Politik

Putin alleine reicht nicht Wer hat die russischen Atomkoffer?

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Für den Einsatz einer russischen Atomwaffe braucht es zwei der drei Männer.

(Foto: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP)

Im Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine war es am Wochenende die nächste Eskalationsstufe: Russland versetzt seine Abschreckungsstreitkräfte in Alarmbereitschaft. Alleine kann der russische Präsident eine Atomwaffe nicht zünden.

Es sei nicht so, dass Wladimir Putin vor einem roten Knopf sitze und darauf warte, ihn zu drücken, sagte der Militärexperte Thomas Wiegold bei ntv, nachdem der russische Präsident am Sonntag angekündigt hatte, die Alarmbereitschaft der Atomstreitkräfte zu erhöhen. Am gestrigen Montag meldete Verteidigungsminister Sergej Schoigu dann Vollzug. Die Alarmierung betreffe die strategischen Raketentruppen, die Nord- und die Pazifik-Flotte sowie die Fernfliegerkräfte.

Um diese Atomstreitkräfte nicht nur in Alarmbereitschaft zu versetzen, sondern tatsächlich einen Atomschlag auszuführen, reicht Putin alleine nicht aus. Der ehemalige NATO-General Egon Ramms erläuterte im ZDF, dass es in Russland eine Art Kontrollfunktion bei den Atomwaffen gebe. In den USA gibt es den bekannten "Nuclear Football", der immer mit dem US-Präsidenten reist. Analog dazu setzt Russland auf gleich drei Atomkoffer, die bei unterschiedlichen Personen sind.

Für einen Atomschlag braucht es die Zustimmung von zwei der drei Koffer. Die Gefahr von Missverständnissen sei zwar gegeben, sagte Ramms. "Ich hoffe, dass dieses Prinzip, dass man mindestens zwei Koffer braucht, um die Waffen auszulösen, entsprechend greift", erklärte der Ex-NATO-General.

Schon 2014 wurden die Atomstreitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt

Der russische Präsident hat selbst die Kontrolle über einen der drei Atomkoffer. Der zweite ist bei seinem Verteidigungsminister Schoigu, der als Vertrauter Putins gilt. So begleitet der Minister den Präsidenten regelmäßig beim Jagen und Fischen. Der dritte Koffer befindet sich in der Obhut des Chefs des Generalstabs der russischen Streitkräfte, Waleri Gerassimow.

Bisher hatte Putin nur vage mit einem massigen Gegenschlag gedroht. Auch Militärexperte Wiegold ging am Sonntag bei ntv davon aus, dass es bei Putins Ankündigung, die Alarmbereitschaft der Streitkräfte zu erhöhen, eher um psychologische Kriegsführung gehe als um die wirkliche Vorbereitung eines Atomschlags. Die Abschreckungsstreitkräfte seien aus einem Friedensbetrieb in einen "ersten Alarmzustand überführt" worden, erklärte Wiegold.

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Ex-General Ramm wies zudem darauf hin, dass es in der jüngeren Geschichte bereits vorgekommen sei, dass die Alarmbereitschaft der Atomstreitkräfte erhöht wurde. Das letzte Mal passierte dies 2014, als Russland die Krim annektierte. "Es gibt vier Stufen, in denen hochgefahren wird. Wir befinden uns gerade in Stufe zwei. Das heißt, die Stufen drei und vier sind noch nicht ausgelöst."

Nach dem jüngsten Jahresbericht des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) aus dem vergangenen Juni verfügt Russland über 6255 der 13.080 Atomwaffen, die die neun Atommächte der Erde schätzungsweise in ihrem Besitz haben. Die USA verfügen über rund 5550 solcher Sprengkörper.

Quelle: ntv.de, ses

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