Angriff mit SeedrohnenUkraine legt russisches Ölterminal lahm

Mit "unbemannten Booten" attackiert die Ukraine gezielt die russische Öl-Infrastruktur. Sie trifft dabei auch die Wirtschaftsinteressen eines Verbündeten Moskaus - und die westlicher Konzerne.
Die Ukraine hat nach russischen Angaben bei einem Angriff mit Seedrohnen ein international wichtiges Ölterminal im Schwarzmeerhafen Noworossijsk schwer beschädigt. Eine Anlegestelle des Terminals sei nicht mehr nutzbar, teilte das Kaspische Pipeline-Konsortium (CPC) mit. Das Unternehmen sprach von einer "zielgerichteten Terrorattacke mit unbemannten Booten". Die Ukraine setzt solche sprengstoffbeladenen Seedrohnen immer wieder gegen russische Ziele ein.
Verletzt worden sei niemand. Es war der dritte Angriff auf eine Anlage des auch von Kasachstan betriebenen Konsortiums. Das kasachische Energieministerium kritisierte die Attacke als Angriff auf die Wirtschaftsinteressen der ölreichen Republik in Zentralasien. Das Ministerium wolle nun alternative Transportwege suchen.
Italienische, britische und US-Firmen betroffen
CPC transportiert nach eigenen Angaben Öl aus Kasachstan nach Noworossijsk, wo es verschifft wird. Im vergangenen Jahr seien so rund 63 Millionen Tonnen Öl bewegt worden. Drei Viertel davon habe ausländischen Firmen gehört. So etwa den US-Riesen Chevron und ExxonMobil, dem italienischen Konzern Eni und der britischen Shell.
Im Abwehrkampf gegen Moskaus Angriffskrieg nimmt die Ukraine immer wieder Ziele in Russland ins Visier. Dabei geht es besonders um Schäden für die Ölindustrie, mit der Russland große Teile seiner Kriegsmaschinerie finanziert. Die Angriffe wirken sich stark auf den Export aus.
Während der ukrainischen Angriffe seien alle Ladeoperationen im Hafen von Noworossijsk eingestellt und die Öltanker weggefahren worden. Auch die Pipelines seien geschlossen gewesen zum Zeitpunkt der Explosion. Nach ersten Erkenntnissen sei kein Öl ins Schwarze Meer geraten, hieß es.
Das ukrainische Onlineportal "Ukrajinska Prawda" berichtete unter Berufung auf den Geheimdienst SBU, dass Kiew bei einer Spezialoperation im Schwarzen Meer zwei Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte mit seinen Seedrohnen angegriffen und in Brand gesetzt habe. Die Schiffe sollen demnach leer auf dem Weg nach Noworossijsk gewesen sein, um dort eine neue Ölfracht aufzunehmen.