Streit um verfälschtes ZitatWadephul fordert UN-Berichterstatterin nach Israel-Kritik zum Rücktritt auf

Die UN-Berichterstatterin für die Palästinensergebiete kritisiert die israelische Regierung immer wieder heftig. In einer Rede soll Albanese nun von Israel als einem "gemeinsamen Feind" gesprochen haben. Doch das Zitat, das auch den deutschen Außenminister zu einer Rücktrittsforderung veranlasst, ist offenbar verfälscht.
Die Außenminister Deutschlands und Frankreichs haben Äußerungen der UN-Sonderberichterstatterin für die Palästinensergebiete, Francesca Albanese, stark kritisiert und ihren Rücktritt gefordert. Nachdem Albanese in einer Rede im Zusammenhang mit Israel von einem "gemeinsamen Feind" gesprochen haben soll, verurteilte Außenminister Johann Wadephul ihre Aussagen und teilte mit, Albanese sei "in ihrer Position unhaltbar". Sie habe sich "bereits in der Vergangenheit vielfach Ausfälle geleistet", teilte der CDU-Politiker bei X mit.
Seit dem 8. Februar kursieren laut dem Sender France24 Posts in den sozialen Medien, die Albanese den Satz "Israel ist der gemeinsame Feind der Menschheit" zuschreiben - fälschlicherweise, wie der Sender schreibt. Albanese übte in einem Redebeitrag tatsächlich scharfe Kritik an Israel und sprach von einem Genozid im Gazastreifen. Der Satz über den "gemeinsamen Feind" lautete aber wie folgt: "Wir, die wir keine großen Finanzmittel, Algorithmen und Waffen kontrollieren, erkennen nun, dass wir als Menschheit einen gemeinsamen Feind haben."
Nachdem sie mit den Vorwürfen konfrontiert worden war, schrieb Albanese auf X unter Verweis auf ihre vollständige Rede, dass das System [und nicht der Staat Israel], das den Genozid in Palästina ermöglicht habe, der gemeinsame Feind der Menschheit sei.
Lea Reisner, die Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag für internationale Beziehungen, schrieb auf X: "Fordert unser Außenminister wirklich den Rücktritt von Francesca Albanese wegen eines OFFENSICHTLICH schlecht zusammengeschnittenen Videos?" Auf X kursierte offenbar auch ein zusammengeschnittenes Video, das die Aussage der Italienerin stark verfälscht. Unklar ist, ob sich der deutsche Außenminister darauf bezieht.
Auch Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot forderte bei einer Fragestunde im Pariser Parlament Albaneses Rücktritt. "Frankreich verurteilt vorbehaltlos die übertriebenen und schuldhaften Äußerungen von Frau Francesca Albanese, die sich nicht gegen die israelische Regierung richtet, deren Politik man kritisieren darf, sondern gegen Israel als Volk und als Nation, was absolut inakzeptabel ist", sagte Barrot. "Tatsächlich gibt es auf ihre Provokationen nur eine Antwort: ihren Rücktritt."
"Lange Liste skandalöser Stellungnahmen"
Wie Barrot sagte, reihten sich die Äußerungen Albaneses "in eine lange Liste skandalöser Stellungnahmen", in denen sie unter anderem von einer "jüdischen Lobby" spreche oder Israel mit dem Dritten Reich vergleiche. Die Italienerin sei keine unabhängige Expertin. "Sie ist eine politische Aktivistin, die Hassreden hält, die der Sache des palästinensischen Volkes, das sie doch zu verteidigen vorgibt, und der Vereinten Nationen schaden."
Die in der Vergangenheit bereits vielfach kritisierte Albanese hatte bei einer Konferenz des umstrittenen Nachrichtenkanals Al Jazeera in Katar gesagt, anstatt Israel zu stoppen, habe "der größte Teil der Welt Israel bewaffnet" und dem jüdischen Staat mit "politischen Ausreden, politischem Unterschlupf" sowie wirtschaftlicher und finanzieller Unterstützung geholfen".
Führende Genozidforscher, darunter auch solche aus Israel, werfen der israelischen Regierung einen Genozid im Gazastreifen vor. Die Regierung von Premier Benjamin Netanjahu weist diesen Vorwurf scharf von sich.