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"Von Ausnahmen zerlöchert" WWF kritisiert Lücken bei Dorsch-Fangverbot

Fischkutter auf der Ostsee

Fischkutter auf der Ostsee

(Foto: imago images / Jens Koehler)

Wie gefährdet ist der Dorsch in der Ostsee? Die EU-Kommission verbietet, doch Umweltschützern reicht das nicht. Sie fürchten das Ende des Dorsch-Bestands. Landwirtschaftsministerin Klöckner schlägt sich dagegen auf die Seite der "kleinen" Küstenfischer.

Die Umweltschutzorganisation WWF hat die Ausnahmen beim Fangverbot für Dorsch in der östlichen Ostsee kritisiert. "Ein uneingeschränkter Fangstopp bis Dezember hätte dem östlichen Dorschbestand die unentbehrliche Atempause verschaffen können", erklärte der WWF. Beschlossen habe Brüssel jedoch ein "von Ausnahmen zerlöchertes Fangverbot". Es sei außerdem unklar, wie dieses kontrolliert werden solle.

Die EU-Kommission hatte am Dienstag ein sofortiges Fangverbot für Dorsch erlassen. Damit will sie den angeschlagenen Bestand vor einem "drohenden Zusammenbruch" bewahren. Demnach ist der Dorschbestand nicht nur wegen der Fischerei bedroht, sondern auch wegen eines zu niedrigen Salzgehalts, hoher Wassertemperaturen, zu wenig Sauerstoff sowie Parasitenbefall. Das Verbot läuft bis Ende diesen Jahres und stützt sich auf Erkenntnisse des Internationalen Rats für Meeresforschung.

Fischerei, die nicht gezielt auf Dorsch gehe, bleibe jedoch erlaubt, kritisierte der WWF. In dem fraglichen Gebiet könne aber nicht gefischt werden, ohne auch Dorsch mitzufangen. Außerdem unterlägen Boote unter zwölf Metern Länge keiner Beschränkung. "Ein so löchriges Rettungsnetz wird den Dorschbestand kaum retten", hieß es vom WWF.

Der Zusammenbruch des Dorschbestands hätte "katastrophale Auswirkungen auf die Existenz vieler Fischer und Küstengemeinden im gesamten Ostseeraum", erklärte Umwelt- und Fischereikommissar Karmenu Vella. "Wir müssen rasch handeln, um den Bestand zum Wohl der Fische und im Interesse der Fischer wieder aufzufüllen."

Klöckner befürwortet Ausnahmeregelungen

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner begrüßte hingegen diese Auflockerungen. Sie freute sich, "dass unserer Besorgnis Rechnung getragen wurde und die kleine Küstenfischerei von diesem Fangverbot ausgenommen wurde". Denn diese Fischer stelle ein Fangverbot "vor große Probleme". Die Situation der Fischbestände bezeichnete auch CDU-Politikerin Klöckner als "zum Teil beunruhigend". Sie müssten sich ihrer Meinung nach aber langfristig erholen.

Laut EU-Kommission unterschritten die Fischer die zulässige Gesamtfangmenge in den vergangenen Jahren an sich schon um 40 bis 60 Prozent. Das ließe sich vermutlich auf einen Mangel an Fischen in Handelsgröße zurückführen. Die Überfischung der Dorsche hat in der Ostsee also bereits zu nennenswerten Einbußen geführt.

Quelle: n-tv.de, jhi/AFP/dpa

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