Politik

Wollte Schäuble Griechenland opfern? Varoufakis vermutet Umbau der Euro-Zone

3qiz4615.jpg7410265498308031301.jpg

Varoufakis und Schäuble bei einer Pressekonferenz im Februar in Berlin.

(Foto: dpa)

Der griechische Ex-Minister Varoufakis wirft Deutschland vor, die soziale Krise seines Landes "kontrolliert verschärft" zu haben. Ziel sei die Neugestaltung der Eurozone gewesen. Varoufakis wörtlich: "Das ist eine rituelle Aufopferung eines Mitgliedstaats."

Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat erneut schwere Vorwürfe gegen den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble erhoben. In einem Rückblick auf das letzte halbe Jahr erklärte Varoufakis in der Wochenzeitung "Die Zeit", Schäuble habe zusammen mit anderen Politikern der Euro-Gruppe die soziale Krise eines Mitgliedstaates "kontrolliert verschärft". Damit habe er seinen "Plan von einer Neugestaltung der Euro-Zone" durchsetzen wollen. "Wahlen können nichts ändern", mit diesen Worten sei Varoufakis bei seinem ersten Auftreten in der Euro-Gruppe begrüßt worden.

Ein von Schäuble forcierter Grexit hätte den Startschuss für die Neugestaltung Europas geben sollen, sagte Varoufakis. Griechenland sollte aus der Eurozone gedrängt werden, um "Mitgliedstaaten zu disziplinieren, die sich seinem ganz speziellen Plan zum Umbau der Eurozone widersetzten". Das sei eine "rituelle Aufopferung eines Mitgliedstaats". "Eine kontrollierte Eskalation der jahrelangen griechischen Leiden, die durch geschlossene Banken verschärft" würden, wäre der Vorbote der neuen Euro-Zone.

Der von Schäuble geplante Umbau, so Varoufakis, ziele unter anderem darauf, einen "Haushalts-Oberaufseher" für die Euro-Staaten zu bestimmen, der über ein Vetorecht gegen nationale Haushalte verfügt. Dies verstoße "gegen Grundprinzipien der westlichen liberalen Demokratie", sagte Varoufakis weiter. "Die Konsequenz, mit der Schäuble für eine politische Union eintritt, die den Grundprinzipien einer demokratischen Föderation widerspricht, ist beeindruckend." Jeder solle selbst entscheiden, ob Schäubles Vorhaben im Einklang stehe "mit Ihrem Traum von einem demokratischen Europa" stehe.

Kein "perfekter Politiker"

Varoufakis hatte erst Anfang der Woche in einem Interview mit dem "New Statesman" über die Beweggründe für seinen Rücktritt gesprochen und war auch dort schon hart mit Schäuble ins Gericht gegangen. Die Euro-Finanzminister seien "komplett" von ihm dominiert. Die Gruppe sei "wie ein äußerst gut dirigiertes Orchester" mit Schäuble als Chef. Varoufakis selbst sei stets mit "leeren Blicken" bedacht worden, wann immer er bei seinen europäischen Ministerkollegen wirtschaftliche Argumente vorgebracht habe. "Ich hätte auch die schwedische Nationalhymne singen können, und dabei dieselbe Reaktion erhalten", sagte der Wirtschaftswissenschaftler dem Magazin.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras, der einst gemeinsam mit Varoufakis für die Erneuerung des maroden Staates kämpfte, lehnte es ab, diesen für die schwierigen Beziehungen zur EU verantwortlich zu machen. Allerdings räumte er mit Blick auf Varoufakis ein, "ein perfekter Ökonom bedeutet nicht, dass jemand auch ein Politiker ist".

Quelle: ntv.de, ppo