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Bedroht durch kriminelle Gangs Unicef fordert Verständnis für Migranten

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Besonders das völlig überbelegte Migrantenlager im texanischen Clint steht in der Kritik.

(Foto: picture alliance/dpa)

Immer wieder sorgen die Zustände in den US-Auffanglagern für Empörung. Während die Behörden nun 1000 weitere Soldaten an die Grenze zu Mexiko schicken wollen, wirbt das UN-Kinderhilfswerk Unicef für mehr Verständnis für die verzweifelte Lage der Migranten. Diese sei "katastrophal".

Die Chefin des UN-Kinderhilfswerks Unicef hat Politiker zu mehr Verständnis für die Lage von Migranten aufgerufen. Viele Flüchtlinge hätten keine andere Wahl, als ihr Land zu verlassen, sagte Henrietta Fore.

Ob an der US-Grenze zu Mexiko, in Mittelamerika oder Syrien - gerade die Situation junger Menschen sei "katastrophal", sagte Fore. "Viele Migranten wollen ihr Land nicht verlassen, sind aber durch wirtschaftliche Umstände oder Gewalt dazu gezwungen", betonte sie.

Sie habe mit Flüchtlingen in Honduras und in der mexikanischen Stadt Tijuana an der Grenze zu den USA gesprochen, sagte Fore. Dort hätten ihr junge Frauen berichtet, dass sie ihr Land nie verlassen hätten, wenn nicht ihr Leben bedroht sei. Honduras ist für seine kriminellen Gangs bekannt, an der Grenze zwischen Mexiko und den USA liefern sich Drogenhändler erbitterte Bandenkriege.

Das US-Verteidigungsministerium teilte indes mit, das Heimatschutzministerium habe um die Entsendung von 1000 zusätzlichen Soldaten an die Grenze zu Mexiko gebeten. Die Nationalgardisten sollten die Grenzschutzbehörden in den Städten Donna und Tornillo im Bundesstaat Texas unterstützen und an mehreren Grenzübergängen und Flughäfen eingesetzt werden.

Dramatische Zustände in US-Auffanglagern

Zuletzt hatten dramatische Zustände in US-Auffanglagern für Empörung gesorgt. Die Generalinspekteurin des US-Heimatschutzministeriums prangerte jüngst eine "gefährliche Überbelegung" in den Arrestzentren für Migranten an. Ein von ihr erstellter Bericht verwies zudem auf mangelnde Hygiene und einseitige Ernährung in den Einrichtungen. Auch Abgeordnete der US-Demokraten, die einige Arrestzentren besucht hatten, verurteilten die Zustände als "entsetzlich".

Die "New York Times" hatte am Wochenende über eine völlig überbelegte Grenzschutzstation im texanischen Clint berichtet. Dort würden sich Hunderte Kinder in dreckiger Kleidung in Zellen drängen, hieß es. Zudem grassierten Krankheiten in dem Lager. US-Präsident Donald Trump versprach, Journalisten den Zugang zu einigen Camps zu gestatten.

Die US-Behörden sind überfordert mit der großen Zahl vor allem zentralamerikanischer Migranten, die über Mexiko in die USA gelangen wollen. Die US-Grenzschutzbehörde erklärte, die Arrestzentren seien nie für derart viele Migranten ausgelegt gewesen. Nach Angaben des Grenzschutzes saßen zwischen Oktober des vergangenen Jahres und Mai an der US-Grenze mehr als 223.000 Menschen in Arrestzentren - ein Anstieg von 124 Prozent gegenüber demselben Zeitraum des Vorjahres.

UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet hatte sich am Montag "zutiefst schockiert" über die Zustände in den umstrittenen Auffanglagern in den USA gezeigt. Unicef-Chefin Fore forderte mit Blick auf die Zustände in den Einrichtungen, die Politik müsse für "Nahrung, Hygiene und Schutz sorgen". Erst im April hatte das US-Verteidigungsministerium die Entsendung von 320 weiteren Soldaten an die Grenze zu Mexiko verkündet, welche die bereits dort stationierten rund 4900 Armeeangehörige unterstützen sollten.

Quelle: n-tv.de, lri/AFP

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