Ex- und aktuelle Frau angestelltWeiterer AfD-Politiker in Vetternwirtschaft-Skandal verstrickt

Die AfD in Sachsen-Anhalt macht mit einer Vetternwirtschafts-Affäre deutschlandweit von sich reden. Das ist offenbar kein Einzelfall: Auch in Niedersachsen gibt es solche Verstrickungen. Gleich zwei Angehörige von AfD-Landeschef Schledde werden beschäftigt.
Die Vetternwirtschafts-Affäre in der AfD weitet sich aus: Nach Recherchen von t-online sind sowohl die Ehefrau als auch die Ex-Ehefrau des niedersächsischen AfD-Landeschefs Ansgar Schledde auf Kosten der Steuerzahler in AfD-Büros beschäftigt. Schleddes aktuelle Partnerin ist beim Bundestagsabgeordneten Danny Meiners angestellt, der ebenfalls aus Niedersachsen stammt. Schleddes Ex-Frau arbeitet für die Landtagsfraktion, der Schledde als Vizechef vorsteht.
Meiners zog erst im vergangenen Jahr in den Bundestag ein und stellte danach Schleddes Frau an. Schledde und Meiners stehen sich nahe: Beide kommen aus dem Kreisverband Ems-Vechte. Schledde ist dort Vorsitzender, Meiners sein Stellvertreter.
Schledde und Meiners bestätigten t-online die Anstellung von Schleddes aktueller Partnerin in Meiners Bundestagsbüro. Absprachen zwischen ihnen habe es dazu nicht gegeben, sagte Meiners. "Die Mitarbeiterin wurde zu Beginn der Legislatur nach einem normalen Bewerbungs- und Auswahlverfahren ausschließlich aufgrund ihrer fachlichen Eignung eingestellt", sagte Meiners.
Schledde betonte, dass das Anstellungsverhältnis seiner Ehefrau im Bundestag "rechtlich einwandfrei" sei. Es würden dokumentierte Arbeitsleistungen erbracht. "Es gibt auch keine sogenannten 'Über-Kreuz-Beschäftigungen'." Schledde schließt dieser Aussage zufolge aus, dass er im Gegenzug in seinem Büro Angehörige von Meiners beschäftigt.
Zur Anstellung seiner Ex-Frau im Landtag hingegen will Schledde sich nicht näher äußern. Zum Schutz der Mitarbeiter äußere sich die Fraktion "niemals zu Personalangelegenheiten".
Nicht der erste derartige Fall
Schledde ist damit bereits der dritte AfD-Landesvorsitzende, der in die Vetternwirtschafts-Affäre gerät. Wie bereits bekannt wurde, arbeitet auch die Ehefrau des baden-württembergischen AfD-Landeschefs Markus Frohnmaier im Bundestag für den Abgeordneten Johann Martel, der aus demselben Landesverband stammt. Martel ist wie Meiners erst 2025 in den Bundestag eingezogen. Frohnmaier sitzt bereits seit neun Jahren im Bundestag und bekleidet dort eine ganze Reihe von Ämtern.
Ähnliche Verstrickungen soll es in Rheinland-Pfalz geben, berichtete t-online weiter. Die AfD-Landtagsfraktion beschäftigt in Mainz die Mutter des Parlamentarischen Fraktionsgeschäftsführers der AfD, Damian Lohr. Darüber hinaus soll sein Stiefvater der Büroleiter der AfD-Rathausfraktion in Wiesbaden sein. Lohr selbst äußerte sich nicht zu den Vorwürfen, Landesfraktionschef Jan Bollinger erklärte jedoch, dass Lohrs Mutter die einzige Bewerberin für den Job gewesen sei.
Im Landesverband Sachsen-Anhalt entspinnt sich inzwischen ein weites Geflecht an fraglichen Anstellungen, gezielt sollen Abgeordnete dabei gegenseitig Verwandte angestellt haben. So wird der Vater des Co-Fraktionschefs und Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Ulrich Siegmund, von einem Kollegen im Bundestag beschäftigt. Enge Angehörige des Landesvorsitzenden Martin Reichardt, darunter dessen Ehefrau, sollen im Bundestagsbüro des Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt untergebracht worden sein.