Politik

Einfluss auf Wahlergebnis Ukraine trainiert für russische Hackerangriffe

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Derzeit liegt der ukrainische Präsident Petro Poroschenko (r.) in den Umfragewerten deutlich hinten.

(Foto: REUTERS)

Die Ukraine befürchtet, Russland könnte bei der kommenden Präsidentschaftswahl Einfluss auf das Wahlergebnis nehmen. Etliche Versuche gab es bereits. Das Land bereitet sich deshalb mit einer Simulation auf "maximalen Schaden" durch Cyberattacken vor.

Vor der Präsidentschaftswahl in der Ukraine wappnen sich Sicherheitskräfte für einen russischen Hackerangriff. Beim ukrainischen Geheimdienst SBU nahmen unlängst rund hundert Experten an einer Simulation teil, um für den Ernstfall zu üben. Experten zufolge versucht Russland bereits seit längerer Zeit, Einfluss auf das Wahlergebnis zu nehmen.

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Am 31. März wählt die Ukraine einen neuen Präsidenten für die kommenden fünf Jahre.

(Foto: REUTERS)

"Russland führt Cyberattacken aus, um maximalen Schaden anzurichten", sagt Oleksandr Klimtschuk, ein hochrangiger Mitarbeiter der ukrainischen Spionageabwehr. Im Vorfeld der Wahl am 31. März hatte der SBU Sicherheitsfachleute aus dem In- und dem westlichen Ausland versammelt, um durchzuspielen, wie solch ein Angriff aussehen könnte: Die Teilnehmer aus dem Westen versuchten, die zentrale Wahlkommission zu hacken, während die ukrainischen Kräfte versuchten, sie zu stoppen.

Russland weist Vorwurf zurück

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen beobachten ukrainische Behörden seit Monaten eine erhöhte Zahl von Hackerangriffen. Dazu gehörten sogenannte Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS), bei denen Hacker eine Website durch massenhafte Anfragen zum Zusammenbruch bringen. Auch Versuche, durch Phishing Zugriff auf Ministerien und andere staatliche Einrichtungen zu bekommen, nahmen demnach zu. Die Wahlkommission hat deshalb extra neue Ausrüstung und spezielle Software angeschafft, um sich besser abzusichern.

Nach Berichten über russische Einflussnahme auf Wahlen in den USA und der EU fürchten westliche Beobachter ein ähnliches Vorgehen bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine. Russland hat solche Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine ist seit Jahren angespannt. Nach dem Sturz des prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch hatte Russland im Jahr 2014 die Halbinsel Krim annektiert. Außerdem unterstützt es separatistische Gruppen im Osten der Ukraine, wo ein blutiger Konflikt bisher rund 13.000 Menschen das Leben gekostet hat.

Facebook unterstützt Ukraine

Als Ziel eines möglichen russischen Hackerangriffs sehen Experten mehrere Möglichkeiten. Jakub Kalensky von der neu gegründeten Ukrainian Election Task Force geht nicht davon aus, dass ein bestimmter Kandidat unterstützt werden soll. Stattdessen sei das Ziel, die gesamte Wahl infrage zu stellen. Durch Angriffe auf wichtige Infrastruktureinrichtungen wie die Stromversorgung, Flughäfen oder das Telefonnetz solle zudem der Eindruck entstehen, dass die Regierung die Lage nicht im Griff habe. Die Task Force wird vom Atlantic Council unterstützt, einem Think Tank aus den USA.

Der Sondergesandte der USA für die Ukraine, Kurt Volker, sagte der Nachrichtenagentur AFP, es gebe bereits gezielte Attacken auf den amtierenden Präsidenten. "Sie versuchen, Poroschenko anzugreifen und ihn zu schwächen", sagte Volker. Das Ziel sei, eine Wiederwahl des bisherigen Präsidenten zu verhindern und mit seinem Nachfolger dann "zu irgendeiner Übereinkunft zu kommen, die Russland nutzt". Derzeit liegt Poroschenko in den Umfragen deutlich hinter dem Komiker Wolodimir Selenski.

Unterstützung bekommt der Geheimdienst nach Angaben von Oleksandr Klimtschuk von Facebook. Er sagte, das Unternehmen habe in den vergangenen Monaten auf Antrag des SBU rund 2000 Benutzerkonten blockiert. Facebook bestätigte lediglich, es habe "ein Netzwerk von Facebook- und Instagramkonten" gelöscht, das durch "koordiniertes, nicht authentisches Verhalten" aufgefallen sei. Das Netzwerk habe seinen Ursprung in Russland gehabt, sei aber in der Ukraine aktiv gewesen.

Quelle: n-tv.de, Oleksandr Savochenko, AFP