Politik

Viele Fragen offen Was geschah mit Flug MH17?

Vor einem Jahr stürzte eine Boeing 777 der Fluggesellschaft Malaysia Airlines über der Ukraine ab. Sicher ist, dass die Maschine abgeschossen wurde und dass alle 298 Menschen an Bord getötet wurden. Wie und von wem, das ist umstritten.

Woher kamen die Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord von MH17?

Die 298 Opfer kamen aus zehn Ländern: 192 Passagiere aus den Niederlanden, 27 aus Australien, zwölf aus Indonesien, neun aus Großbritannien, jeweils vier aus Belgien und Deutschland, drei von den Philippinen sowie jeweils einer aus Kanada, Neuseeland, Südafrika und den USA. 28 Passagiere und die 15 Besatzungsmitglieder kamen aus Malaysia.

Wer hat das Flugzeug abgeschossen?

Letztlich ist die Schuldfrage noch offen. Unumstritten ist, dass die Boeing 777 über dem Kriegsgebiet abgeschossen wurde. Die von den Niederlanden geleiteten Untersuchungen konzentrieren sich auf eine Rakete, die von einem bodengestützten Luftabwehrsystem des Typs Buk abgefeuert wurde. Gestritten wird aber darüber, wer das Geschoss abgefeuert hat. Westliche Staaten und die Ukraine gehen davon aus, dass es die Separatisten waren. In dieser Version wäre Russland mitverantwortlich, weil es das Buk-System in das von Separatisten kontrollierte Kriegsgebiet lieferte.

Russland weist dies allerdings zurück und macht die Ukraine als Schuldigen aus. Angeblich hat Russland zudem Hinweise auf den Abschuss durch ein ukrainisches Militärflugzeug. Präsident Wladimir Putin hatte der Ukraine die Schuld an der Tragödie gegeben, weil sie trotz bekannter Gefahren den Luftraum über dem Kriegsgebiet nicht komplett für die zivile Luftfahrt gesperrt hatte. Separatisten hatten vor dem Absturz der MH17 mehrere Militärflugzeuge abgeschossen.

Gibt es Beweise für eine Schuld Russlands oder der Separatisten?

Das internationale Ermittlerteam unter Leitung der Niederlande hat Videos und abgehörte Telefongespräche der Separatisten veröffentlicht. Die deuten darauf hin, dass diese über ein Buk-System verfügten und eine Rakete zum fraglichen Zeitpunkt abgefeuert hatten. Der russische Hersteller des Buk-Systems erklärte, dass auch die Ukraine eine Vielzahl solcher Waffen besitze. Die Firma geht nach eigenen Recherchen davon aus, dass die Rakete von ukrainisch kontrolliertem Gebiet aus abgeschossen wurde.

In Chicago verklagen unterdessen Angehörige der Opfer den frühere Separatistenführer Igor Girkin – auch bekannt als Strelkow – auf umgerechnet rund 826 Millionen Euro. Sie berufen sich dabei auf ein US-Gesetz zum Schutz vor Folter und außergerichtlicher Tötung, das gegen Ausländer angewendet werden kann. Es gehe den Hinterbliebenen aber nicht um Geld, sondern darum, Antworten von Girkin alias Strelkow zu erhalten und Druck auf Russland auszuüben, zitierte der britische "Telegraph" den US-Anwalt Floyd Wisner. Girkin war zeitweilig als Verteidigungsminister der "Volksrepublik" Donezk aufgetreten. In der Klageschrift heißt es, er habe den Abschuss durch seine Rebellenarmee angeordnet, unterstützt oder begünstigt.

Was ist mit der Geschichte, ein ukrainisches Flugzeug habe MH17 abgeschossen?

Von Anfang an erhoben die Russen den Verdacht, dass ein anderes Flugzeug die Passagiermaschine abgeschossen haben könnte. Später präsentierte die oberste Ermittlungsbehörde dazu auch einen mutmaßlichen Zeugen, einen ehemaligen ukrainischen Militärangehörigen, der sich nach Russland abgesetzt hatte. Der 22-Jährige belastete einen Kampfpiloten aus seiner Einheit, der den Flug MH17 von einem Suchoi-Bomber Su-25 abgeschossen haben soll.

Die Ukraine hat diese Version zurückgewiesen. Die Behörden in Moskau gehen aber nach eigenen Angaben auch anderen Hinweisen nach. Putin hatte zuletzt im Gespräch der Deutschen Presse-Agentur gesagt, dass er einen Bericht auf seinem Tisch habe, nach dem die Maschine von einer Buk-Rakete von ukrainisch kontrolliertem Gebiet aus abgeschossen wurde.

Wie ist der offizielle Stand der Ermittlungen?

Der niederländische Sicherheitsrat schloss in seinem ersten Zwischenbericht zur Ursache im September 2014 technisches und menschliches Versagen sowie einen Terroranschlag aus. Der Abschlussbericht soll im Herbst vorliegen. Die Ermittlungen der niederländischen Staatsanwaltschaft weisen in Richtung eines Abschusses durch eine Abwehrrakete. Die Ermittlungen werden deshalb aus den Niederlanden geführt, weil die meisten Menschen an Bord von dort kamen.

Gibt es Beweise durch Satellitenbilder?

In den USA gab es Berichte über amerikanische Satellitenbilder, die die Schuld der prorussischen Rebellen beweisen sollen. Sie wurden aber nicht veröffentlicht. Russland präsentierte kurz nach dem Abschuss Satellitenbilder, nach denen ukrainische Truppen ein Buk-System nahe der Absturzstelle stationiert hatten. Experten streiten aber darüber, ob die Bilder echt sind.

Was sagt Putin?

Zum Jahrestag des Abschusses kritisierte Putin Pläne für ein UN-Tribunal als verfrüht. Die Initiative einiger Länder sei "voreilig und kontraproduktiv", so der Präsident bei einem Telefonat mit dem niederländischen Ministerpräsident Mark Rutte.

In Den Haag bestätigte ein Regierungssprecher, dass Rutte mit Putin gesprochen habe. Er nannte aber keine Details. "Um über die gerichtlichen Mechanismen und die Bestrafung der Schuldigen bei diesem Verbrechen zu entscheiden, muss erst die aktive Arbeit der internationalen Ermittlungen abgeschlossen werden", teilte der Kreml weiter mit. Es sei nötig, den Absturz "sorgfältig und objektiv, unabhängig und umfassend" zu untersuchen - so wie in der UN-Resolution 2166 am 21. Juli 2014 vereinbart.

Quelle: ntv.de, hvo/dpa