Politik

Wie Aderlasse Varoufakis keilt gegen Eurogruppe

Im Armdrücken zwischen Brüssel und Athen äußert sich der griechische Finanzminister Varoufakis mit markigen Worten in der französischen Zeitung "Charlie Hebdo". Beim Thema Reformen wird er aber schmallippig.

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis greift in der aktuellen "Charlie Hebdo"-Ausgabe die Eurogruppe scharf an. "Wenn Ihr denkt, Ihr tut gut daran, progressive Regierungen wie unsere zur Strecke zu bringen, dann macht Euch auf das Schlimmste gefasst", sagte er.

Varoufakis hat in den vergangenen Wochen hart mit Brüssel und Berlin um eine Verlängerung der Finanzhilfe bei weniger drastischen Sparauflagen gerungen. Für die Zusage muss Athen die von der Vorgängerregierung zugesagten Kürzungen und Reformen weitgehend umsetzen.

Wenn demokratisch gewählten Regierungen wie der seinen die Luft abgeschnürt werde und die Wähler in die Verzweiflung gestürzt würden, "dann profitieren davon nur die Fanatiker, die Rassisten, die Nationalisten und all diejenigen, die von Angst und Hass leben", sagte Varoufakis.

Er verglich die von den Gläubigern abverlangten Haushaltskürzungen mit der Medizin des Mittelalters: "Damals wurden Aderlasse verschrieben, die die Kranken oft noch kranker machten, worauf sie erneut zur Ader gelassen wurden."

Die "Charlie Hebdo"-Journalisten fragten Varoufakis auch, ob seine Regierung nicht die orthodoxe Kirche Griechenlands und die Reeder ein wenig stärker zur Ader lassen wolle als die Vorgängerregierungen. Das Problem sei, dass der "enorme Reichtum" der Kirche keinen allzu hohen Ertrag bringe, der versteuert werden könne, sagte der Finanzminister. Und die Reeder seien "sehr mobil", und es sei daher "wahrscheinlich, dass ihre Gewinne das Land verlassen würden, wenn sie versteuert werden müssten".

Quelle: ntv.de, jwu/AFP

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