Festgenommene weinte nichtWeißes Haus verhöhnt Aktivistin mit manipuliertem Bild

Eine auf Bürgerrechte spezialisierte Anwältin stört bei einem Protest gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE einen Gottesdienst und wird deswegen festgenommen. Das Weiße Haus teilt ein Foto davon, wie die schwarze Frau abgeführt wird - doch das Bild ist gefälscht.
Die US-Regierung hat eine festgenommene schwarze Demonstrantin mit einem manipulierten Bild verunglimpft. Das Weiße Haus teilte auf seinem offiziellen X-Kanal ein Foto von der Festnahme von Nekima Levy Armstrong, die zuvor mit weiteren Aktivisten bei einem Protest gegen das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE einen Gottesdienst in einer Kirche in Minnesota gestört hatte.
Auf dem ursprünglich vom US-Heimatschutzministerium geteilten Foto ist die Frau bei ihrer Festnahme mit beinahe ausdruckslosem Gesicht zu sehen. Das vom Weißen Haus geteilte Bild zeigt Levy Armstrong mit tränenüberlaufenem Gesicht und verzerrter Miene. Die Festgenommene ist eine auf Bürgerrechte spezialisierte Anwältin.
Der Post des Weißen Hauses ist auf X mit einer sogenannten Community Note versehen, die auf die Manipulation hinweist. Die US-Regierung bezeichnet Armstrong in dem Post als "linksextreme Unruhestifterin". Die Anwältin hatte den Gottesdienst gestört, weil sie und ihre Mitstreiter dort den stellvertretenden Leiter des örtlichen ICE-Büros vermuteten. Videos der Protestaktion zeigen, wie Demonstranten in der Kirche "ICE raus!" rufen.
In einem Interview mit dem Sender CNN hatte Levy Armstrong am Mittwoch gesagt, die Regierung von US-Präsident Donald Trump "versuche, eine friedliche und gewaltfreie Demonstration in ein Verbrechen zu verwandeln".
US-Justizministerin Pam Bondi erklärte auf X: "Hört gut zu: Wir tolerieren keine Angriffe auf Gotteshäuser." Zuvor waren neben Levy Armstrong auch eine weitere Frau und ein Mann festgenommen worden.
Verhaftung von Fünfjährigem sorgt für Unmut
Seit einigen Wochen gibt es in Minnesota heftige Proteste gegen das teilweise brutale Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE bei ihrer Abschiebekampagne in dem US-Bundesstaat. Manche ICE-Einsatzkräfte gehen auch gegen Demonstrierende mit Gewalt vor. Zuletzt sorgte die Festnahme eines fünfjährigen Jungen in Minneapolis für Empörung.
US-Vizepräsident Vance erklärte, der Fünfjährige sei "nicht verhaftet" worden. Allerdings sei der Vater des Jungen ein "illegaler Einwanderer", der geflohen sei, als ICE-Mitarbeiter ihn festnehmen wollten. Der Junge und sein Vater werden von US-Behörden in San Antonio im Bundesstaat Texas festgehalten, wie die "Washington Post" unter Berufung auf den Anwalt der Familie, Marc Prokosch, berichtete.
Die Proteste gegen die Abschiebepolitik von US-Präsident Trump und die Einwanderungspolizei ICE hatten sich ausgeweitet, nachdem ein ICE-Polizist am 7. Januar die unbewaffnete Mutter Renee Nicole Good in ihrem Auto mit mehreren Schüssen tötete. Die Trump-Regierung stellt Good als "inländische Terroristin" dar, die von dem Polizisten aus Notwehr getötet worden sei, nachdem sie ihn "überfahren" habe. Videoaufnahmen zeigen jedoch, dass Good ihr Fahrzeug von dem ICE-Beamten wegsteuerte.