Politik

Untergang der "Blücher" 1940Mit veralteten Waffen versenkte Norwegen Hitlers Kreuzer

09.04.2026, 09:54 Uhr
imageVon Gernot Kramper
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Die brennende "Blücher" im Oslofjord. (Foto: picture alliance / NTB premium)

Ein deutscher Flottenverband läuft am 9. April 1940 in den Oslofjord ein, um Norwegens Hauptstadt im Handstreich zu erobern. Doch eine alte Festung eröffnet das Feuer und versenkt den Kreuzer "Blücher". Der Untergang des Schiffs verzögert die deutsche Invasion entscheidend.

Der schwere Kreuzer "Blücher" war eins der modernsten Schiffe der deutschen Kriegsmarine. Im September 1939 fertiggestellt, wurde er Anfang April 1940 für einsatzbereit erklärt. Doch schon am 9. April 1940 sank er im Oslofjord - ohne auch nur einen Schuss gegen ein feindliches Schiff abgefeuert zu haben.

Die "Blücher" führte einen Konvoi deutscher Schiffe an. Die Flotte war Teil des Unternehmens "Weserübung" zur Besetzung Dänemarks und Norwegens. Ziel war die Kontrolle der norwegischen Häfen, über die schwedisches Eisenerz nach Deutschland transportiert wurde. Oslo, die Hauptstadt des bis dahin neutralen Norwegens, sollte im Handstreich fallen. Doch die Deutschen hatten nicht mit einem alten Offizier gerechnet: Oberst Birger Eriksen, Kommandant der Festung Oscarsborg im Oslofjord.

Die um 1850 erbaute Festung galt als hoffnungslos veraltet. Ihre beiden schweren Geschütze stammten aus dem Jahr 1892, die Torpedoabschussanlagen waren ähnlich antiquiert. Das alte Fort hatte keine kampfkräftige Besatzung - hier wurden Rekruten ausgebildet, der Großteil von Eriksens Soldaten war erst eine Woche zuvor eingezogen worden.

Als in der Nacht zum 9. April Nachrichten von unbekannten Kriegsschiffen im Oslofjord eintrafen, stand Eriksen vor einer Entscheidung. Die Kommunikation zum Oberkommando war eingeschränkt. Weder die Deutschen noch die norwegische Regierung rechneten ernsthaft damit, dass die alte Festung Widerstand leisten könnte.

Um 4.20 Uhr erfasste ein Scheinwerfer die "Blücher". Ohne Befehl von oben, ohne Kenntnis der politischen Lage beschloss Eriksen zu handeln. "Entweder werde ich vor ein Kriegsgericht gestellt oder ich werde ein Kriegsheld", soll er gesagt haben. Die beiden alten 28-Zentimeter-Geschütze trafen die "Blücher" aus nächster Nähe.

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Das Schiff geriet in Brand und trieb in dem nur 500 Meter breiten Fjord näher an die Festung heran - direkt in den Schussbereich der Torpedoanlage. Zwei etwa 40 Jahre alte Torpedos trafen die "Blücher" schwer. Innerhalb von etwa zwei Stunden sank das brennende Schiff. An Bord waren rund 1400 Matrosen und 800 Soldaten, darunter Gestapobeamte und Spezialisten für die geplante Besetzung Oslos.

Zwischen 650 und 800 Menschen starben - viele durch Unterkühlung im eiskalten Wasser oder in brennendem Öl. Eriksen hisste am Abend nach einem langen Bombardement durch Hitlers Luftwaffe die weiße Fahne. Er hatte seine Aufgabe erfüllt und den deutschen Verband entscheidende Stunden aufgehalten.

Wie kam es zu diesem Desaster? Die Deutschen unterschätzten die alte Festung. Sie hatten mit einer raschen Kapitulation wie in Dänemark gerechnet, wo die Invasion nahezu kampflos gelang. Norwegen aber leistete Widerstand. Die Verzögerung durch Oscarsborg ermöglichte es König Haakon VII. und der Regierung, aus Oslo zu entkommen. Auch der Staatsschatz konnte gerettet werden. Mithilfe britischer Truppen verteidigten die Norweger zäh ihre Heimat. Auch nach dem offiziellen Ende der Kämpfe im Juni 1940 setzte die Widerstandsbewegung den Deutschen zu.

Dieser Text erschien in einer längeren Version zuerst bei stern.de.

Quelle: ntv.de

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