Politik

Linke im "ntv Frühstart" Wagenknecht rügt "Willkür" bei Inzidenzzahlen

Die frühere Linke-Fraktionschefin hat kein Verständnis für den Corona-Kurs der Bundesregierung. Wagenknecht kann weder die Grenzwerte für den Lockdown nachvollziehen noch die hohe Sterberate der Älteren. Die scheidende Linke-Chefin Kipping bekommt eine Breitseite.

Sahra Wagenknecht rechnet im "ntv Frühstart" mit der Corona-Politik der Bundesregierung ab. Bei den Inzidenzwert-Kriterien sieht die Linken-Politikerin Willkür am Werk: "Was mich wirklich aufregt, ist, dass die Zahlen sich immer wieder ändern. Wir hatten lange Zeit 50 als untere Grenze, jetzt ist 50 die obere Grenze. Das sind so willkürliche Herangehensweisen, ich finde so kann man nicht mit den Menschen umgehen."

Mit Blick auf einen Stufenplan der Bundesregierung sagt Wagenknecht: "Wir sollten nicht ständig auf Inzidenzzahlen schauen." Stattdessen fordert die 51-Jährige, vermehrt die Menschen zu schützen, für die Corona lebensgefährlich sein könnte. "Wir haben in Deutschland, im europäischen Vergleich, relativ niedrige Inzidenzwerte. Aber es sterben trotzdem aktuell in Deutschland mehr Menschen an Corona", sagte Wagenknecht.

Die Bundestagsabgeordnete plädierte dafür, bei den Inzidenzwerten und Ausbrüchen genau hinzuschauen: "Man muss unterscheiden, ob eine Inzidenzzahl hoch ist, weil unter jungen Leuten ein Ausbruch ist - die das gar nicht merken - oder ob in den Altenheimen etwas passiert. Das ist das wirklich Gefährliche."

"Merkel hinterlässt ein gespaltenes Land"

Wagenknecht zufolge könnte die Linke nach der nächsten Bundestagswahl auch Regierungsverantwortung übernehmen: "Wir haben nichts dagegen. Wir haben schon bei früheren Wahlen - als es Mehrheiten für Rot-Rot-Grün gab - der SPD angeboten, dass wir gerne bereit sind mit ihr über ein sinnvolles und soziales Regierungsprogramm zu verhandeln, und das wird auch so bleiben."

Auf die Frage, was Angela Merkel nach ihrer Kanzlerschaft hinterlassen wird, sagt Wagenknecht: "Sie hinterlässt ein Land, das sehr viel mehr gespalten ist, als es vorher war." Wagenknecht machte das vor allem an der sozialen Ungleichheit und einer kulturellen Spaltung im Land fest. Mit Blick auf die nächste Regierung erhofft sich Wagenknecht einen neuen Kurs: "Ich wünsche mir, dass die nächste Regierung diese Tradition nicht fortsetzt."

Dass die Linke mit Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow als neue Parteichefinnen in den Wahlkampf gehen wird, gilt als sicher. Die beiden sollen auf dem Parteitag am Wochenende die Parteiführung übernehmen. Wagenknecht nutzt den Führungswechsel für einen Seitenhieb gegen die noch Vorsitzende Katja Kipping, mit der sie oft im Clinch lag: "Ich hoffe, dass die neue Führung das wieder wahrnimmt, was Aufgabe einer Parteiführung ist, nämlich die Partei zusammenzuführen und nicht nur das eigene Lager zu pflegen."

Quelle: ntv.de, dhe/shu