Politik

Kluft zu Pariser Abkommen groß USA und China vereinbaren mehr Klimaschutz

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Chinas Klimagesandter Xie Zhenhua verkündete die Vereinbarung seines Landes mit den USA.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

China und die USA wollen gemeinsam mehr für den Klimaschutz tun. Beide Staaten erkennen demnach an, dass die aktuellen Bemühungen für die Pariser Klimaschutzziele nicht ausreichten. Konkreter wird die Vereinbarung nicht. Derweil warnen Dutzende Wissenschaftler vor Untätigkeit.

Die beiden größten Treibhausgasemittenten der Welt, China und die USA, haben bei der UN-Klimakonferenz eine Vereinbarung für mehr Klimaschutz geschlossen. Das gab der chinesische Klimagesandte Xie Zhenhua am heutigen Mittwochabend in Glasgow bekannt. "Beide Seiten erkennen an, dass es eine Kluft zwischen den gegenwärtigen Bemühungen und den Zielen des Pariser Klimaabkommens gibt", sagte Xie mit Blick auf die drohende Erderwärmung von 2,7 Grad.

"Die USA und China haben keinen Mangel an Differenzen", sagte der US-Klimaschutzbeauftragte John Kerry. "Aber beim Klima ist das der einzige Weg, diese Aufgabe zu bewältigen. Wir können unsere Ziele nicht erreichen, wenn wir nicht zusammenarbeiten", so Kerry weiter.

Das Pariser Klimaabkommen sieht eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber auf 1,5 Grad vor. Derzeit steuert die Erde nach UN-Angaben aber selbst bei Erfüllung aller nationaler Klimaschutzzusagen auf eine folgenschwere Erwärmung um 2,7 Grad bis zum Jahrhundertende zu. In Glasgow verhandeln seit dem 31. Oktober fast 200 Staaten über die konkrete Umsetzung des Pariser Abkommens von 2015. Offiziell soll die COP26 am Freitag enden.

China hatte kurz vor der Weltklimakonferenz mit seinem überarbeiteten Klimaziel enttäuscht. Darin bestätigte das bevölkerungsreichste Land der Welt lediglich, dass es bis zum Jahr 2060 CO2-Neutralität erreichen will. Die Treibhausgasemissionen des Landes sollen vor 2030 ihren Höhepunkt erreichen, könnten also bis dahin noch deutlich steigen.

Wissenschaftler: Emissionen "sofort" senken

Im Vorfeld der Vereinbarung appellierten Dutzende Klimawissenschaftler in einem offenen Brief, die Warnungen der Wissenschaft ernstzunehmen. "COP26 ist ein historischer Moment für das Schicksal des Klimas, der Gesellschaft und der Ökosysteme, weil menschliches Handeln den Planeten bereits um rund 1,1 Grad erwärmt hat", erklären die Forscher darin, unter ihnen auch Klima-Experten aus Deutschland. Der Schweizer Forscher Reto Knutti, der ebenfalls auf der Liste der Unterzeichner steht, hatte den Appell auf seiner Twitter-Seite veröffentlicht.

Knutti und seine Kollegen fordern sofortige und konsequente Maßnahmen, um die globale Erderwärmung noch deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu halten. Nur so könnten die Risiken für künftige Generationen und die Notwendigkeit, sich an die Klimafolgen anzupassen, in Schach gehalten werden. Die COP-Verhandler in Glasgow sollten die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen hohen Treibhausgasemissionen und der Veränderung des Weltklimas in ihrem Entscheidungsprozess maßgeblich berücksichtigen, lautet eine zentrale Forderung. Die Forscher beziehen sich in ihrem Brief explizit auch auf den IPPC-Klimabericht, der im August veröffentlicht wurde. Nach diesem Bericht ist die Hälfte des Kohlenstoffdioxid-Anteils in der Erdatmosphäre in den vergangenen 30 Jahren entstanden. Es habe noch nie eine so hohe Treibhausgaskonzentration in der Erdatmosphäre gegeben, betonen die Forscher.

Wenn es mit den Emissionen so weitergehe wie bisher, wäre das verbleibende Budget zum Ausstoß von Treibhausgasen zwischen 2027 und 2033 aufgebraucht, heißt es weiter. Deshalb müssten die Emissionen "sofort" sinken, um unumkehrbare Folgen für das gesamte Klimasystem abzuwenden.

Quelle: ntv.de, als/dpa/AFP

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