Nach "beispiellosen" ErfolgenMögliche Abberufung von Kiews Top-Geheimdienstler sorgt für Aufruhr

Der ukrainische Präsident Selenskyj führt eine regelrechte Personalrochade durch. Einiges deutet darauf hin, dass es auch den Chef des Inlandsgeheimdienstes treffen könnte. Doch zahlreiche Militärs und Beobachter sprechen sich deutlich dagegen aus. Denn Wassyl Maljuk hat Enormes geleistet.
Nach den Wechseln im Verteidigungsministerium und im Präsidialamt könnte in der Ukraine eine weitere weitreichende Personalentscheidung bevorstehen. Die "Ukrainska Prawda" hatte am Freitag unter Berufung auf eigene Quellen im Präsidialamt und im Sicherheitsapparat berichtet, dass Inlandsgeheimdienstchef Wassyl Maljuk eine neue Position bekommen soll. Seitdem machen sich viele Militärs für seinen Verbleib stark.
Als Chef des Inlandsgeheimdienstes SBU ist Maljuk unter anderem verantwortlich für mehrere Anschläge auf die Krim-Brücke sowie die spektakulären Angriffe auf Dutzende Flugzeuge der russischen Luftwaffe in diesem Jahr. Diese wurden bei einer groß angelegten Aktion von Drohnen attackiert, die der SBU vorher nach Russland gebracht hatte.
Generalmajor Mychajlo Drapatyj verwies jedoch in einem seiner seltenen Beiträge auf Telegram vor allem auf Maljuks weitere Erfolge: "Seine Effizienz wird nicht an der Öffentlichkeit der Operationen gemessen, sondern am Niveau der inneren Sicherheit und dem Einfluss auf die Kampfkraft des Gegners. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind sowohl auf dem Schlachtfeld als auch im Hinterland spürbar. Außerdem verdanke ich meine eigene Sicherheit auch Maljuk und seinem Team."
"Der Rhythmus, die Qualität und das Gewicht der vernichtenden Schläge gegen den Feind durch den Sicherheitsdienst der Ukraine unter der Leitung von General Maljuk sind beispiellos und einzigartig in Bezug auf Tempo und tägliche Effizienz", teilte der Kommandant der Drohnenstreitkräfte der Ukraine, Robert Brovdi, auf Telegram mit. Es bestehe das Risiko, Maljuk mit seiner Absetzung zu schwächen. Er sei eines der wichtigsten ukrainischen Schwergewichte, das die imperialen Ambitionen "eines wahnsinnigen Bunker-Opas zügelt" - womit der russische Präsident Wladimir Putin gemeint ist.
Auch der dem ukrainischen Militär nahestehende Kanal Deepstate warnt vor einer möglichen Absetzung Maljuks. Diese würde sich negativ auf die weitere Durchführung von Kampfhandlungen auswirken, hieß es in einer Einschätzung. "Außerdem werden bestimmte Generäle und Oberste noch mehr Lügen über die Lage an der Front verbreiten können, was zusätzliche Probleme bei der Überprüfung der Daten für die politische Führung mit sich bringen wird."
"Rolle von entscheidender Bedeutung"
Weitere kritische Worte kamen vom ukrainischen Journalisten und Militärexperten Juri Butusow. "Die Gespräche über die Entlassung des SBU-Chefs Maljuk passen nicht in die Logik der Stärkung der Verteidigungsfähigkeit – seine Rolle in den erfolgreichen Kampfhandlungen des SBU ist von entscheidender Bedeutung, er hat einen realen Einfluss auf die Lage an der Front und ist eine Schlüsselfigur im Sicherheitssystem", schrieb Butusow auf Telegram. "Wenn Maljuk entfernt wird, bedeutet dies, dass die Verteidigungsfähigkeit des Landes geschwächt und die Macht ernsthaft aus dem Gleichgewicht gebracht wird."
Die "Ukrainska Prawda" berichtete, Maljuk könnte den Posten des Leiters des Auslandsgeheimdienstes bekommen - oder Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates werden. Der ukrainische Präsident Selenskyj sagte kürzlich auf die Frage nach einer Entlassung: "Ich respektiere alle. Ich werde die Rotationen vornehmen, die ich beschlossen habe."
In den vergangenen Tagen hatte Selenskyj bereits einige tiefgreifende Veränderungen veranlasst. Den ebenfalls sehr angesehenen bisherigen Militärgeheimdienstchef Kyrylo Budanow machte er zu seinem neuen Bürochef. Verteidigungsminister Denys Schmyhal wird zudem nach nur sechs Monaten im Amt das Energieministerium übernehmen. Seinen Job bekommt der Vize-Regierungschef und Ex-Digitalminister Mychajlo Fedorow.