Politik

Rückkehr an die Macht?Welche Rolle Schah-Sohn Reza Pahlavi bei den Protesten im Iran spielt

10.01.2026, 17:49 Uhr
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Er bereite sich darauf vor, "sehr bald" in sein Land zurückzukehren, sagt der im Exil lebende ehemalige Kronprinz Reza Pahlavi. (Foto: AFP)

Die Proteste im Iran sind die größten seit Jahren. Das Regime reagiert Berichten zufolge mit brutaler Gewalt. Bei den Massendemonstrationen ertönt auch der Slogan "Lang lebe der König". Gewertet wird dies als Hinweis auf den in den USA lebenden Schah-Sohn Reza Pahlavi.

Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, hat aus seinem Exil in den USA zu landesweiten Streiks im Iran aufgerufen. Arbeiter und Angestellte von Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und Energieindustrie sollten ihre Arbeit niederlegen, sagte Pahlavi in einer auf X verbreiteten Videobotschaft. Der ehemalige Kronprinz forderte zudem die Iraner auf, am Wochenende "alle auf die Straße zu gehen".

Ziel sei es nicht nur zu demonstrieren, sondern die Stadtzentren dauerhaft einzunehmen. Die Demonstrationen sollen seinem Aufruf zufolge am Samstag und Sonntag um 18:00 Uhr (Ortszeit/15:30 MEZ) starten. Laut Pahlavi sollen damit die finanziellen Lebensadern geschwächt und der Unterdrückungsapparat in die Knie gezwungen werden. Außerdem lobte der Schah-Sohn die bisherige Beteiligung an den Protesten als "großartig". Die Proteste am Donnerstag, zu denen Pahlavi auch aufgerufen hatte, hätten gezeigt, wie "eine riesige Menschenmenge die repressiven Kräfte zum Rückzug zwingt."

Er bereite sich darauf vor, "sehr bald" in sein Land zurückzukehren, sagte Pahlavi. Aus seinem Exil heraus beansprucht er eine Führungsrolle in der Opposition. Im Iran gibt es seit Jahren keine politische Kraft mehr, die von den Demonstranten als glaubwürdige Opposition anerkannt wird. Auch die sogenannten Reformer, zu denen Präsident Massud Peseschkian zählt, werden unter Protestteilnehmern als Teil des islamischen Herrschaftssystems angesehen, die keine grundlegenden politischen Änderungen bewirken können. Viele Menschen im Land setzen daher ihre Hoffnungen auf Unterstützung aus dem Ausland. Bei den aktuellen Massenprotesten ertönte auch der Slogan "Lang lebe der König" - ein direkter Hinweis auf den im Exil lebenden Sohn des früheren Schahs.

Pahlavi war erst 16 Jahre alt, als die iranische Revolution von 1979 die 40-jährige Herrschaft seines Vaters beendete. Als ältester Sohn von Schah Mohammad Reza Pahlavi war er der erste in der Thronfolge des ölreichen, tausend Jahre alten Reiches. Jetzt, im Alter von 65 Jahren und fast ein halbes Jahrhundert nach der Aufhebung seines Geburtsrechts, könnte sein Warten endlich ein Ende finden, heißt es in einer Analyse des US-Nachrichten-Senders CNN. Demnach versuche er sich als faktischer Machthaber zu etablieren.

Der Schah-Sohn verfügt über eine große Reichweite: Auf der Onlineplattform Instagram hat er 9,1 Millionen Follower. Doch sein aktueller Erfolg sei weniger seinen Führungsqualitäten zu verdanken, schrieb der iranische Kritiker Sadegh Sibakalam, sondern vielmehr der Unfähigkeit, Misswirtschaft sowie den Fehlentscheidungen der Staatsführung geschuldet.

Die Unterstützung der abgesetzten Monarchie ist im Iran ein Tabu, eine Straftat und eine Gesinnung, die von einer Gesellschaft, die einen Volksaufstand zur Entmachtung der Schah-Diktatur inszenierte, lange Zeit missbilligt wurde. Analysten zufolge ist unklar, was die erneute Begeisterung für die Königsfamilie und ihr nominelles Oberhaupt im Exil antreibt. Befürworten die Iraner tatsächlich die Restauration der Monarchie oder haben sie einfach nur genug von ihrer repressiven Theokratie?

"Reza Pahlavi hat seinen Einfluss zweifellos ausgebaut und sich zu einer Schlüsselfigur der iranischen Oppositionspolitik entwickelt", wird Arash Azizi, Akademiker und Autor des Buches "Was die Iraner wollen", von CNN zitiert. Pahlavi habe jedoch auch mit vielen Problemen zu kämpfen. Er sei "eine spaltende und keine einigende Figur", führt Azizi weiter aus.

Protestierende skandieren: "Tod Chamenei"

Die Proteste im Iran dauern seit mittlerweile fast zwei Wochen an. Es ist die größte Protestwelle seit Jahren. Sie hatte sich am Zorn über die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage entzündet. Laut Aktivisten sollen bei den Protesten bisher mindestens 65 Menschen getötet worden sein. Mehr als 2300 weitere Menschen seien festgenommen worden, berichtet das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA. Einem Arzt aus Teheran zufolge hätten sechs Krankenhäuser der Hauptstadt am Freitag 217 Tote infolge der Demonstrationen gemeldet, nachdem die Polizei das Feuer auf sie eröffnet hatte, wie das "Time"-Magazin berichtet.

Trotz einer nahezu vollständigen Internetsperre habe es Demonstrationen in 180 Städten gegeben. Bei einem Protest in Teheran schlugen die Demonstrierenden im Stadtteil Sadatabad auf Töpfe und riefen Sprechchöre wie "Tod Chamenei", die sich gegen das geistliche Oberhaupt des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, richteten. Auch in anderen Stadtteilen gab es am Freitagabend wieder Proteste, wie auf Aufnahmen in Onlinenetzwerken zu sehen war.

Andere Bilder, die über persischsprachige Exilsender und in Onlinenetzwerken verbreitet wurden, zeigten Proteste in weiteren iranischen Städten, darunter Maschhad im Osten des Landes, Täbris im Norden, in Hamedan im Westen und Kom südlich von Teheran. Bilder aus der westiranischen Stadt Hamedan zeigten einen Mann, der zwischen Feuern und tanzenden Menschen eine Flagge aus der Zeit des Schahs mit einem Löwen und einer Sonne hält.

Quelle: ntv.de, gut/dpa/AFP

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