Politik

Berichte über Schüsse in CaracasVenezuelas neue Führung fahndet nach Kollaborateuren

06.01.2026, 08:36 Uhr
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Delcy Rodriguez wird als geschäftsführende Präsidentin vereidigt. (Foto: picture alliance/dpa)

In Venezuela übernimmt eine treue Anhängerin Maduros die Kontrolle und ruft den Ausnahmezustand aus. Dabei geht sie auch gegen Oppositionelle vor und lässt zwischenzeitlich Journalisten festnehmen. Die Lage in Caracas bleibt derweil unübersichtlich.

Nach der Gefangennahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro durch US-Elitetruppen festigt seine ihm loyale Nachfolgerin ihre Macht im Land. Als eine der ersten Amtshandlungen erklärte die als geschäftsführende Präsidentin vereidigte Delcy Rodríguez den Ausnahmezustand und wies die Polizei zur Jagd auf Kollaborateure an. Nach Angaben des venezolanischen Journalistenverbands SNRP wurden 14 Journalisten festgenommen, später aber wieder freigelassen.

Im Dekret zur Verkündung des Ausnahmezustands hieß es, alle Polizeidienststellen sollten nach Personen suchen, die den Angriff der Vereinigten Staaten unterstützten. Medienberichten zufolge hatte das US-Militär bei der Kommando-Aktion am Wochenende, bei der Staatschef Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores gefangengenommen wurden, Unterstützung vor Ort. Unter anderem soll eine Person im direkten Umfeld von Maduro ständig Informationen über seinen gegenwärtigen Aufenthaltsort übermittelt haben.

"Ich werde nicht ruhen, bis Frieden und Ruhe für die Republik gewährleistet sind", sagte Rodríguez bei ihrer Vereidigung durch ihren Bruder, den Parlamentspräsidenten Jorge Rodríguez. Der Oberste Gerichtshof hatte die bisherige Vizepräsidentin nach Maduros Entführung beauftragt, die Aufgaben des Staatschefs vorübergehend wahrzunehmen.

Militär hinter Vizepräsidentin

Delcy Rodríguez ist eine der loyalsten Figuren aus Maduros Machtzirkel. Als Außenministerin von 2014 bis 2017 prägte die überzeugte Sozialistin den konfrontativen Kurs gegen die USA, den sie als Vizepräsidentin fortsetzte. Auch nach dem US-Militärschlag am Wochenende gab sie sich unbeugsam. Später schrieb sie, an Trump gerichtet: "Unsere Völker und unsere Region verdienen Frieden und Dialog, keinen Krieg." Das mächtige Militär stellte sich öffentlich hinter sie.

Die Regierung in Venezuela betrachtet Maduro weiterhin als legitimen Präsidenten. Laut der venezolanischen Verfassung übernimmt bei einer dauerhaften Abwesenheit des Präsidenten zunächst die Vizepräsidentin die Amtsgeschäfte und setzt innerhalb von 30 Tagen Neuwahlen an. Ob die neue Führung die Lage als eine dauerhafte Abwesenheit bewertet, ist unklar.

Trump gegen schnelle Neuwahl

Nach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump wird es in den nächsten 30 Tagen allerdings keine Neuwahl geben. "Wir müssen das Land zuerst wieder in Ordnung bringen. Man kann keine Wahlen abhalten", sagte er dem Sender NBC News.

Berichten in sozialen Medien zufolge kam es in der Nacht in der Nähe des Präsidentenpalastes in der Hauptstadt Caracas zu heftigen Schusswechseln, wobei die Hintergründe noch unklar blieben. In Videos waren Schüsse zu hören und gepanzerte Fahrzeuge der Sicherheitskräfte in den Straßen zu sehen. In Venezuela gibt es eine Reihe bewaffneter Gruppen, darunter kriminelle Organisationen und der Regierung nahe stehende Paramilitärs, die sogenannten Colectivos. Schusswaffengewalt ist in manchen Teilen von Caracas nicht so ungewöhnlich.

Quelle: ntv.de, raf/dpa

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