Politik

Paketbomben-Anschlag in MonacoWer ist der verletzte Oligarch Wadym Jermolajew?

30.06.2026, 17:01 Uhr
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Ermittler am Ort der Explosion in Monaco. (Foto: picture alliance / MAXPPP)

Die Ermittler gehen nach der Explosion in Monaco von einem Mordversuch aus. Im Mittelpunkt steht der Unternehmer Wadym Jermolajew. Der Geschäftsmann mit ukrainischen Wurzeln steht auf Kiews Sanktionsliste. Hinter dem Anschlag vermuten Ermittler die organisierte Kriminalität.

Nach der Explosion einer Paketbombe in Monaco, bei der ein aus der Ukraine stammender Geschäftsmann schwer verletzt wurde, hat die Staatsanwaltschaft des Fürstentums Ermittlungen wegen Mordversuchs aufgenommen. Es gebe keine Hinweise auf einen Terroranschlag, sagte Staatsanwalt Stéphane Thibault in Monaco. Zur Identität der insgesamt drei Opfer äußerte er sich nicht.

Mehreren Quellen zufolge handelt es sich um den Multimillionär Wadym Jermolajew, ein Unternehmer ukrainischer Herkunft, sowie um dessen Frau und den 13 Jahre alten Sohn des Paares. Jermolajew hatte sich als umstrittener Immobilienunternehmer einen Namen gemacht. In seiner Heimatstadt Dnipro gehörte er mit seiner Firma Alef zu den bedeutendsten Stadtentwicklern, jahrelang zählte er zu den 100 reichsten Menschen der Ukraine.

Der Zeitschrift "Forbes" sagte er einmal, dass er seit 2017 nur noch einen Pass von Zypern habe, nicht mehr der Ukraine. Als Grund gab er an, "internationalen Schutz" zu suchen. "Das ukrainische Justizsystem ist, gelinde gesagt, nicht ideal, und das Steuersystem ist nicht objektiv", sagte Jermolajew.

Seit Dezember 2023 ist der 58-Jährige von der Ukraine mit Sanktionen belegt. Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft ihm Kooperation mit Russland vor. Jermolajew soll auf der seit 2014 von Russland besetzten Krim-Halbinsel Geschäfte mit Spirituosen machen und an Russland Steuern zahlen. 2024 bestritt er in einem Interview die Vorwürfe und erklärte, dass er zwei Millionen Euro zur Unterstützung der ukrainischen Verteidigung gespendet habe.

Sohn wurde in Estland verurteilt

Jermolajew tauchte auch in Recherchen des Nachrichtenportals "Ukrajinska Prawda" zum spöttisch so getauften "Monaco-Bataillon" auf. Dabei ging es um ukrainische Politiker und Oligarchen, die sich wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine an die Cote d'Azur abgesetzt haben. Prorussische Äußerungen sind von ihm nicht bekannt. Wie "Ukrajinska Prawda" unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, könnte der Anschlag mit der organisierten Kriminalität in Verbindung stehen. Konkret soll es um betrügerische Callcenter in Dnipro gehen.

Im Dezember wurde Jermolajews Sohn Artur auf Ersuchen von Interpol auf Zypern festgenommen. Estnische Ermittler warfen dem heute 35-Jährigen vor, zu den Organisatoren eines internationalen Callcenter-Betrugsrings zu gehören, der Anleger mit fingierten Investitionsangeboten um insgesamt rund 100 Millionen Euro gebracht haben soll. Ein Gericht verurteilte Artur Jermolajew zu fünf Jahren Gefängnis. Aufgrund eines Deals mit den Behörden saß er fünf Monate in Haft und zahlte 8,5 Millionen Euro an den estnischen Staat.

Durch die Bombenexplosion wurde Wadym Jermolajew schwer verletzt. Die Frau schwebe weiter in Lebensgefahr, der Mann aber nicht mehr, sagte Staatsanwalt Thibault. Sie wurden nach Nizza in Frankreich ins Krankenhaus gebracht. Der Junge sei in der Nacht operiert worden. Laut französischen Berichten wurden der Frau die Beine amputiert.

An der Suche nach dem Täter seien auch französische Sicherheitskräfte beteiligt, so Thibault. Nach ersten Ermittlungen handle es sich um einen Einzeltäter, der ein Paket im Eingang des Wohnhauses abgelegt habe. Kurz nachdem die drei Bewohner dort angekommen seien, sei ein Sprengsatz gegen 21.00 Uhr am Abend detoniert. Nach Angaben des monegassischen Regierungschefs Christophe Mirmand enthielt der Sprengsatz Schrauben und Schrotkugeln.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/AFP

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