiteren Eskalation rund 750 Fallschirmjäger aus den USA in die Region.

Die USA machen den Iran für die Proteste verantwortlich. Die Führung in Teheran wies den Vorwurf vehement zurück. US-Verteidigungsminister Mark Esper hatte am Donnerstag in Washington mit Blick auf die jüngsten gewaltsamen Proteste an der US-Botschaft in Bagdad erklärt, es gebe Hinweise, dass der Iran oder dessen verbündete Kräfte weitere Attacken planen könnten. Falls es dazu kommen sollte, würden die USA reagieren, um amerikanische Kräfte und Menschenleben zu schützen - womöglich auch "vorbeugend", falls man von konkreten Angriffsplänen erfahren sollte.

Die USA und der Iran sind seit Langem in einen schweren Konflikt verwickelt. Washington setzt den Iran mit massiven Wirtschaftssanktionen unter Druck, um das Land zu einem Kurswechsel in seiner Atompolitik zu zwingen - was Teheran jedoch ablehnt. Die Amerikaner beschuldigen die Iraner außerdem, Terrorismus zu fördern. In den vergangenen Monaten stand der Konflikt zwischen beiden Ländern mehrfach kurz vor einer militärischen Eskalation. Im Juni 2019 verkündete Trump per Tweet, nach dem Abschuss einer US-Drohne durch den Iran habe ein militärischer Gegenschlag der USA unmittelbar bevorgestanden. Wegen der erwarteten 150 Toten auf der iranischen Seite habe er den Angriff nur zehn Minuten vorher aber noch gestoppt.

Insbesondere der Irak ist bereits seit Längerem Schauplatz des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. In dem Krisenland sind rund 5000 US-Soldaten im Einsatz, die die irakische Armee im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützen. Die als Volksmobilisierungskräfte bekannten irakischen Milizen wiederum pflegen enge Beziehungen zum Iran. Sie unterstehen offiziell Regierungschef Adel Abdel Mahdi, agieren aber weitestgehend unabhängig und besitzen auch starken politischen Einfluss.

Quelle: ntv.de, mli/mba/dpa/AFP/rts