Politik

Stopp von humanitärer Hilfe Venezuela schließt brasilianische Grenze

RTX6NB5U.jpg

Auch die Grenzbrücke zwischen Venezuela und Kolumbien ist gesperrt.

(Foto: REUTERS)

Mit Hilfslieferungen aus den USA will der selbsternannte Übergangspräsident den Machtkampf in Venezuela für sich entscheiden. Doch die offizielle Führung sperrt nach und nach die Landesgrenzen ab. Davon will sich die Opposition nicht stoppen lassen.

Venezuela schottet sich weiter gegen die Außenwelt ab: Staatspräsident Nicolas Maduro hat die Schließung der Grenze zu Brasilien angeordnet, um Hilfslieferungen zu stoppen, die aus den USA stammen und von der Opposition organisiert wurden. Zuvor hatte die venezolanische Armee bereits die Grenzübergänge nach Kolumbien mit quergestellten Containern blockiert.

Die humanitäre Hilfe ist zum Spielball im venezolanischen Machtkampf geworden. Der Oppositionsführer und selbsternannte Übergangspräsident Juan Guaido hat Maduro aufgefordert, bis Samstag mehrere Tonnen Medikamente und Lebensmittel ins Land zu lassen, die bisher in Kolumbien blockiert sind. Maduro weigert sich jedoch kategorisch, US-Hilfen anzunehmen. Er sieht diese als Vorwand und Täuschungsmanöver, um den Boden für eine US-geführte Militärintervention zu bereiten.

Guaido wird inzwischen von rund 50 Staaten als Übergangspräsident anerkannt, darunter auch Deutschland. Er ist mit einem Konvoi von Caracas aus in Richtung kolumbianische Grenze aufgebrochen, um die Hilfslieferungen ins Land zu holen – notfalls auch gegen den Willen von Maduro: "Die humanitäre Hilfe wird reinkommen, egal was passiert - über das Meer oder auf dem Landweg", sagte Guaido. Wie er dies schaffen will, sagte er nicht.

Kräftemessen an der kolumbianischen Grenze

In ihrem Kräftemessen planen beide Seiten derzeit große Konzerte an der kolumbianischen Grenze. Auf Initiative des britischen Virgin-Chefs und Milliardärs Richard Branson soll am Freitag in Cúcuta auf der kolumbianischen Seite das Benefizkonzert "Venezuela Aid Live" stattfinden. Dabei sollen Spenden für die venezolanische Bevölkerung gesammelt werden.

Die venezolanische Regierung kündigte derweil ein Konzert unter dem Motto "Hände weg von Venezuela" in nur rund 300 Metern Entfernung auf der Tienditas-Grenzbrücke an. Das Konzert soll ebenfalls am Freitag starten und drei Tage dauern. "Was sie auf der anderen Seite der Grenze machen ist ihr Problem - wir werden unser Staatsgebiet verteidigen", sagte ein Politiker der Regierungspartei.

Gravierende Versorgungskrise

Der offizielle Staatschef Maduro hatte am 10. Januar seine zweite Amtszeit angetreten. Der größte Teil der Opposition hatte die Präsidentschaftswahl vom Mai 2018 aber boykottiert und erkennt das Ergebnis nicht an. Vor einem Monat hatte sich der oppositionelle Parlamentspräsident Guaido zum Übergangsstaatschef erklärt.

In Venezuela herrscht seit Jahren eine gravierende Versorgungskrise, obwohl das Land über die weltgrößten Ölvorkommen verfügt. Mehr als 2,3 Millionen Einwohner flohen bereits aus dem Land, wo es an Medikamenten, Lebensmitteln und anderen Artikeln des täglichen Bedarfs fehlt.

Quelle: n-tv.de, chr/AFP