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Zu Besuch bei Xeni und Andreas Von wegen "Luxusrentner"

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In einem Supermarkt in Thessaloniki. Viele Rentner können keine Hamsterkäufe tätigen, weil ihnen das Bargeld fehlt.

(Foto: AP)

Die Banken-Schließungen in Griechenland treffen die Rentner besonders hart. Viele von ihnen können nicht einmal die erlaubten 60 Euro am Tag abheben.

Xeni und Andreas machen sich Sorgen – wie wohl alle Griechen derzeit. Sie kommen schon über die Runden, sagt das Rentner-Ehepaar, das im Süden Athens wohnt. Vor allem über ihre Enkelkinder machen sie sich Gedanken, so Xeni. In was für einem Griechenland werden sie aufwachsen, fragt die 71-Jährige. Wie wird sich die Krise auf die Persönlichkeit der vier Kinder auswirken?

Beide beziehen eine mittlere Rente. Xeni hat als Beamtin im Finanzministerium gearbeitet, Andreas war bis zu seiner Pensionierung in der Finanzabteilung der Fluggesellschaft Olympic Airlines beschäftigt. Vor der Krise hatte Xeni insgesamt 1500 Euro monatlich, jetzt sind es etwa 1000. Andreas hat ähnliche Einbußen hinnehmen müssen, er bezieht eine geringere Rente als seine Frau.

"Am meisten trifft uns, dass die Extra-Zahlungen zu Ostern und zu Weihnachten gestrichen wurden", sagt der 86-Jährige. Sie hätten noch Glück, weil sie keine Kredite abzubezahlen hätten. Doch viele Griechen hätten mit dem Extra-Geld Kredite oder Versicherungen finanziert – entweder für sich selbst oder für die Kinder. Diese hätten nun ein großes Problem. Dazu komme, dass mit der Rente häufig Familienmitglieder unterstützt werden, sagt Xeni. "Das soll man sich aber nicht so vorstellen, als ob regelmäßig 50 Euro überwiesen werden." Sie koche beispielsweise jedes Wochenende für die große Familie. Deshalb gebe es auch keine Ersparnisse, sagt sie. Denn sie und ihr Mann hätten ihren Kindern bei Bedarf immer wieder unter die Arme gegriffen.

Die Zehn-Euro-Scheine gehen zur Neige

Dass die Banken geschlossen sind und dass man an den Geldautomaten höchstens 60 Euro am Tag abheben kann, schränkt ihren finanziellen Spielraum gehörig ein. Sie habe 50 Euro, sagt Xeni. Andreas hat 100 Euro. Beide wissen nicht, auf welche Weise sie die fälligen Rechnungen begleichen können. Überweisungen haben sie immer in der Bank erledigt – doch die ist geschlossen. "Außerdem bekommt man meistens höchstens 50 Euro", sagt Andreas. "Denn es gibt in den Automaten schnell keine kleineren Scheine mehr."

"Wir haben zwar Bankkarten, aber wir haben die nie benutzt", sagt Xeni. Ihr Mann habe das nötige Geld immer bei einem Spaziergang abgehoben. Sie hoffen jetzt auf den kommenden Donnerstag. Dann sollen mehrere Filialen in der Stadt nur für Rentner öffnen, damit diese jeweils 120 Euro von ihrem Konto abheben können. Wie in Deutschland benutzen viele Rentner in Griechenland keine Bankkarte, sondern erledigen ihre Bank-Geschäfte in der Filiale. Deshalb treffen sie die Banken-Schließungen besonders hart.

Die 120 Euro werden kaum reichen, erklärt Xeni. Sie gebe etwa 50 Euro die Woche auf dem Markt für Obst und Gemüse aus. Und dann müsse sie ja auch noch beim Metzger und im Supermarkt einkaufen.

Beim angekündigten Referendum wollen beide mit "Ja" stimmen. Sie halten die Vorschläge der Gläubiger zwar für falsch. Aber sie hoffen, dass ihre Kinder und Enkelkinder dann eine Zukunft innerhalb Europas haben, betonen sie. In der Familie werde ständig darüber diskutiert, wie man sich entscheiden solle, sagt Xeni. "Aber das ist keine gute Idee, denn das bringt das Blut zum Kochen."

Quelle: n-tv.de

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