Politik

Kurz fordert EU-Impfpass "Wer geimpft ist, soll volle Freiheit haben"

imago0113088973h.jpg

Sieht keinen Weg, eine dritte Welle zu verhindern: Sebastian Kurz.

(Foto: imago images/Alex Halada)

Trotz vergleichsweise hoher Inzidenz beschließt Österreich zahlreiche Lockerungen und setzt stattdessen auf eine breit angelegte Test-Kampagne. Kanzler Kurz rechtfertigt den Schritt mit einem steigenden Frust in der Bevölkerung. Geimpften will er Privilegien ermöglichen.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat für ein EU-weites Corona-Impfzertifikat nach israelischem Vorbild plädiert. Diese Bescheinigung solle es am besten digital auf dem Handy geben, sagt Kurz der "Bild"-Zeitung. Der Impfpass solle unter anderem die Rückkehr zur Reisefreiheit in Europa ermöglichen. Auch Kultur, Sport und Gastronomie "können wir dann sicherstellen und gewährleisten".

"Wer geimpft ist, der soll volle Freiheit haben", so Kurz. In Israel können Bürger, die zwei Impfdosen gegen das Coronavirus erhalten haben, seit Neuestem einen "Grünen Pass" ausgestellt bekommen. Dieser ermöglicht es ihnen unter anderem, wieder Fitnessstudios und Theater zu besuchen und in Hotels zu übernachten.

Kurz rechtfertigt die trotz vergleichsweise hohem Inzidenzwert beschlossenen Öffnungen. Demnach führe Österreich wöchentlich 2,5 Millionen Tests durch, das entspreche etwa einem Viertel der Bevölkerung. "Wir schaffen es dadurch, das Wachstum zu bremsen und die Öffnungsschritte vorsichtig vorzunehmen", so Kurz.

In Österreich sind seit rund zweieinhalb Wochen unter anderem Schulen und Geschäfte wieder geöffnet. Die Inzidenz liegt derzeit bei 137 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Wert bei 61,7.

Viele Menschen "vereinsamen"

Die derzeit steigende Zahl an Ansteckungen führt Kurz auf die Zunahme an Tests zurück. Dennoch komme "die dritte Welle auf uns zu", dies lasse sich "nicht verhindern". Vorerst setzt die Alpenrepublik aber weiter auf ihre Strategie. Betriebe und Schulen würden regelmäßig testen. Mithilfe von kostenlosen Testangeboten und Selbsttests für zu Hause sei das Infektionsgeschehen "besser kontrollierbar".

Die Lockerungen erklärt Kurz auch mit einer sinkenden Akzeptanz in der Bevölkerung: "Ein Lockdown, wo keiner mitmacht, der hat natürlich auch wenig Sinn", heißt es in der "Bild"-Zeitung weiter. Er habe beobachtet, dass die Maßnahmen an Kraft verlieren würden, weil sich die Menschen immer weniger daran gehalten hätten. Der Frust in der Bevölkerung habe zugenommen, zudem würden viele Menschen "vereinsamen".

Für den Sommer ist Kurz optimistisch. Durch die zu erwartende hohe Durchimpfungsrate werde man "zur Normalität zurückkehren können". Dann sei auch ein Urlaub in Österreich wieder möglich. "Ich freue mich schon auf viele Menschen aus Deutschland".

Quelle: ntv.de, mdi/AFP

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.