Trotz Ärger mit PolenUkraine will umstrittene "Helden"-Gedenkstätte in Kiew errichten

Die Ukraine lässt sich von westlichen Partnern in ihr Gedenken an einstige Nationalisten weiter nicht hineinreden. Trotz der zuletzt vor allem aus Polen kommenden Kritik entscheidet sich das Parlament für die Schaffung einer Stätte für "Helden".
Mitten im Krieg gegen Russland und vor dem Hintergrund eines Geschichtsstreits mit Polen hat die Ukraine die Einrichtung einer "Pantheon" genannten nationalen Gedenkstätte beschlossen. Für die Novelle stimmten in einer beschleunigten zweiten Lesung 287 Abgeordnete - und damit eine deutliche Mehrheit. Ziel sei es, "die herausragendsten Vertreter der ukrainischen Nation zu ehren" und anhand ihres Vorbilds eine "nationale und staatsbürgerliche Identität zu formen", hieß es im Erklärungstext.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Gesetzesnovelle als "dringlich" bezeichnet. Er bedankte sich bei den Parlamentariern und sprach von einem "wichtigen Schritt". Der Staatschef kündigte die unverzügliche Unterzeichnung an.
Der staatliche Gedenkort wird dem Gesetz zufolge in der Hauptstadt Kiew eingerichtet. Geehrt werden sollen historische Figuren seit der Zeit des mittelalterlichen Reiches der Kiewer Rus. Erwartet wird, dass international umstrittene Persönlichkeiten umgebettet werden, die die heutige Ukraine als Unabhängigkeitskämpfer ansieht. Das Pantheon soll zudem als Begräbnisstätte für ukrainische Präsidenten dienen.
Kürzlich hatte Kiew die sterblichen Überreste des Führers der Organisation ukrainischer Nationalisten, Andrij Melnyk, aus Luxemburg überführt und in einem Staatsbegräbnis beigesetzt. An der Zeremonie nahmen Selenskyj, Parlamentschef Ruslan Stefantschuk, Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko und andere Regierungsvertreter teil. Die israelische Holocaustgedenkstätte Yad Vashem zeigte sich "zutiefst beunruhigt" aufgrund der Gedenkfeier auf Kosten des Gedenkens an die Opfer des Holocausts.
Die ukrainische Nationalisten hatten zeitweise mit den deutschen Nationalsozialisten kollaboriert. Sie hofften, dadurch einen ukrainischen Nationalstaat ohne sowjetischen Einfluss gründen zu können. Nachdem dieser 1941 durch die Bandera-Fraktion der ukrainischen Nationalisten in Lwiw ausgerufen wurde, kam es zum Zerwürfnis mit den Nazis. Führende ukrainische Nationalisten wurden festgenommen und in Konzentrationslager gesteckt.
Streit mit Polen
In dem sogenannten Pantheon sollen künftig auch Angehörige der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) geehrt werden. Die nationalistischen Untergrundkämpfer waren für Massenmorde an Polen und Juden vor allem in der heutigen Westukraine mit Zehntausenden Opfern verantwortlich. Selenskyj war in der Vergangenheit ins Nachbarland gereist, um der Opfer der Verbrechen zu gedenken.
Die Verleihung des Ehrentitels "Helden der UPA" an eine militärische Einheit im Mai durch Selenskyj führte jedoch zu einem erneuten Zerwürfnis mit Polen. Im Zuge dessen nahm Warschau die Verleihung des Ordens des "Weißen Adlers" an Selenskyj zurück. Mehrere ukrainische und polnische Politiker gaben zudem Ehrungen aus dem Nachbarland zurück.
Deutschland hat sich in dem Streit um Ehrungen von Nazikollaborateuren in der Ukraine nicht positioniert. Russland begann seinen bis heute andauernden Krieg gegen das Nachbarland 2022 auch unter dem Vorwand einer "Entnazifizierung".