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Umkämpftes Gebiet in Syrien Waffenruhe in Ost-Ghuta bröckelt zu Beginn

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Das syrische Regime soll in Ost-Ghuta auch vor Giftgasangriffen nicht zurückgeschreckt haben.

(Foto: AP)

Trotz der vereinbarten Feuerpause schweigen in der syrischen Rebellenenklave Ost-Ghuta nicht alle Waffen. Die Konfliktparteien reklamieren vereinzelte Verstöße gegen die Abmachung. Dennoch scheint sich die Lage in dem belagerten Gebiet gebessert zu haben.

Nach dem Beginn einer fünfstündigen Feuerpause ist die Gewalt im umkämpften syrischen Rebellengebiet Ost-Ghuta deutlich zurückgegangen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete jedoch vereinzelte Verstöße. Ein Hubschrauber habe zwei Fassbomben abgeworfen, in einigen Orten seien zudem Granaten eingeschlagen. Auch Aktivsten meldeten gelegentlichen Beschuss mit Artillerie. Die Lage sei aber besser als zuvor.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete zudem, "Terrorgruppen" hätten fünf Granaten auf einen Korridor gefeuert, durch den Zivilisten das belagerte Gebiet verlassen sollten. Aus Kreisen der syrischen Armee hieß es, dabei seien fünf Soldaten verletzt worden. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Die Feuerpause soll Hilfslieferungen für die notleidenden Menschen in der belagerten Region ermöglichen. Außerdem sollen Zivilisten das Gebiet verlassen können. In Ost-Ghuta sind rund 400.000 Menschen fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Waffenruhe gehe auf eine Anordnung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zurück, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. Die Feuerpause solle auch in den nächsten Tagen zwischen 9 Uhr und 14 Uhr Ortszeit gelten - das entspricht 8 Uhr bis 13 Uhr deutscher Zeit. Russland ist einer der wichtigsten Verbündeten der syrischen Regierung.

Kritiker bemängeln, die Feuerpause sei viel zu kurz. Darüber hinaus hätten viele Menschen Angst vor Übergriffen durch syrische Regierungstruppen, wenn sie die belagerte Stadt verlassen.

Ost-Ghuta östlich von Damaskus wird seit 2013 von Regierungstruppen belagert. In den vergangenen neun Tagen erlebte die Stadt die heftigste Angriffswelle der Regierung seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldet, mehr als 560 Zivilisten seien getötet worden - fast ein Viertel von ihnen Kinder. Die verbliebenen Einwohner benötigen vor allem medizinische Hilfslieferungen, aber auch Nahrungsmittel. Die Forderung des UN-Sicherheitsrates nach einer 30 Tage langen Waffenruhe hatte das syrische Regime zuletzt ignoriert.

USA klagen Russland an

Kurz bevor die Feuerpause in Kraft trat, hatten die USA ihre Forderung nach einem sofortigen Ende der Kampfhandlungen in Syrien und unbehinderten Zugang für humanitäre Helfer in die Krisengebiete bekräftigt. "Das Regime behauptet zwar, es kämpfe gegen Terroristen, aber stattdessen terrorisiert es hunderttausende Zivilisten mit Luftangriffen, Artillerie, Raketen und einer drohenden Bodenoffensive", twitterte Heather Nauert, Sprecherin des US-Außenministeriums. Sie wies darauf hin, dass Russland den Einfluss habe, diese Aktionen zu stoppen.

Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian will im Laufe des Tages in Moskau mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow über die Lage in Syrien sprechen. Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel telefonierte am Montag mit Lawrow. Der SPD-Politiker forderte nach Angaben des Auswärtigen Amtes vom Abend nachdrücklich die Umsetzung der UN-Resolution durch alle Parteien und betonte, die Feuerpause könne nur ein erster Schritt sein. Die EU-Außenminister hatten zudem eine Kontrolle der Einhaltung der UN-Resolution gefordert. "Diese Resolution (...) braucht Überwachungsmechanismen", sagte die EU-Chefdiplomatin Federica Mogherini am Montag am Rande eines Ministertreffens in Brüssel.

Quelle: n-tv.de, chr/dpa/AFP

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