Politik

Studie über rechtes Gedankengut Viele Sachsen sind voller Ressentiments

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In der sächsischen Hauptstadt Dresden wurde vor rund drei Jahren die "Pegida"-Bewegung geboren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zum zweiten Mal erstellt ein Umfrageinstitut den "Sachsen-Monitor". Rund tausend Menschen aus dem Bundesland geben hier Auskunft zu ihren politischen Einstellungen. Mehr als die Hälfte hält Deutschland für überfremdet und hat etwas gegen Muslime.

Mehr Vertrauen in die Demokratie, aber auch große Angst vor "Überfremdung": Dem an diesem Dienstag in Dresden veröffentlichten "Sachsen-Monitor" zufolge ist die Zustimmung im Freistaat zu rechtsextremem Gedankengut weiter hoch. Mehr als jeder zweite Sachse (56 Prozent) stimmt demnach der Aussage zu, Deutschland sei in einem gefährlichen Maß "überfremdet". Im Vorjahr waren dies mit 58 Prozent ähnlich viele.

Das Meinungsforschungsinstitut dimap befragte im Auftrag der Dresdener Staatskanzlei im Juli und August nach 2016 zum zweiten Mal rund tausend Bürger zu ihren Einstellungen. Die Zustimmung zu extrem rechtem, gruppenbezogen menschenfeindlichem und rassistischem Gedankengut sei trotz leichten Rückgangs "weiter alarmierend", erklärte der zum "Sachsen-Monitor" gebildete Beirat aus Vertretern des öffentlichen Lebens in einer Stellungnahme.

Auffällig seien Ressentiments gegenüber Muslimen. 62 Prozent (minus 7 Prozentpunkte) sagen, hier lebende Muslime akzeptierten die Werte in Deutschland nicht. 38 Prozent und damit etwa genauso viele wie im Vorjahr meinen sogar, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden.

Mehr als die Hälfte der Befragten (58 Prozent) stimmt demnach der Aussage zu, es "sollte lieber mehr Geld für die deutsche Einheit als für die Integration von Ausländern ausgegeben werden". 44 Prozent glauben, die Ostdeutschen seien in Deutschland Bürger zweiter Klasse.

Wendezeit hat in Sachsen besonders tiefe Wunden gerissen

Roland Löffler, Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und Vorsitzender des Beirats, betrachtet das weiterhin hohe Maß an gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gerade in der jüngeren Generation mit Sorge. Hier sei die politische Bildung in den Schulen, aber ganz besonders auch in den Familien gefordert, erklärte Löffler.

Nach Auffassung des Expertenbeirats ist die Ablehnung von Minderheiten "in hohem Maße" mit einem Gefühl der Benachteiligung und der Ungerechtigkeit verbunden. Die Kluft zwischen der relativ hohen Lebenszufriedenheit und den Sorgen habe sich vertieft, insbesondere in der unteren Mittelschicht. Die Umfrage zeige zudem, "dass Ungerechtigkeiten und Kränkungen der Nachwendezeit und einer als unvollständig wahrgenommenen Einheit ein Grund für die besondere Lage in Sachsen sind". Ein ähnliches Bild hatte auch eine Studie in Thüringen ergeben.

Tatsächlich meinen in Sachsen nur 48 Prozent der Befragten, dass es in Deutschland eher gerecht zugeht; 47 Prozent empfinden die Zustände als eher ungerecht. 58 Prozent der Befragten geben zudem an, die Sachsen stünden im Vergleich zu den Bürgern in den westdeutschen Bundesländern schlechter da.

Auf der anderen Seite ist das Vertrauen in die Demokratie und deren Institutionen im Vergleich zum Vorjahr auffallend gestiegen. Gegenüber rund einem Drittel im vergangenen Jahr vertrauen nun etwa 40 Prozent dem Bundestag beziehungsweise der Bundesregierung. Auch das Vertrauen in Landtag und Landesregierung ist gestiegen. Im vergangenen Jahr äußerten dies 43 beziehungsweise 46 Prozent - in diesem Jahr 48 beziehungsweise 51 Prozent.

Quelle: ntv.de, nsc/AFP