Politik

Wirbel um Genehmigungen Wende im Streit um deutsch-russischen Flugverkehr

Russische Fluggesellschaften erhalten wieder grünes Licht, nachdem Lufthansa wieder in Moskau landen darf.

Russische Fluggesellschaften erhalten wieder grünes Licht, nachdem Lufthansa wieder in Moskau landen darf.

(Foto: picture alliance / Wolfgang Minich)

Die Zwangslandung eines Ryanair-Flugzeugs bringt den Flugverkehr der EU und Russland durcheinander. Erst darf die Lufthansa nicht in Russland landen und dann reagiert Berlin mit Verboten gegen russische Fluglinien. Nun gibt es wieder grünes Licht - für beide Seiten.

Fehlende Fluggenehmigungen im deutsch-russischen Luftverkehr haben zu Stornierungen mehrerer Reisen in beiden Ländern geführt. Für Flüge der Lufthansa sei von der zuständigen russischen Behörde keine rechtzeitige Genehmigung erfolgt, teilte das Bundesverkehrsministerium in Berlin mit. Deswegen habe auch das Luftfahrt-Bundesamt keine weiteren Genehmigungen für Flüge russischer Airlines erteilt, solange die Genehmigungen aus Moskau ausstanden. Betroffen waren Flüge der Gesellschaften Aeroflot und S7. Am Abend teilte die Lufthansa mit, doch wieder in Moskau und Sankt Petersburg landen zu dürfen. Sie habe inzwischen die Genehmigung für den kompletten Juni bekommen, sagte eine Unternehmenssprecherin. Zwei für den Mittwochvormittag geplante Flüge von Frankfurt waren storniert worden wegen der fehlenden Genehmigung.

Auch von russischer Seite gab es am Abend Entwarnung. "Alles ist in Ordnung, wir haben alle Genehmigungen erhalten", sagte Aeroflot-Chef Michail Polubojarinow der russischen Nachrichtenagentur Tass. Ein Sprecher der Fluggesellschaft S7 erklärte ebenfalls, dass die Genehmigungen der deutschen Behörden vorlägen. Die Flüge nach Deutschland könnten planmäßig stattfinden.

Zuletzt hatten auch Air France und Austrian Airlines einzelne Flüge annullieren müssen, weil sie keine rechtzeitige Erlaubnis russischer Behörden bekamen. Hintergrund der Probleme ist, dass die westlichen Gesellschaften wegen der Umgehung des Luftraums von Belarus neue Flugrouten beantragen müssen. Die russische Luftfahrtbehörde hatte erklärt, dass sie wegen der Vielzahl solcher Anträge nicht mit der Bearbeitung hinterherkomme. Der Kreml in Moskau wies Befürchtungen zurück, dass es sich angesichts der Spannungen zwischen der EU und Russland um politische Probleme handeln könnte. Die Umgehung des Luftraums von Belarus ist nötig, weil die EU die Ex-Sowjetrepublik für nicht mehr sicher erklärt hat.

Der als "letzter Diktator Europas" verschriene Machthaber Alexander Lukaschenko hatte am Sonntag vor einer Woche in Minsk eine Ryanair-Passagiermaschine mit mehr als 100 Menschen an Bord zur Landung zwingen lassen. Danach ließ er den Oppositionsaktivisten und Blogger Roman Protassewitsch und dessen Freundin, die unter den Passagieren waren, festnehmen. Die EU reagierte mit einem Start-, Lande- und Überflugverbot für die belarussischen Fluggesellschaften. Westliche Airlines wurden aufgefordert, den Luftraum von Belarus zu meiden. Sie müssen deshalb etwa bei Russland neue Routen beantragen.

Hintergrund des deutschen Problems mit Russland war nach Berliner Ministeriumsangaben, dass Moskau im März 2020 wegen der Corona- Pandemie einseitig die bilateralen Vereinbarungen zum Linienverkehr ausgesetzt hatte. Daher würden Flüge zwischen beiden Ländern in verringerter Zahl, teils auf monatlicher Charterbasis und auf der Grundlage der Gegenseitigkeit genehmigt.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa/AFP

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