Politik

Reaktionen auf Gipfel in Glasgow Von Tränen bis Betrugsvorwurf - alles dabei

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Gefahr anerkannt, aber nicht gebannt: Grünen-Chefin Baerbock ist enttäuscht über die Abschwächung in der Abschlusserklärung von Glasgow.

(Foto: imago images/localpic)

Beim Ringen um die Abschlusserklärung kämpft der Chef des Glasgow-Gipfels mit den Tränen. Auch die Reaktionen in Deutschland sind höchst emotional: Grünen-Chefin Baerbock ist enttäuscht, FDP-Chef Lindner vorsichtig optimistisch, und Aktivistin Neubauer wittert einen "Betrug".

"Manche Leute beschreiben mich als 'Kein-Drama-Sharma'", sagt Alok Sharma, der Präsident der am Samstagabend zu Ende gegangenen UN-Klimakonferenz in Glasgow. Tatsächlich bereitete das britische Kabinettsmitglied die zweiwöchige COP26 gewissenhaft vor und führte die Verhandlungen zielstrebig und nüchtern. Am Schluss wurde es dann aber doch dramatisch: Kurz vor dem Beschluss des "Glasgow-Klimapakts" rang Sharma mit den Tränen und entschuldigte sich im Plenum für die Aufweichung der Formulierung zur Abkehr von der Kohle.

China und Indien hatten praktisch in letzter Minute durchgesetzt, dass der Beschluss zur Kohle letztlich vager gefasst wurde als in einer vorherigen Fassung formuliert. Sharma sagte daraufhin, er verstehe die "tiefe Enttäuschung" vieler Teilnehmer aus den fast 200 Staaten. Doch sei es wichtig gewesen, das Gesamtpaket zu schützen. "Es gibt einen feinen und zerbrechlichen grünen Faden, der um dieses ausgewogene Paket gewoben ist. Und ich glaube, wenn einer von uns daran reißt, wird er sich nur allzu leicht auflösen."

Baerbock enttäuscht, Lindner optimistisch

Entsprechend enttäuscht zeigte sich Grünen-Chefin Annalena Baerbock. "Es ist bedauerlich, dass in der Schlussphase der Konferenz Indien und China die gemeinsame Forderung zum Kohleausstieg abgeschwächt haben", erklärte Baerbock. Die Staatengemeinschaft habe die Bedrohung angesichts der Nutzung von Kohle zwar anerkannt, "aber noch lange nicht gebannt". Klimakonferenzen wie die COP26 seien ein wichtiger Orte für Impulse, erklärte die Grünen-Chefin weiter. Derzeit fehle es aber "an der erforderlichen gemeinsamen Kraft für einen wirklich großen Aufbruch". Mit Blick auf die künftige Regierung forderte sie für Deutschland ein Klimaschutz-Sofortprogramm im Jahr 2022. Berlin müsse zudem das Ende des fossilen Verbrennermotors und den Kohleausstieg 2030 auf den Weg bringen. Jeder Sektor müsse einen Beitrag leisten, damit die deutschen Klimaziele erreicht würden.

FDP-Chef Christian Lindner bewertete das Ergebnis der Weltklimakonferenz vorsichtig optimistisch. "Glasgow ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung, aber nicht das Ziel", sagte Lindner der "Süddeutschen Zeitung". So hätte er sich zum Beispiel bei der Möglichkeit, dass Staaten Klimaschutzmaßnahmen untereinander handeln können, "noch mehr Fortschritt gewünscht". Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch forderte weitere Anstrengungen für den Klimaschutz auch in Deutschland. "Glasgow ist ein wichtiges Signal, aber die eigentliche Arbeit beginnt erst", sagte Miersch der "Süddeutschen". "Notwendig ist jetzt, dass aus abstrakten Absichtserklärungen konkretes Handeln wird."

Neubauer sieht "Betrug" an der Jugend

Auch der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Dirk Messner, dringt darauf, nach der Weltklimakonferenz in Europa und global schnell Emissionen zu reduzieren. "Die Vision der 1,5-Grad-Begrenzung der globalen Erwärmung lebt noch, aber ihr Puls ist schwach", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Mit den Zusagen von Glasgow ließen sich Emissionsreduzierungen bis 2030 um fünf bis sieben Gigatonnen erreichen, lautet seine Einschätzung. Gut 20 Gigatonnen wären nach Angaben Messners aber notwendig, um auf einem Pfad zu der Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu bleiben.

Ohne Zwischentöne negativ äußerte sich die Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Sie verurteilte die Beschlüsse von Glasgow als "Betrug". "Diese Abschlusserklärung ist ein Betrug", sagte die 25-Jährige. Sie verrate alle, die schon heute vor "unerträglichen Klimafolgen" stünden. "Und es ist ein Betrug an allen jungen Menschen auf dieser Welt, die darauf setzen, dass sich Regierungen um ihre Zukunft kümmern." Deutschland habe in Glasgow gezeigt, dass es "keines der Länder ist, auf das man aktuell zählen kann, wenn es darum geht, Lebensgrundlagen und Gesellschaften zu schützen", sagte Neubauer, die auch Grünen-Mitglied ist.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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