Politik

Deutschlands "vergessene Mitte" Viele würden "Macron-Partei" wählen

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Macron hat mit seiner Bewegung das politische Parteiensystem in Frankreich umgekrempelt.

(Foto: REUTERS)

Ist eine politische Bewegung nach dem Vorbild des französischen Präsidenten Macron auch in Deutschland denkbar? Das aktuelle RTL/n-tv Trendbarometer zeigt: Zumindest wäre ein Großteil der Wähler nicht abgeneigt.

In Deutschland könnte eine politische Bewegung nach dem Vorbild des französischen Präsidenten Emmanuel Macron ebenfalls mit einem großen Erfolg rechnen. Wie Forsa für das aktuelle RTL/n-tv Trendbarometer ermittelte, können sich 57 Prozent der wahlberechtigten Bundesbürger vorstellen, "bei der nächsten Bundestagswahl eine Sammlungspartei der Mitte wie die von Macron in Frankreich zu wählen".

Damit übersteigt das Wählerpotenzial einer politischen Bewegung à la Macron bei weitem das Potenzial, das früher für "Protestparteien" wie eine "Haider"- oder "Sarrazin-Partei" (je 16 Prozent) ermittelt wurde. Es ist zudem sechsmal größer als das aktuelle Potenzial der Wähler am rechten Rand. Im September vergangenen Jahres hatten 9,5 Prozent aller Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl der AfD ihre Stimme gegeben.

Zuspruch erhielte eine "Macron-Partei" auch in Deutschland vor allem von denen, die sich der politischen und gesellschaftlichen Mitte zugehörig fühlen, aber ihre Interessen bei den herkömmlichen Parteien nicht mehr in ausreichendem Maße vertreten sehen und zugleich nicht für radikales linkes oder rechtes Gedankengut anfällig sind. Lediglich in den unteren sozialen Schichten überwiegt der Anteil der Bundesbürger, die sich nicht vorstellen können, eine "Macron-Partei" zu wählen.

Wählerpotenzial in der Mitte

Die Bereitschaft, einer "Macron-Partei" die Stimme zu geben, ist bei ehemaligen Wählern der SPD (70 Prozent) oder der Union (68 Prozent) besonders groß. Diese "vergessene Mitte" im Wählerspektrum, so Forsa-Chef Manfred Güllner, "wird durch die in beiden Parteien erhobenen Forderungen nach einem stärkeren Links- beziehungsweise Rechtskurs verschreckt. Gäbe es für die große Mehrheit der Mitte in Deutschland eine politische Alternative wie vor einem Jahr in Frankreich, geriete somit auch das gesamte derzeitige Parteienspektrum in Deutschland in Gefahr."

Emmanuel Macron hatte im April 2016 eine eigene politische Sammlungspartei der Mitte ("En Marche") gegründet und wurde am 7. Mai 2017 zum neuen französischen Präsidenten gewählt. Zwei Monate später errang seine Partei, inzwischen "La République en Marche", die absolute Mehrheit der Sitze.

Quelle: n-tv.de, ghö

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