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Nach Niederlage gegen AKK Verprellt Merz jetzt seine Unterstützer?

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Friedrich Merz muss sich auf dem CDU-Parteitag der bisherigen Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer geschlagen geben.

dpa

Für den Wirtschaftsflügel in der CDU gilt Friedrich Merz lange als Hoffnungsträger. Doch ausgerechnet auf dem Parteitag zeigt er Nerven - und enttäuscht seine Anhänger. Sie fürchten nun, dass ihr Favorit das Weite sucht.

Wer nach der Niederlage von Friedrich Merz im Rennen um den CDU-Vorsitz Trost suchte, hatte Glück: Die Mittelstandsvereinigung der Union lockte die Delegierten am eigenen Stand in der Hamburger Messehalle mit Freibier aus Berlin. "Für alle, die ein wenig enttäuscht sind, gibt es jetzt die Chance auf Versöhnung und Zusammenhalt", twitterte der Verband.

Den Frust in Promille aufzulösen - das schien womöglich kurzfristig eine Option zu sein. Doch die Katerstimmung bei den Merz-Fans dürfte über einen ordentlichen Rausch hinausgehen. Denn die konservative Wende, auf die so viele mit dem früheren Unionsfraktionschef gehofft hatten, ist abgesagt - und die Enttäuschung riesig. Auch die Enttäuschung über Merz.

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Ob er künftig überhaupt noch eine Rolle in der Partei spielen wird - und wenn ja, welche - ließ Merz völlig offen. Eine Kandidatur fürs Präsidium oder als CDU-Vize schloss er aber sofort aus. Unter seinen Anhängern stieß er damit auf reichlich Unverständnis. Immerhin hatte der 63-Jährige in seiner Rede angekündigt, er wolle auch im Falle einer Niederlage Verantwortung übernehmen. Nun sind die Befürchtungen bei seinen Anhängern groß, dass Merz einfach zurück in die Wirtschaft gehen könnte. Mancher beobachtete schon mit Unmut, wie der Unterlegene nach der Wahl den Saal verließ - und wertete es als Omen für eine Zukunft ohne Merz' Einfluss auf die Parteispitze.

Nach der Wahl hatte er sich zunächst als fairer Verlierer präsentiert. Seine Anhänger rief er dazu auf, Kramp-Karrenbauer als Parteichefin zu unterstützen. "Ich hätte zwar gerne gewonnen", sagte Merz, "aber die vergangenen Wochen haben trotzdem viel Spaß gemacht." Merz war der Favorit des Wirtschaftsflügels der CDU - und ihr Hoffnungsträger. Mit seiner "entsozialdemokratisierten" Programmatik traf Merz bei vielen Mitgliedern einen Nerv. Auf den Regionalkonferenzen gelang es ihm besser als seinen beiden Mitbewerbern, die Basis zu begeistern. Dass er nun dennoch verlor, schreiben seine Anhänger vor allem dem schwachen Auftritt des eigentlich begabten Rhetorikers beim Parteitag zu.

Kritik an Merz' Parteitagsrede

Tatsächlich war Merz' Rede überraschend unambitioniert. Er sprach nicht frei und ließ dem Publikum in der ersten Hälfte seines Vortrags kaum Zeit für Beifall. "Von diesem Parteitag muss ein Signal des Aufbruchs und der Erneuerung ausgehen", sagte er - klang aber alles andere als kämpferisch. Er sprach über die Friedensdividende nach dem Ende des Kalten Krieges, über die Schaffung des europäischen Binnenmarktes in den 1990er Jahren, den damaligen Blick auf China und das Verhältnis zu den USA. Er wolle deutlich machen, "dass von diesen vielen Gewissheiten heute kaum noch etwas geblieben ist". Es war einer der Momente, in dem seine Rede klang wie ein Referat - nicht wie eine Bewerbung.

Später wurde Merz souveräner und der Applaus für ihn stärker. Dennoch gelang es ihm nicht, seine Rede völlig anders aufzubauen als bei den Regionalkonferenzen. Seine Kritik an Kramp-Karrenbauer war so indirekt, dass sie verpuffte. "Grundsatzprogrammprozesse sind zuallererst Selbstreflexion und Selbstvergewisserung einer politischen Partei. Sie können nicht den Dialog mit der Öffentlichkeit ersetzen." Starken Beifall bekam Merz, als er darüber sprach, dass ältere Mitbürger abends zuhause bleiben, weil sie Angst haben. Auch seine "Agenda für die Fleißigen" kam bei den Delegierten gut an.

Angriff auf CDU-Spitze verpufft

Welche Probleme Merz sich selbst mit seiner Rede machte, fiel an einer Stelle besonders auf. Er kritisierte den laxen Umgang der CDU mit den anderen Parteien, der seiner Auffassung nach den Aufstieg der AfD begünstigt hat - eine Analyse, die alles andere als abwegig ist und die man durchaus in einen gepfefferten Angriff hätte verwandeln können. Doch Merz sagte: "Wir haben das mal asymmetrische Demobilisierung genannt, und ich gebe zu, ich habe das mal in einem meiner Bundestagswahlkämpfe sehr erfolgreich instrumentalisiert. Aber alles hat seine Zeit." Der Applaus darauf war mager.

Ausgerechnet als es darauf ankam, tat sich Merz schwer damit, den richtigen Ton zu finden. Für die Merz-Fans innerhalb der CDU wog das umso schwerer, weil sie davon ausgehen mussten, dass viele Delegierte vor dem Parteitag noch keine klare Präferenz für einen Kandidaten hatten. "Man kann verlieren", sagte einer, der zum Merz-Lager gehört. "Aber wenigstens kämpfen muss man."

Was bleibt, ist Freibier - und die Frage, ob Merz der Partei erhalten bleibt oder nicht. Im Vorhinein war viel spekuliert worden über eine Spaltung der CDU, sollten die Gräben zwischen den Lagern zu groß werden. Würde sich Merz tatsächlich zurückziehen, wäre diese Sorge wohl vom Tisch. Doch so richtig will das niemand. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther war sich jedenfalls nicht zu schade zum Bitten. "Wir brauchen Merz mit seiner wirtschaftspolitischen Kompetenz", sagte er. "Ich glaube, er hat heute auch gespürt wie sehr die Partei ihn vermisst hat, sonst hätte er nicht so ein Super-Ergebnis geholt."

Quelle: n-tv.de

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