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Terror in Neuseeland Was zum Anschlag bekannt ist und was nicht

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Viele Dutzend Tote und genauso viele Verletzte: Ein oder mehrere Rechtsextremisten richten im neuseeländischen Christchurch ein Blutbad an. Die Lage ist zwar unübersichtlich, einige Fakten gibt es dennoch. Sie sind erschütternd.

Was ist über die Opfer bekannt?

Klar ist, dass Neuseeland mit mindestens 49 Toten den schwersten Terroranschlag seiner Geschichte erlebt hat. Die meisten Menschen starben in der Masjid-al-Noor-Moschee: 41 Besucher des Gebetshauses wurden getötet. Es sollen sich rund 300 Betende zum Zeitpunkt des Angriffs dort aufgehalten haben. Sieben Menschen starben in der zweiten attackierten Moschee im Stadtteil Linwood. Ein weiterer Mensch verstarb im Krankenhaus.

Unklar ist, ob die Zahl der Opfer noch steigen könnte. Insgesamt 48 Verletzte wurden im Krankenhaus von Christchurch behandelt, darunter auch kleine Kinder. 20 Schwerverletzte sollen sich unter den Opfern befinden.

Unklar ist die Herkunft aller Opfer. Unter den Verletzten sind nach Worten des türkischen Außenministers Mevlüt Çavusoglu zwei türkische Staatsbürger. Auch zwei Indonesier - Vater und Sohn - sind nach Angaben des Außenministers des Landes verletzt worden. Ein Saudi-Araber, zwei Malaysier und mindestens fünf Jordanier wurden ebenfalls verletzt. Nach Angaben des diplomatischen Vertreters Indiens werden neun Menschen vermisst, die die indische Staatsbürgerschaft haben oder indischer Abstammung sind.

In Neuseeland gibt es nur 50.000 Muslime, die meisten Angehörigen dieser Minderheit sind Migranten aus Indonesien, Bangladesch und anderen muslimischen Staaten Asiens, darunter Geflüchtete. Premierministerin Jacinda Ardern stellte klar: "They are us" ("Sie sind wir").

Was ist über den Ablauf des Attentats bekannt?

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Klar ist, dass der Anschlag während des Freitagsgebets auf zwei Moscheen verübt wurde. Der Angriff begann gegen 13.40 Uhr Ortszeit (Freitagmorgen, 1.40 Uhr MEZ), also mitten am Tag. Ein von einem Angreifer verbreitetes Video von dem Angriff in einer Moschee dauert 17 Minuten. Ein von Zeugen verbreitetes Video zeigt, wie die Polizei einen Mann in Christchurch stoppt und festnimt. Dessen SUV wird offenbar von Mitgliedern einer Spezialeinheit gerammt und zum Stehen gebracht, der Fahrer aus dem Auto gezogen.

Klar ist, dass die Polizei nach dem Attentat die Innenstadt von Christchurch abgeriegelt und bewaffnete Beamte an mehrere Schauplätze in der Stadt entsandte hatte. An einem verdächtigen Auto wurden zwei selbstgebaute Sprengsätze entdeckt und entschärft. In der angespannten Lage sprengte das Militär zudem zwei herrenlose Taschen im Zentrum von Auckland. Ihr Inhalt erwies sich als harmlos.

Unklar ist, ob es mehrere Angreifer oder nur einen gab. Neben einem dringend tatverdächtigen Australier wurden zwei weitere Männer und eine Frau festgenommen, von denen einer als entlastet gilt und entlassen werden konnte. Ebenfalls unklar ist, ob die Moscheen gleichzeitig oder eine nach der anderen attackiert wurden.

Was ist über den oder die Angreifer bekannt?

Klar ist, dass es sich bei einem der Angreifer um einen australischen Staatsbürger handelt - das bestätigte Australiens Premierminister Scott Morrison. Er sprach von einem "rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen". Der Name des Täters wurde jedoch noch nicht offiziell bekanntgegeben. Australische Medien berichten jedoch unter Berufung auf die australische Polizei, es handle sich um den 28-jährigen Brenton Tarrant, ein Fitnesstrainer. Er soll am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Es wird des Mordes beschuldigt.

Unklar ist, bei wem es sich um die beiden anderen Verdächtigen handelt. Neuseelands Premierministerin Ardern sprach bezogen auf die vier Festgenommenen davon, diese hätten "extremistische Ansichten". Offenbar führten alle zum Zeitpunkt ihrer Festnahme Waffen mit sich. Polizeichef Bush zufolge war keiner der vier bislang auf dem Schirm einer neuseeländischen oder australischen Sicherheitsbehörde.

Unklar ist auch das Ausmaß der Bewaffnung und deren Herkunft. In oder an einem Fahrzeug wurden zwei Sprengsätze gefunden. An beiden Tatorten sowie in dem Fahrzeug fanden die Polizisten jeweils mehrere Waffen.

Was ist über das Motiv bekannt?

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Unklar ist der Hintergrund des Angriffs. "Wir sind in dieser Phase nicht in der Lage, Details dazu bekanntzugeben, was zu den Angriffen geführt hat", teilte die Polizei mit. Es gibt jedoch Hinweise auf einen islam- und ausländerfeindlichen Hintergrund des Attentats. So tauchte ein offenbar vom mutmaßlichen Täter verfasstes Manifest auf Twitter auf. Auf mehreren Dutzend Seiten schwadroniert der Autor von einem drohenden Völkermord an "den Weißen". Das Werk erinnert an die Selbstrechtfertigung des norwegischen Massenmörders Anders Breivik. Der Autor war offenbar viel auf rechtsextremen Internetseiten unterwegs und bezieht sich auf verschiedene Argumentationsmuster von Rassisten und Verschwörungstheoretikern wie etwa der amerikanischen Alt-right-Bewegung. Die neuseeländische Polizei hat sich bisher nicht zu dem Schreiben geäußert.

Unklar ist, ob der Haupttäter alleine handelte oder Unterstützer hat - womöglich auch über die übrigen Festgenommenen hinaus. In rechten Internetforen finden sich zahlreiche Lobpreisungen des Massenmords. Zudem war der Anschlag laut Polizei intensiv und von langer Hand vorbereitet.

Was ist über die Sicherheitslage nach dem Anschlag bekannt?

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Klar ist, dass die neuseeländischen Behörden so schnell keine Entwarnung geben können. Zu unübersichtlich ist die Lage. Die in Christchurch eingesetzten 1000 Polizisten sollten auf 2000 Sicherheitskräfte aufgestockt werden. Eine zwischenzeitliche Schließung von Schulen wurde wieder aufgehoben.

Unklar ist, ob Muslime sicher sind. Die Warnung von Behördenseite, in Neuseeland derzeit keine Moschee aufzusuchen, ist noch nicht zurückgenommen worden. Im Umfeld der Gebetshäuser im Land wurden Polizisten postiert.

Was ist über die Live-Bilder vom Anschlag bekannt?

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Klar ist, der Täter verbreitete das Video von seinem Sturm auf die Masjid-al-Noor-Moschee live auf Facebook. Hierzu hatte er offenbar eine Helmkamera montiert. Die Aufnahmen belegen ein extrem grausames Vorgehen. In einer an brutale Ego-Shooter-Spiele erinnernden Perspektive sieht der Zuschauer Menschen fliehen und im Kugelhagel zu Boden gehen. Im Video ist auch zu sehen, dass mehrere Waffen und Magazine mit Namen und Schriftzügen versehen sind. Nach der Tat sagt der Angreifer, dass er bedauere, die Moschee nicht noch abgebrannt zu haben.

Klar ist, dass im Video vor der Tat im Auto des Angreifers ein serbisch-nationalistisches Kampflied zu hören. Das bestätigte der bosnische Botschafter in Neuseeland, Mirza Hajric. Das Lied "Karadzic, führe deine Serben" kursiert im Internet seit einigen Jahren im Zusammenhang mit einem anti-muslimischen Meme.

Unklar ist, wie die Videoaufnahmen wieder aus dem Netz verschwinden könnten. Facebook teilte mit, das Video nach einem Hinweis der Polizei entfernt und die Profile des Attentäters sowohl auf Facebook als auch auf Instagram gesperrt zu haben. Die Behörden baten um Nichtverbreitung. Tarrants Accounts sind gesperrt, Kopien des Videos kursieren allerdings durch die sozialen Netzwerke. Das Video ist nicht nur geeignet, in den Augen anderer potenzieller Gewalttäter die Tat zu verherrlichen. Es ist auch eine Frage des Respekts gegenüber den Opfern, dass die Aufnahmen nicht zum globalen Gruselfilm avancieren.

Quelle: n-tv.de

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