Politik

Nach Selenskyjs AnkündigungUkraine nähert sich ambitioniertem Drohnen-Ziel in Russland

11.09.2026, 13:59 Uhr
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Rauch steigt nach einem Angriff auf ein Lagerhaus des Onlinehändlers Ozon in Saratow auf. (Foto: via REUTERS)

Russland will in der vergangenen Nacht fast 800 Drohnen über seinem Staatsgebiet abgeschossen haben. Die Behauptung passt zu einer Ankündigung des ukrainischen Präsidenten Selenskyj vor wenigen Wochen. Die russischen Behörden melden Tote und Verletzte - wie auch die Ukraine.

Russland hat in der Nacht eigenen Angaben zufolge 777 ukrainische Drohnen abgeschossen. Sie seien über etwa 15 Regionen und der Halbinsel Krim abgefangen worden, erklärte das russische Verteidigungsministerium.

In der rund 200 Kilometer südlich von Moskau gelegenen Region Tula wurden nach Angaben des örtlichen Gouverneurs Dmitri Miljaew zwei Menschen getötet. Drei weitere Menschen seien verletzt worden. In der Region Wolgograd im Süden Russlands seien zwei Menschen nach einem ukrainischen Raketenangriff auf ein Wohnhaus ins Krankenhaus gebracht worden, erklärte der örtliche Gouverneur Andrej Botscharow.

Im an der Wolga weiter nördlich gelegenen Saratow ist nach Unternehmensangaben ein Logistikzentrum des Internethändlers Ozon von Drohnen in Brand gesetzt worden. Verletzte habe es nicht gegeben, teilte Ozon bei Telegram mit. Den Angaben nach stellte der Versandhändler seine Tätigkeit im Gebiet Saratow vorerst ein.

Wie viele Drohnen die Ukraine insgesamt einsetzte, ist ungewiss, da Moskau nur die Zahl der angeblich abgeschossenen Flugkörper bekannt gibt. Der Angriff war einer der umfangreichsten auf Russland seit Kriegsbeginn. Erst am 18. August meldete das russische Verteidigungsministerium eine ähnlich hohe Zahl an abgewehrten Drohnen: Damals wehrte das Militär demnach 791 Drohnen ab, mehr als 600 Drohnen sollen in Richtung der Hauptstadtregion geflogen sein.

Kiew warnte vor Flügen in Russland

Die Meldungen aus Russland folgen wenige Wochen auf die Ankündigung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, dass Russland eine umfangreiche Drohnenoffensive droht. "Die Aufgabe lautet: täglich 1000 Drohnen für Langstreckenangriffe gegen Russland. Derzeit führen wir durchschnittlich über 300 solcher Langstreckenangriffe aus - das muss mehr werden", sagte Selenskyj damals in einer abendlichen Videobotschaft.

Auch warnte Kiew vor Flügen in und nach Russland. Der russische Luftraum werde aufgrund "erhöhter militärischer Aktivität" unsicherer, schrieb der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha Anfang September auf X. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) und alle Fluggesellschaften sollten das berücksichtigen. "Wir möchten unbeabsichtigte Zwischenfälle vermeiden", so Sybiha. Kiew übermittelte die Botschaft auch offiziell an die ICAO.

Die Ukraine wehrt sich in der seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Vollinvasion, indem sie Ziele tief im russischen Hinterland angreift. Vor allem russische Energieanlagen sind im Visier der ukrainischen Luftwaffe, da Öl und Gas die wichtigsten Einnahmequellen Russlands für seinen Angriffskrieg sind. Durch Angriffe auf Raffinerien sollen die russischen Einnahmen geschmälert werden.

Russen griffen Ukraine mit Drohnen und Marschflugkörpern an

Seinerseits griff Russland die Ukraine in der Nacht nach ukrainischen Angaben mit 161 Kampfdrohnen, darunter besonders schnell fliegenden düsengetriebenen Drohnen, sowie einer nicht näher bezifferten Zahl an Marschflugkörpern des Typs Banderol an. 138 Drohnen seien abgeschossen oder durch elektronische Luftabwehr zum Absturz gebracht worden, schrieb die ukrainische Luftwaffe am Morgen auf Telegram. Einschläge habe es an 19 Orten im Land gegeben. Auch herabstürzende Trümmer abgewehrter Flugkörper können zudem verheerende Schäden verursachen.

Bei einem russischen Drohnenangriff auf eine Tankstelle in Kiew sind nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko zwei Menschen getötet worden. Vier weitere seien ins Krankenhaus gebracht worden, erklärte Klitschko. Die Rettungskräfte veröffentlichten Aufnahmen einer ausgebrannten Tankstelle, aus der Rauch aufstieg.

Der ukrainische Ölkonzern Ukrnafta erklärte, zwei seiner Tankstellen seien am Morgen gleichzeitig getroffen worden. "Das ist ein weiterer gezielter Angriff auf zivile Einrichtungen, die die Menschen mit Kraftstoff und lebensnotwendigen Gütern versorgen", schrieb Geschäftsführer Bohdan Kukura in Onlinenetzwerken. "Solche Angriffe haben kein militärisches Ziel. Das ist Terror gegen die Zivilbevölkerung." 

Quelle: ntv.de, lar/AFP/dpa/rts

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